Assassin’s Creed Syndicate im Test: Fehlerfreier Stealth-Spaß oder Bug-Desaster?

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Assassin’s Creed Syndicate im Test: Fehlerfreier Stealth-Spaß oder Bug-Desaster?

Willkommen im viktorianischen London: Kann „Assassin's Creed Syndicate“ die Scharte seines Vorgängers auswetzen oder ist es ein weiterer Nagel in den Sarg der Assassinen-Saga?

„Assassin’s Creed Unity“ stellte den Tiefpunk der bekannten Action-Stealth-Serie dar. Als das Spiel im vergangenen November erschien, ärgerten sich viele Käufer über Programmfehler und Abstürze. Ubisoft versuchte die Wogen zu glätten und schenkte allen „Unity“-Käufern ein Spiel aus dem eigenen Portfolio. Auch das eigentlich als kostenpflichtiges Story-Add-On gedachte „Assassin’s Creed: Dead Kings“ gab es als Trostpflaster obendrauf.

Doch der Tenor der Community war einhellig: „Assassin’s Creed“ hat seinen Zenit überschritten und „Unity“ war der traurige Beweis dafür. Nichtsdestotrotz wagt Ubisoft mit „Assassin’s Creed Syndicate“ bereits ein Jahr nach dem „Unity“-Debakel einen Neuanfang. Skepsis ist also angesichts von „Syndicate“ durchaus angebracht!

Eine Londoner Geschichte

Ubisofts neustes Abenteuer führt euch ins viktorianische London. Dort hat sich nämlich ein mächtiger Templer namens Crawford Starrick eingenistet, der von der Stadt an der Themse aus versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Das gefällt dem Zwillingspärchen Jacob und Evie Frye überhaupt nicht und so missachten die Assassinen die Befehle des Ordens, um Starrick in London das Handwerk zu legen. „Assassin’s Creed Syndicate“ hält sich nicht allzu lange mit Vorreden auf und bereits nach knapp einer Stunde seit ihr mitten drin im Kampf gegen die Templer.

Die Motive von Jacob und Evie Frye werden dabei ebenfalls kurz angerissen: Jacob möchte eine eigene Gang namens The Rooks gründen und über London herrschen. Evie dagegen folgt den Vorgaben ihres Vaters und will in erster Linie den Templern das Handwerk legen. Dieser Konflikt der Geschwister spielt im Verlauf eine größere Rolle und äußert sich vor allem im Missionsdesign.

Hauptaufträge sind meist nur mit einer bestimmten Figur spielbar, während ihr bei Nebenmissionen mit beiden Charakteren zu Werke gehen dürft. Der Wechsel der Figuren erfolgt umständlich über das Pausenmenü. Speziell wenn ihr Talentpunkte oder die Ausrüstung wechseln wollt, ist hier unnötig viel Klickarbeit von Nöten.

Wirklich fehlerfrei?

Doch springen wir gleich zur wichtigsten Frage: Läuft „Assassin’s Creed Syndicate“ fehlerfrei und problemlos? Die Redaktion von PLAYM.DE testete die Playstation 4-Version (inklusive Day-One-Patch) und gibt Entwarnung: Keine Stürze durch die Spielwelt, keine fehlenden Gesichtstexturen, keine Einbrüche in der Framerate. „Syndicate“ ist ein wunderschönes und zu jeder Zeit gut spielbares Open-World-Actiongame. Kleinere Patzer gibt es zwar hier und da weiterhin, etwa wenn Evie oder Jacob auf Fahnenmasten stehen und dabei ein Fuß in der Luft hängt. Oder wenn erledigte Gegner in andere Objekte hineinragen. Wer genau hinschaut, wird kleinere Fehler erkennen, doch diese wirken sich weder auf das Spiel noch auf die Erlebnis an sich aus.

