Uncharted Collection im Test: Gelungener Fanservice oder nur Hochglanz-Abzocke?

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Uncharted Collection im Test: Gelungener Fanservice oder nur Hochglanz-Abzocke?
PS4

Alte Spiele in einer modernen Verpackung: HD-Remakes gibt es wie Sand am Meer. Doch wenn ein Spiel von Naughty Dog neu aufgelegt wird, dann ist es etwas Besonderes. Wir haben „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ bereits getestet und verraten, ob es ein absoluter PS4-Pflichtitel ist.

Wenn einem nichts Neues mehr einfällt, dann probiert man es einfach mit Neuauflagen bekannter Hits. Was in Hollywood funktioniert, ist inzwischen auch im Spielebereich gang und gäbe. Nachdem zuletzt Bethesda und Arkane Studios mit „Dishonored Definitive Edition“ den alten Meuchelmörder Corvo noch einmal aus der Mottenkiste geholt haben, ist nun die Playstation exklusive „Uncharted“-Trilogie dran.

Für „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ besorgt sich Naughty Dog tatkräftige Unterstützung. Bluepoint Games werkelte bereits an erfolgreichen Remakes wie „Metal Gear Solid: HD Collection“ oder „ICO & Shadow of the Colossus“. Wird „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ also der leckere Appetitmacher vor dem Erscheinen von „Uncharted 4: A Thief’s End“ oder verdirbt euch die Sammlung vielleicht gar den Hunger auf neue Abenteuer?

Da fehlt doch was!

Einen Zahn müssen wir euch leider gleich zu Beginn ziehen: Der Titel „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ vermittelt einen falschen Eindruck der Vollständigkeit. Denn Naughty Dog und Bluepoint Games setzten die Schere an: So fehlt beispielsweise der Playstation-Vita-Ableger „Uncharted: Golden Abyss“. Naughty Dog begründete diesen Umstand zuletzt damit, dass das Spiel nicht in den Erzählzyklus der großen Trilogie passt.

Uncharted Collection - Bild 9

Wir vermuten vielmehr, dass deutlich mehr Entwicklungsarbeit von Nöten gewesen wäre, um das Handheld-„Uncharted“ in Form zu bringen und dass dieser Aufwand den Ertrag nicht gelohnt hätte. Bei den drei großen Teilen der Nathan-Drake-Saga sind zudem nur die Kampagnen in der „Collection“ enthalten. Die im zweiten und dritten Part integrierten Multiplayer-Funktionen sind weiterhin nur bei den PS3-Originalen verfügbar.

Blitzsaubere Anpassung

Alle „Uncharted“-Teile brachten zu ihrer Zeit die Hardware der Playstation 3 an ihre Grenzen und gelten bis heute als Aushängeschilder der vergangenen Konsolengeneration. Entsprechend gewissenhaft passt Bluepoint Games die Spiele auch an die Playstation 4 an. „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ läuft durch die Bank bei flüssigen 60 Bildern pro Sekunden bei einer Auflösung von 1080p. Ruckler konnten wir im Test nicht feststellen. Besonders „Uncharted: Drake’s Fortune“ sieht mit seinen acht Jahren auf dem Buckel erstaunlich frisch und unverbraucht aus.

Uncharted Collection - Bild 10

Kein Wunder, schließlich wurde ebenfalls an den Texturqualität und an Licht- und Partikeleffekten gearbeitet. Das Ergebnis ist absolut beachtlich. Speziell die Inszenierung der Actionszenen – etwa bei dem legendären Zugabsturz zu Beginn von „Uncharted 2: Among Thieves“ – ist bis heute ungeheuer stimmig und profitiert massiv von der schärferen Grafik, dem flüssigeren Spielablauf und den übrigen grafischen Verbesserungen.

Zugegeben, die Darstellung der Gesichter ist in Titeln wie „Until Dawn“ sicherlich detaillierter. Nichtsdestotrotz zieht einen „Uncharted“ sofort wieder in seinen Bann und lädt einen förmlich zu großen Abenteuern ein.

Auf den Spuren von Indiana Jones!

