WWE 2K16 im Test: Auch ohne Hulk Hogan hitverdächtig?

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WWE 2K16 im Test: Auch ohne Hulk Hogan hitverdächtig?

Es wird Zeit, dass die Hölle losbricht: Nach dem durchwachsenen Vorgänger soll „WWE 2K16“ nun endlich wieder die Massen begeistern. Unser Test verrät, warum nicht nur Wrestling-Fans einen Blick auf „WWE 2K16“ werfen sollten.

Die weltgrößte Wrestling-Organisation World Wrestling Entertainment (kurz WWE) befindet sich im Umbruch: Altgediente Veteranen wie The Undertaker ziehen sich langsam aus dem aktiven Geschehen zurück. Neue, junge Stars wie Roman Reigns oder Seth Rollins streben an die Spitze.

Dieser Kampf der Generationen spiegelt sich auch in „WWE 2K15“ wider. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wächst das Roster von 50 auf weit über 100 Superstars an. Das Angebot reicht von aktuellen Wrestlern wie John Cena, Seth Rollins oder Randy Orton über Legenden wie The Ultimate Warrior oder Sgt. Slaughter bis hin zu Nachwuchs-Kämpfern wie Sami Zayn oder Finn Balor.

Ganz aktuell ist das Roster aber längst nicht: Rückkehrer wie The Dudley Boyz oder Alberto Del Rio haben den Sprung ebenso nicht geschafft, wie die neuen Divas Sasha Banks, Charlotte oder Becky Lynch. Die Auswahl ist groß, aber längst nicht perfekt! Immerhin: Dank vielfältiger Editoren baut ihr euch selbst Superstars, Einzüge, Titelgürtel und Veranstaltungen zusammen basteln. Die Baukästen sind gewohnt vielseitig und bieten eine praktische Sharing-Funktion, mit der ihr eure Kreationen mit anderen Spielern teilen könnt.

Neu gefundene Dynamik

Viel wichtiger als das vielfältige Roster sind allerdings die nach „WWE 2K15“ unbedingt notwendigen Gameplay-Neuerungen, die das aktuelle Spiel positiv von seinem Vorgänger abheben. Jeder Wrestler verfügt über eine bestimmte Anzahl an Konterbalken. Diese füllen sich mit der Zeit auf, begrenzen aber die Masse der verfügbaren Kontern. Habt ihr alle aufgebraucht, seid ihr schutzlos. Durch die Limitierung werden sie zu einer wertvollen Ressource, die ihr taktisch klug einsetzen müsst.

Gleiches gilt für die Ausdauer eurer Athleten. Mit jeder Aktion verbraucht ihr ein kleines Stück der zunächst dunkelblauen Leiste. Reiht ihr also viele Aktionen aneinander oder lauft viel, geht eure Kondition langsam in den Keller. Die Konsequenz: Ihr könnt bestimmte Moves nicht mehr ansetzen oder benötigt länger, um auf die Beine zu kommen oder um auf das oberste Seil zu klettern. Ihr müsst also mit den Kräften haushalten und zwischendurch Ruhepausen oder Restholds – also Aufgabegriffe – einschieben.

Diese beiden Faktoren allein machen die Kämpfe in „WWE 2K16“ kniffeliger. Gleichzeitig erlaubt euch das Spiel auch gezieltes Attackieren bestimmter Körperteile, was ebenfalls die Fähigkeiten der Wrestler beeinflusst. Das im Vorgänger eingeführte Ketten-Wrestling rückt wieder mehr in den Hintergrund und so startet nicht mehr jeder Kampf mit dieser Mini-Spiel-Sequenz.

Die Dynamik innerhalb der Matches wirkt weitaus natürlicher, kulminiert aber schließlich stets in dem Ansetzen (und Auskontern) von Signature- oder Finishing-Moves. Wenn wir einmal von den etwas müßigen Submission-Mini-Games absehen, erzeugt „WWE 2K16“ mit seinem soliden Simulationsanspruch sicherlich die beste Wrestling-Erfahrung seit langer Zeit.

Noch nicht perfekt

Allerdings hakt es auch bei „WWE 2K16“ an einigen Stellen. Der Einsatz von Gegenständen – wie beispielsweise Leitern, Stühlen oder Tischen – wurde kaum verändert. Dadurch mangelt es diesen Aktionen immer wieder an Wucht. Ein Schlag mit Stings Baseball-Schläger an den Kopf des Gegners richtet beispielsweise zu wenig Schaden an und wird kaum von den Computer-Wrestlern verkauft.

Dazu machten wir im Test immer wieder Bekanntschaft mit kleineren Bugs und Glitches. Die KI-Wrestler blieben nur allzu gerne mal stehen und wussten nicht, wo sie eigentlich hinlaufen sollten. Objekte blieben merkwürdig im Boden stecken oder es kam zu kleineren Schwierigkeiten beim Klettern auf die Seile.