Zwei Helden, zwei Spielweisen

Mit seinen zwei Protagonisten führt „Syndicate“ auch gleichzeitig unterschiedliche Spielstile ein. Kontrolliert ihr Evie, solltet ihr besser vorsichtig vorgehen und schleichen. Mit Jacob dagegen könnt ihr auch die offene Konfrontation mit mehreren Gegnern wagen. Die Charaktere gewinnen mit der Zeit an Erfahrung dazu und leveln simultan auf. Erhaltene Talentpunkte verteilt ihr auf einen drei Fähigkeitenbäumchen und lernt so zusätzliche Fertigkeiten wie etwa das durch Wände schauen mit der Adlersicht.

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Obwohl die beiden Figuren unterschiedliche Spielweise suggerieren, besitzen beide Charaktere letztlich nur jeweils drei individuelle und exklusive Eigenschaften, die ihr erst zum Ende freischaltet. „Syndicate“ legt größeren Wert auf den Stealth-Aspekt im Spiel, wodurch gerade Hauptcharakter Jacob etwas ins Hintertreffen gerät. Die Schleichmechanik selbst wurde um bekannte Elemente wie beispielsweise das aus „Black Flag“ bekannte Pfeifen zum Anlocken der Feinde ergänzt. Die Kämpfe wiederum erinnern noch stärker an die „Batman“-Serie als jemals zuvor und verknüpfen Kombos mit Kontern und Attacken zum Aufbrechen der Deckung.

Eine Stadt zurückerobern

„Assassin’s Creed Syndicate“ entlässt euch sehr schnell in die offene Spielwelt mit all ihren Aufgaben. Die sieben verschiedenen Bezirke Londons sind unter der Kontrolle der Blighters und ihr müsst diese in einzelne Sektoren gesplitteten Bereiche übernehmen. Dazu arbeitet ihr vier Aufgabentypen in weit über 50 Regionen ab: Kindesbefreiung, Kopfgeldjagd, Templerjagd und Gangquartiereroberung. Zum Schluss eines solchen Feldzugs gibt es dann den Endkampf gegen den Boss der jeweiligen Region in einem Bandenkrieg. Die Rooks könnt ihr – ähnlich wie in früheren „Assassin’s Creed“-Spielen – auf der Straße rekrutieren und in den Kampf schicken. Mit Gang-Upgrades erleichtert ihr euch ebenfalls das Leben, indem ihr beispielsweise die Polizei bestecht, eure Leute aufwertet oder die Infrastruktur der Stadt fördert. Grundsätzlich sind diese Ideen schön umgesetzt, allerdings hätten die Rooks gerade im späteren Spielverlauf eine prominentere Rolle spielen dürfen.

Die Gegner-KI ist nun an ein ähnliches Stärkesystem gekoppelt, wie Jacob und Evie selbst. Dadurch habt ihr nur durch leises Vorgehen eine Chance auch mit einem unterklassigen Assassinen stark gesicherte Bereiche einzunehmen. Die verschiedenen Missionen erfordern grundsätzlich anderes Vorgehen: Bei der Kopfgeldjagd beispielsweise müsst ihr eine Zielperson entführen. Bei Kindesbefreiung dagegen infiltriert ihr Fabrikanlagen, schaltet Vorarbeiter aus und rettet Kinderarbeiter. Ihr habt die Wahl, wie oft ihr euch mit diesen Nebenbeschäftigungen aufhaltet. Da ihr allerdings beim Spielen förmlich in die markierten Areale hinein stolpern werdet, kommt ihr nicht umher, mit der Eroberung Londons viel Zeit zu verbringen. Zentraler Rückzugsort ist übrigens diesmal ein Zug, in dem ihr eure Einnahmen einsammelt oder neue Aufträge annehmt.

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Dazu kommen Loyalitätsmissionen für Verbündete wie Officer Abberline oder Assassine Henry Greene. Durch das Erledigen dieser Jobs schaltet ihr nach und nach neue Waffen oder Vorlagen frei. Das Craften funktioniert ähnlich wie bei den Vorgängern: In Kisten entdeckte Ressourcen verarbeitet ihr im Pausenmenü mit wenigen Klicks zu größeren Munitionsbeuteln oder zu Waffen-Upgrades.

