ANNO 2205 im Test: Bluebytes Aufbausimulation entführt euch auf den Mond!

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ANNO 2205 im Test: Bluebytes Aufbausimulation entführt euch auf den Mond!
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„Anno 2205“ ist ein mutiger Neustart von Bluebytes Zeitfresser und bricht mit vielen Traditionen. Die Frage ist nur: Verliert „Anno 2205“ damit den Bezug zu seinen erfolgreichen und beliebten Vorgängern?

Majestätisch ragen die gläsernen Dächer der Hochhäuser in den Himmel. Schwebende Autos fliegen durch die Straßen. Den Bewohnern des Walbruck-Beckens geht es gut. Sie bekommen nichts von der drohenden Energiekrise mit. Denn die Welt steht in der Zukunft vor dem Kollaps. Die natürlichen Ressourcen sind aufgebraucht und es muss nach Alternativen geforscht werden.

In „Anno 2205“ übernehmt ihr die Kontrolle über einen millionenschweren Großkonzern, der die Geschicke der Erde in eine neue Richtung lenken soll. Erstmals in der Seriengeschichte trennt „Anno 2205“ nicht mehr zwischen der Kampagne und dem Endlosspiel. Stattdessen generiert ihr in der Aufbausimulation eine gigantische, persistente Spielwelt und entscheidet selbst, wo ihr eure Zelte aufschlagt und welchen Herausforderungen ihr euch stellt.

Der Grundsteinbau

Nachdem ihr eure Firma mit Namen und Logo versehen habt, steht ihr vor der ersten Entscheidung im Spiel. In welchen Startgebiet möchtet ihr beginnen. In „Anno 2205“ erstreckt sich euer Städtenetzwerk über mehrere Sektoren, die geographisch von einander getrennt und über unterschiedliche Ressourcen und Zusatzmissionen verfügen.

ANNO 2205 Review - Bild 5

Zu Spielbeginn gibt sich „Anno 2205“ noch sehr traditionell und führt Anfänger vorsichtig in die Mechanik ein. Eine Beraterin steht euch mit Rat und Tat zur Seite. Die Auswahl an Gebäuden ist gering. Eure Arbeiter benötigen zunächst nur Nahrung. Die dafür gebauten Reisfarmen wiederum verbrauchen Wasser und Strom. Also baut ihr an der Küste Entsalzungsanlagen und Windkraftwerke.

In „Anno 2205“ spielen Umweltfaktoren oder Umweltverschmutzung keine Rolle. Daher ist es auch euch überlassen, wo ihr die Windkraftwerke platziert, so lange sie nicht dicht bei einander stehen. Auch die Bewohner scheren sich nicht, wenn in ihrer Nachbarschaft Minen oder schmutzige Fabriken stehen.

Einzig eure Gebäude müssen stets mit einer Straße verbunden sein. Nur so werden die grundlegenden Bedürfnisse – etwa für Strom, Nahrung oder andere Ressourcen – befriedigt. Voraussetzung für eine rechtzeitige Lieferung sind dagegen Logistikunternehmen, die mit ihren kleinen Lastwagen über die Straßen juckeln und emsig alle Waren bringen.

Ebenfalls neu: Ihr dürft Gebäude nun erstmals verschieben. Ein Doppelklick genügt und schon färbt sich die Umrandung orange. Anschließend setzt ihr es einfach an einen anderen Platz.

Die Komplexität steigt

Kenner der „Anno“-Serie werden über den allzu simplen Einstieg sicher schmunzeln und würden sich wünschen, dass sie gleich in die Vollen gehen können. Doch mit dem steten Wachstum der eigenen Provinz steigen auch die Wünsche der Bewohner und damit werden die Produktionsketten immer länger. Mit dem Beförderungswerkzeug lasst ihr nämlich eure Arbeiter zu Administratoren und später zu Managern oder Investoren aufsteigen. Dafür müsst ihr aber alle Bedürfnisse erfüllen, die natürlich mit jeder Stufe komplexer und vielschichtiger werden.