Technisch hinterlässt „WWE 2K16“ einen guten Eindruck. Speziell die Präsentation und die vielen neuen Bewegungsabläufe verleihen dem Spiel einen spürbar realistischeren Anstrich. Bei der Darstellung der Wrestler selbst gibt es Licht und Schatten. Aktuelle Stars wie John Cena, Seth Rollins oder Cesaro sind ihren Vorbilder wirklich zum Verwechseln ähnlich. Legenden wie Lex Luger oder Ricky „The Dragon“ Steamboat hingegen besitzen fiese, überzeichnete Fratzen, die mit dem Original nur begrenzt etwas zu tun haben.

Schwache Leistung am Mikro

Enttäuschend fällt die Leistung der Kommentatoren aus. Speziell die Dreier-Kombination aus Jerry Lawler, JBL und Michael Cole nervt auf Dauer mit den immer gleichen, hohlen Sprüchen. Besonders in der Karriere, wo ihr zwangsläufig mit immer demselben Wrestler antretet, häufen sich die Dopplungen. Zudem sind einige Sprüche auch noch merkwürdig dumpf und passen so gar nicht zu Aufnahmequalität der übrigen Einspieler.

Einziger Lichtblick ist die Untermalung des 2K Showcases. Hier hat man sich offensichtlich Mühe gegeben und verknüpft den Original-Kommentar mit aktuellen Anekdoten. Schade, dass Formulierungen wie „World Wrestling Federation“ oder „WWF“ immer wieder störend ausgeblendet werden müssen.

Auf dem Weg in die Hall of Fame

Das 2K Showcase verfolgt diesmal lediglich die Karriere von „Stone Cold“ Steve Austin. Dabei veranschaulichen hübsch zusammen geschnittene Videoaufnahmen Fehden mit The Rock, Triple H oder auch The Undertaker. Wie im WWE-Fernsehen bekannt, sind diese Clips wirklich toll und erzeugen sofort mächtig Stimmung. Ihr kämpft im Verlauf historische Matches nach und müsst bestimmte Aufgaben erfüllen, um Extras wie Arenen oder Legenden freizuschalten. Dadurch, dass ihr stets Steve Austin übernehmt, wiederholen sich die Aufgaben allerdings nach einiger Zeit. Darunter leidet auch die Motivation.

In der Karriere startet ihr mit einem kreierten Wrestler in WWE’s Nachwuchsliga NXT durch. Der Anfang zieht sich hier leider, da euer Rookie zu Beginn absurd miese Werte hat. Dadurch kassiert man nicht nur Niederlagen. Die Kämpfen fühlen sich auch ausgesprochen mühsam und zäh an. Erst mit der Zeit gewinnt man ausreichend Talentpunkte und Credits hinzu, um neue Fähigkeiten und Werte-Upgrades einzukaufen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Karriere in „WWE 2K16“ lebendiger und abwechslungsreicher.

Ob ihr Gut oder Böse seid, entscheidet ihr nun selbst und unterstreicht diese Wahl mit markigen Sprüchen in Interviews oder hinterhältigen Attacken gegen eure Rivalen. Der größte Dämpfer sind hier die erneut langen Ladezeiten, die den Spielfluss leider ein wenig bremsen. Sobald ihr das Haupt-Roster erreicht habt, kämpft ihr nicht mehr nur um die großen Gürtel, sondern dürft auch mit der Authority paktieren oder eben gegen sie aufbegehren. Der Karrieremodus motiviert damit bis zur Aufnahme in die Hall of Fame. Nichtsdestotrotz wirken gerade die Segmente und Interviews viel zu steif und unnatürlich. Hier hat 2K Games noch eine Menge Arbeit vor sich.

Zu guter Letzt folgt schließlich noch der Universe-Mode. Hier legt ihr über eure TV-Shows selbst Rivalitäten fest und kämpft diese aus. Gerade durch die Einbindung von kreierten Wrestlern und Legenden ist hier viel Zündstoff drin. Wer immer schon mal Vince McMahon spielen und seine eigene Liga führen wollte, hat hier eine Menge Freude.

Meinung

Nachdem sich „WWE 2K15“ noch arg halbgar angefühlt hat, ist 2K Games mit „WWE 2K16“ auf dem richtigen Weg und liefert die beste Wrestling-Simulation seit vielen Jahren ab. Das liegt insbesondere an dem aufgewerteten Kampfsystem. Zwar nerven die vielen Mini-Spiele mitunter weiterhin, aber zumindest stimmt nun die Dynamik dank Ausdauer- und Konter-System. Die Kämpfe fühlen sich ausgeglichener an und besitzen einen stimmigeren Fluss als in den letzten Ablegern der Serie. Letztlich machen auch genau deshalb die großen Spielarten wie die Karriere, das Showcase oder das WWE Universum derart Spaß. Es steckt einfach ungeheuer viel in „WWE 2K16“ und dank des riesigen Rosters habt ihr viele verschiedene Kampfstile vereint. Wer sich also nur ein Fünkchen für Wrestling interessiert, der wird mit „WWE 2K16“ im siebten Wrestling-Himmel schweben!

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