Die pure Masse an Missionen führt dazu, dass sich die verschiedenen Auftragstypen – trotz Spielereien wie den Kampfarenen oder Rennen – auf Dauer wiederholen. Speziell die Loyalitäts- und Eroberungsaufträge spielen sich auf lange Sicht zu ähnlich und bieten gerade für Spieler, die nicht nur die Kampagne durchzocken wollen, zu wenig Neues.

Nach Assassinenart!

Spielerisch geht „Assassin’s Creed Syndicate“ kaum Experimente ein. Es spielt sich wie ein „Best of“ der bisherigen Serienteile mit einem stärkeren Fokus auf dem Schleichen. Praktischstes Hilfsmittel ist dabei der Seilwerfer. Mit ihm könnt ihr per Tastendruck Seile zwischen Gebäuden spannen und euch auf Türme ziehen lassen. Das erleichtert die Kletterarbeit und so manche Flucht vor Templern und Blightern.

Das Waffenarsenal selbst fällt mit Schlagringen, Kukri-Klingen und Stock-Schwertern vergleichsweise klein aus. Hinzu kommen Distanzwaffen wie Pistolen, Wurfmesser und Halluzinogen-Bolzen, sowie Rauchgranaten. Ihr seht, das Angebot wurde merklich entschlackt. Das macht „Syndicate“ auf der einen Seite überschaubarer, bietet aber trotz aller Upgrade- und Ausrüstungsmöglichkeiten wenig Chancen, der Individualisierung. Hier wagen andere Spiele deutlich mehr.

„Assassin’s Creed Syndicate“ spielt sich für Kenner der Serie sehr vertraut, wodurch schnell ein guter Fluss entsteht. Frustmomente gibt es kaum. Die Hauptmissionen wiederum bleiben über weite Strecken die großen Momente schuldig, punkten aber zum Ende – fast wie eine gute Serie – mit großen Attentatsarenen samt verschiedenen Lösungsansätzen. Hier zeigt sich „Syndicate“ auch von seiner erwachsenen Seite und fährt einige unbequeme Themen, aber auch brutale Mordszenen auf.

Jede Menge Nebenbeschäftigungen

An dieser Stelle möchten wir allerdings noch einmal auf die wirklich spannenden Nebencharaktere von „Assassin’s Creed Syndicate“ hinweisen. Historische Figuren wie Dickens oder Darwin erhalten in dem Open-World-Abenteuer eigene kleine Story-Fäden mit teils herrlich absurden Geschichten. Für Dickens beispielsweise geht Evie auf Geisterjagd und forscht in so genannten Groschenroman-Missionen nach Gespenstern. Uns haben die Nebenmissionen in ihrer Kürze und mit ihren gut gesetzten Pointen zumeist besser gefallen als die gestreckt wirkenden Hauptaufträge. Deshalb: Schaut hier unbedingt zwischendurch rein!

Meinung

„Assassin’s Creed Syndicate“ erfindet Ubisofts Action-Adventure-Serie sicherlich nicht neu, rehabilitiert die Kuttenkiller allerdings für die Patzer des vergangenen Jahres. „Syndicate“ ist ein über weite Strecken sehr gelungenes Open-World-Abenteuer, dass vor allem mit seiner frischen Stealth-Mechanik und einigen interessanten Ideen punktet. Der Seilwerfer beispielsweise fügt sich ebenso gut in das Gesamtkonstrukt ein, wie Kutschfahrten oder die überraschend genialen Charakternebenmissionen. Allerdings fühlt sich besonders die Hauptgeschichte zu emotionslos an. Der Plot plätschert zu lange vor sich hin, Jacob als 80er-Jahre-Actionheld funktionierte bei uns nicht. Ubisoft geht an vielen Stellen auf Nummer sicher und das merkt man „Assassin’s Creed Syndicate“ leider auch immer wieder an. Nichtsdestotrotz ist „Syndicate“ genau das Spiel, was viele erwarten werden: London ist eine wunderschöne Spielweise für die Assassinen und bietet ungeheuren Umfang und viele versteckte Gags und Missionen. Wer kein Innovationswunder braucht, wird mit „Syndicate“ eine Menge Spaß haben!

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