ANNO 2205 Review - Bild 6

An dieser Stelle kommt das neue Sektorensystem ins Spiel. Über die Übersichtskarte könnt ihr andere Bereiche der Erde ansteuern. Ihr startet in gemäßigten Zonen, müsst aber später auch in die Arktis reisen und dort eine Forschungssiedlung aufbauen. Der Clou: Wohngebäude dürfen aufgrund der Kälte nicht für sich alleine stehen, ansonsten erfrieren die Menschen dort. Industriegebäude wie beispielsweise die Fischkonservenfabrik strahlt allerdings mit einem roten Kreis markierte Wärme ab. In der Nähe dieser Gebäude fühlen sich eure Schützlinge dann wohl und sicher. Entsprechend könnt ihr beim Basislagerbau in der Arktis nicht munter drauflos erobern, sondern müsst den Faktor „Kälte“ mit in eure Planung einbeziehen.

Darüber hinaus sind die Unterhaltskosten für Arktisbauten gerade in dieser zweiten Aufbauphase des Spiels sehr hoch. Wer unbedacht siedelt, reißt schnell ein gewaltiges Loch in seinen Haushalt. Gehen eure Einkünfte mal ins Minus, warnt euch eure Beraterin und drosselt die Produktion aller Gebäude. Ihr könnt dem entgegenwirken, indem ihr schleunigst neue Einwohner ansiedelt, die wiederum Umsatz generieren. Je fortschrittlicher eure Einwöhner in den großen Städten sind, desto mehr Geld spülen sie auch in die Kassen.

So funktioniert der Handel

Das Handelssystem wurde im Vergleich zu früheren „Anno“-Teilen ebenfalls erleichtert. Auf der Übersichtskarte erstellt ihr eine neue Route und legt anschließend fest, welcher Rohstoff von einem Sektor in den anderen transportiert werden soll. Die dadurch entstehenden Kosten werden sofort ins Budget einkalkuliert. Außerdem seht ihr, wie viel Überschuss die Gebiete produzieren, damit ihr möglichst effektiv wirtschaften könnt. Das Handelssystem ist zweifellos nicht sonderlich komplex, funktioniert aber einwandfrei.

ANNO 2205 Review - Bild 3

Denn jeder Sektor verfügt über ein zentrales Lager. In den Vorgängern musstet ihr noch mühevoll Handelslinien von Insel zu Insel aufbauen. In „Anno 2205“ genügt es, wenn die Waren irgendwo auf der Sektorkarte produziert werden. Bedeutet: Ihr könnt schneller Außenposten in den gemäßigten Zonen generieren und seid nicht dazu gezwungen, komplett neue Infrastrukturen und Produktionsketten innerhalb einer Karte zu erstellen. Auch hier gilt: Für viele „Anno“-Spieler machte genau diese Verknüpfung vieler Handelsrouten den Reiz der Serie aus. Uns gefällt das System von „2205“ ausgezeichnet, da es handlich und doch zweckdienlich ist.

Kämpfe in „Anno 2205“

Wie bereits angesprochen kombiniert „Anno 2205“ Endlosspiel und Kampagne miteinander. Ihr seid also auch beim Besiedeln der Sektoren in stetem Kontakt mit anderen Firmenköpfen – den so genannten „Big Five“. Sie geben euch immer wieder kleine Aufträge, die ihr beispielsweise mit eurem Kommandoboot erledigen müsst. Diese Nebenjobs sind sehr praktisch, um zwischendurch zusätzliche Rohstoffe oder Credits einzusacken. Allerdings nutzen sich die Aufgaben schnell ab und bieten zu wenig Neues. Viel zu oft schicken euch die Computer-Bosse auf mühsame Botengänge oder lassen euch Gebiete mit dem Mauszeiger nach Kisten absuchen.