Auch spielerisch gibt es einige kleinere Verbesserungen, die aber wirklich nur Kenner der Serie wirklich bemerken werden. So wurde beispielsweise das Deckungs- und Shooter-System der gesamten Trilogie an „Uncharted 2: Among Thieves“ angepasst. Entsprechend flüssig spielen sich die Schießereien mit den Ganoven auch. Die Wechsel zwischen den Waffen funktionieren ausgezeichnet. Das Werfen von Granaten ist intuitiv und simpel. Die Deckungsmechanik hält selbst dem Vergleich mit aktuellen Spielen problemlos stand und genau deshalb machen die Feuergefechte auch in „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ mächtig Laune.

Uncharted Collection - Bild 7

Die gesamte Trilogie zeichnet sich durch die filmreife Mischung aus Kämpfen, Rätseln und dem Erkunden der fantastischen Spielwelt aus. „Uncharted“ vermittelt das Gefühl eines großen Abenteuers und ist damit so etwas wie der „Indiana Jones“ der Generation Playstation. Die Spiele strotzen vor Humor, Spannung und Dramatik. Diese Inszenierung fasziniert auch heute noch und macht alle drei Teile zu echten Meisterwerken.

Wenn man bei „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ wirklich etwas bemängeln will, dann sind das nur Kleinigkeiten. Im Test blieben erledigte Gegner immer wieder in Objekten wie Mauern oder gar dem Boden stecken. Darüber hinaus vollführten sie oftmals wilde Kunststücke in der Luft, sobald Explosionen mit ins Spiel kommen.

Wirklich störend fallen die kleineren Animationsschwächen auf: Nates Bewegungen – speziell im ersten Teil – wirken zuweilen arg hektisch und wenig natürlich. Außerdem rutscht er oftmals über Oberflächen. Beim Hinaufsteigen von Stufen etwa sieht es eher aus, als würde die Spielfigur eine Rampe hoch gehen. Hier gelingt es der betagten Grafik-Engine nicht, ein klares Gefühl für die Spielwelt zu kreieren.

Die üblichen Boni eines HD-Remakes

Darüber hinaus bietet „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ die typischen Extras für eine Remaster-Fassung inkl. Verschiedenen Sprachfassung, darunter auch das englische Originale. Mit Hilfe des Foto-Modus könnt ihr das Spiel anhalten und schöne Augenblicke mit Filtern, Blenden und Effekten bearbeiten. Leider ist die Kamera hier nicht frei beweglich, sondern rotiert um Hauptcharakter Nathan Drake herum.

Uncharted Collection - Bild 11

Einsteiger freuen sich über den Schwierigkeitsgrad „Forscher“. Experten probieren sich dagegen auf „Gnadenlos“ oder stoppen ihre Zeit im Speed-Run-Modus. Darüber hinaus findet ihr jede Menge freischaltbare Spielereien wie Kostüme, spezielle Waffen und Bild-Effekte wie ein Schwarz-Weiß-Modus.

Fazit

Operation gelungen! Naughty Dog und Bluepoint Games bringen die „Uncharted“-Trilogie erfolgreich auf die Playstation 4 und machen damit mächtig Lust auf „Uncharted 4: A Thief’s End“. Die technische Umsetzung der Klassiker ist beeindruckend und zeigt einmal mehr, wie weit Naughty Dog der Zeit voraus war. Selbst das acht Jahre alte „Uncharted: Drake’s Fortune“ ist in seiner Inszenierung derart unverbraucht, dass es einfach eine Freude ist, mit Nate, Sully und Elena erneut auf Abenteuerreise zu gehen. Die zusätzlichen Inhalte von „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ sind nette Extras und speziell der Foto-Modus wird sicher seine Fans finden. Doch die eigentlichen Hauptdarsteller dieser Sammlung sind sicherlich die Spiele und deren Präsentation selbst. Wer also noch einige Teile nachholen oder noch einmal auf die Suche nach El Dorado oder den Schätzen Marco Polos gehen möchte, dem legen wir „Uncharted: The Nathan Drake Collection“ wärmstens ans Herz. Hier werdet ihr garantiert ausgezeichnet unterhalten!

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