Fallout 4 im Test: Unser Ausflug ins Ödland

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Fallout 4 im Test: Unser Ausflug ins Ödland

"Fallout 4" kam in dieser Woche in den Handel. Doch ist das Endzeit-Rollenspiel aus dem Hause Bethesda das investierte Geld wert? Wir haben uns in das Ödland begeben und erzählen euch im Test, was euch erwartet.

Kaum einer hatte vor der E3 2015 damit gerechnet, dass Fallout 4 noch im gleichen Jahr auf den Markt kommen würde. Die Serie war seit ihrer Anfänge erfolgreich und so wuchs der Hype um das neue Abenteuer rasend schnell. Ob dieser gerechtfertigt ist oder aus "Fallout 4" eher ein Blindgänger wurde, erfahrt ihr in diesem Test.

Zurück im Ödland

Auch wenn die grobe Grundthematik in allen Fallout-Spielen die selbe ist, unterscheiden sich die Geschichten voneinander. Während ihr in Fallout 3 in einem Vault aufgewachsen seid, dürft ihr nun in Fallout 4 erstmals den Ausbruch des atomaren Kriegs halbwegs live miterleben. Was anschließend passiert, erfahrt ihr aus Spoiler-Gründen in diesem Test nicht. Stellt euch nur darauf ein, dass ihr im Ödland, wie ihr es aus den Vorgängern kennt, ums Überleben kämpft. So muss Fallout sein!

Fallout 4 - Bild 81

Die Welt liegt in Schutt und Asche. Gut gesinnte Fraktionen zeigen sich bemüht, die Welt neu zu bevölkern und eine Basis für ein friedliches Miteinander zu schaffen. Andere hingegen, nutzen die gesetzlosen Zustände der Postapokalypse, um sich alles unter den Nagel zu reißen, was ihnen vor die Nase kommt. Auch wenn ihr erneut eine große spielerische Freiheit genießt, bewegt ihr euch eher auf der gerechten Seite. Diese gibt euch von Natur aus die Missionen vor, da sie meist daraus bestehen, ein bestimmtes Gebiet von Gegnern zu säubern oder jemanden zu retten.

Das Fallout, das ihr verdient

Doch bevor ihr euch aufmacht, um ein paar Ghulen oder Raidern den Hintern zu versohlen, nutzt ihr eines der neuen Features in Fallout 4. Statt wie früher Waffen nur durch Beute oder Geschäfte zu erhalten, habt ihr erstmals in der Serie die Möglichkeit, eure Waffen anzupassen und somit gefährlicher zu machen. Doch dies ist nur eine von drei Werkbänken, die fortan einen großen Teil der Spielerfahrung ausmachen. Schrott lag bereits in den Vorgängern wild verteilt in den Ödlanden herum, doch nun hat er endlich einen Sinn. Sammelt ihr genug Rohstoffe, könnt ihr diese nicht nur in eure Waffen, sondern auch in eure Rüstung und sogar in die Unterkunft investieren. Hiervon könnt ihr euch mehrere auf der Karte verteilt errichten und sie nach Herzenslust ausbauen.

Fallout 4 - Bild 42

Es ist, als würde sich ein lange ersehnter Wunsch erfüllen, von dem ihr eventuell nicht einmal wusstet, dass ihr ihn hattet. Nicht nur, dass ihr Hütten und passende Möbel herstellen und platzieren könnt. Ihr habt sogar die Möglichkeit, Strom-Generatoren zu bauen und damit von Fallen über Fernsehgeräte bis hin zu einer großen Auswahl an Lampen alles zu basteln, wonach euch der Sinn steht. Bereits nach kurzer Zeit habt ihr fast das Gefühl, dass dieses Feature schon immer in Fallout vorhanden war. So gut passt es sich ins Spiel ein. Egal was ihr konstruiert, dank eines clever entworfenen Sets an vorgegebenen Teilen bleibt auch bei euren eigenen Gebäuden der typische Fallout-Charme erhalten.

Habt ihr euch niedergelassen und eure Verbündeten mit allem versorgt, was sie zum Überleben brauchen, macht ihr euch immer wieder zu Missionen auf, die wie bereits beschrieben, fast ausschließlich in fiesen Kämpfen ausarten. Hier wird euch eine weitere Neuerung zu teil. Während sich die Schusswechsel in Fallout 3 wie eine optische Darstellung von Würfelergebnissen anfühlte, habt ihr nun eine direkte Steuerung, die einem Action-Shooter in diesem Aspekt nun deutlich näher kommt.