Ähnlich unpassend wirken die (optionalen) Kampfeinsätze. In bestimmten Sektoren der Karte nehmt ihr es in Echtzeitstrategiemissionen mit den Flotten anderer Firmen auf. Die Schiffe baut ihr nicht selbst, ihr schaltet sie vielmehr durch Aufstiege frei. Upgrades dagegen bezahlt ihr mit barer Münze. Die Steuerung innerhalb der Kämpfe ist simpel. Mit einem Rechtsklick zieht ihr eure Truppen über die Karte und lasst sie angreifen. Mit blauen Treibstoff-Plättchen aktiviert ihr Spezialfertigkeiten wie Schilde oder sogar einen Raketenangriff. Die Flotteneinsätze sind ein Bruch mit der „Anno“-Serie und passen so gar nicht zum Rest des Spiels. Glücklicherweise sind sie optional. Sie sind nur eine Alternative innerhalb der Geschichte und liefern einem nützliche Rohstoffe.

Die Optimierung der eigenen Schöpfung

Wollt ihr aber das berühmte „Endgame“ erreichen, dann kommt ihr nicht um die kostspielige Besiedelung des Mondes herum. Zu diesem Zweck rüstet ihr zunächst den Raumhafen auf und schießt damit einen Shuttle ins All. Für den Austausch von Waren benötigt ihr sogar einen Weltraumaufzug. Die Spirale aus Angebot und Nachfrage dreht sich also auch in „Anno 2205“ immer schneller.

ANNO 2205 Review - Bild 2

Der Mond ist ein gefährliches Pflaster. Umher schwirrende Meteoriten bedrohen eure Forschungseinrichtungen. Deshalb benötigt ihr Schildgeneratoren, die eure Siedlung vor den Steinschlägen schützen. Der Aufbau einer funktionierenden Kolonie und speziell das Abbau der Ressourcen – wie etwa der seltenen Erden – kostet immens. Entsprechend müsst ihr eure Wirtschaft gut aufgestellt haben, damit euch das Mond-Gameplay nicht in die Schulden stürzt.

Das Schöne an „Anno 2205“ ist – neben der wirklich erstklassigen Grafik und der stimmigen Musik – vor allem die wachsende Komplexität der gesamten Unternehmung. Je weiter ihr in die Spielwelt vorstoßt, desto mehr habt ihr zu tun. Auch „Anno 2205“ kreiert das typische „Dieses Problem löse ich gerade noch“-Spielgefühl und fesselt damit für Stunden vor die Glotze.

Im Endgame zieht sich das Spiel dann mit immer komplexeren Anforderungen an und „zwingt“ einen im positivsten Sinne dazu, die eigene Siedlung immer weiter auszubauen und zu optimieren. Hier fällt besonders das neue Upgrade-System der Produktionsstätten positiv auf. Statt einfach nur immer mehr der selben Gebäude zu bauen, könnt ihr bestehende Anlagen nun erweitern und damit beispielsweise den Energieverbrauch senken oder die Produktion steigern.

Meinung

„Anno 2205“ wird anecken! Denn es führt viele neue Mechanismen ein und büßt damit gerade in der Anfangsphase einer Partie an Komplexität ein. Dadurch finden sich zwar Einsteiger schneller zurecht. Profis allerdings werden geradezu mechanisch ihre ersten Bauten hochziehen. „Anno 2205“ entwickelt seine ganze Stärke erst mit dem Vergehen der Spielstunden. Je größer das eigene Einflussgebiet wird, desto anspruchsvoller wird auch dessen Management.

Ständig kümmert ihr euch um neue Handelsroute, zieht neue Wohngebiete hoch oder versucht Versorgungsengpässe zu verhindern. Die Arktis und der Mond bietet zwei angenehm frische Settings, die zudem den Fortschritt im Spielverlaufs gut widerspiegeln. „Anno 2205“ ist – mal von den Nebenaufgaben und den Echtzeitkämpfen abgesehen – ein großer Schritt für Bluebyte und seine Aufbauserie. Das Endergebnis überzeugt insgesamt und zieht einen mit Haut und Haar in seine Welt hinein!

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