Fallout 4 - Bild 13

Geht es euch dennoch einmal zu schnell, könnt ihr wie gewohnt auf V.A.T.S. zugreifen. Anders als in den letzten beiden Spielen der Serie wird hier die Zeit nun nicht mehr so stark verlangsamt, was das Geschehen trotz der Pause weiterhin lebendig wirken lässt. So könnt ihr überlegen, welches Körperteil des Feindes ihr als nächstes unter Beschuss nehmt. Erstaunlicherweise wurden die Splatter-Effekte, die in Teil 3 der USK zum Opfer fielen, dieses Mal nicht entfernt. Gemeinsam mit der verbesserten Steuerung bekommt ihr mit Sicherheit die wohl brachialsten Kämpfe der Fallout-Geschichte. Zumindest fühlen sie sich sehr befriedigend an und die Mischung aus V.A.T.S. und Kämpfen in Echtzeit könnte kaum besser sein.

Das übrige Gameplay ist nahezu identisch mit dem der letzten beiden Teile. Ihr erledigt eine Mission und wechselt dabei zwischen Szenarien, in dem ihr beispielsweise ein Gebäude betretet. Euer ständiger Begleiter ist die große Suche nach dem Loot. Jeder noch so kleine Behälter wird durchforstet und findet ihr einen Safe, zückt ihr glücklich die Haarklammern und macht euch daran, das Schloss zu knacken. Doch apropos Gefährten! In Fallout 4 stehen euch im Laufe der Zeit immer mehr Begleiter zur Verfügung, die euch mit ihren einzigartigen Fähigkeiten zur Seite stehen. Das tolle ist, dass diese nicht sterben können. Solltet ihr also befürchtet haben, dass durch diese Neuerung das gesamte Spiel zu einer Verteidigungs-Mission mutiert, könnt ihr beruhigt aufatmen.

Fallout 4 - Bild 20

Die letzte wirklich auffällige Änderung bezüglich des Gameplays widmet sich den Skills und Statistiken. Anders als gewohnt, verbessert ihr nicht mehr eure Charakterwerte und schnappt euch spezielle Fähigkeiten. Das S.P.E.C.I.A.L.-System wurde grunderneuert und bietet euch nun eine riesige Auswahl sogenannter Perks. Die Anzahl der Sterne in einer Spalte gibt euch Ausschluss darüber, welche Fähigkeiten ihr erwerben könnt. Diese Änderung steht Fallout 4 verdammt gut, denn sie bringt eine große Portion Dynamik in die sonst etwas starre Charakter-Entwicklung. Dabei ging allerdings das Karma verloren. Manch einer mag es vermissen, für andere wird es weniger schlimm sein. Auf diese Weise müsst ihr nun wenigstens selbst entscheiden, was rechtens ist und was nicht.

Schlecht ist anders!

Auch optisch geht Fallout 4 einen guten Schritt nach vorne. Zur grafischen Qualität lässt sich sagen, dass sie zwar keine Kinnladen fallen lässt, doch was euren Augen geboten wird, geht deutlich über Zweckmäßigkeit hinaus. Betrachtet ihr die Texturen, werdet ihr feststellen, dass die Entwickler sich viel Mühe gegeben haben. Das Resultat ist eine Spielwelt, die sich nun viel beständiger und authentischer anfühlt als in den Vorgängern. Hierfür ist auch die veränderte Farbpalette verantwortlich. Diese beschränkt sich nicht weiter auf 50 Shades of Green sondern ist mitunter sogar richtig bunt – doch weiterhin im festen Spektrum des Fallout-Universums, was der Atmosphäre keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Die Spielwelt wirkt lebendiger und lädt nicht nur zum Erkunden ein. Oftmals werdet ihr stehen bleiben, um eine schönes Aussicht zu genießen. Dadurch bekommt Fallout ganz neue Qualitäten.

Fallout 4 - Bild 28

Ebenfalls lebendiger wirken nun die NPCs. Während die Computer-gesteuerten Spielfiguren in den vergangenen Teilen sehr steif wirkten, haben sie nun deutlich mehr Menschlichkeit an sich. Gespräche zoomen auch nicht länger wie auf Schienen an den Gesprächspartner, sondern geben euch die Freiheit, euch während der Unterhaltung zu bewegen oder sogar wegzulaufen. Die neue Dynamik steht dem sozialen Leben im Ödland gut und sorgt für einen sehr modernen Eindruck.

Ist euch das leise Zirpen entfernter Blähfliegen gerade zu öde, stehen euch wie gewohnt mehrere Radiosender zur Auswahl, die euch entsprechend eures Musikgeschmacks unterhalten. Diese sind wiedereinmal sehr gut gelungen und passen wunderbar zum Spielgeschehen. An dieser Stelle sollen auch die deutschen Synchronstimmen ein Lob bekommen, denn Fremdschämen überlässt Fallout gerne anderen Spielen.

Die Reise ist nicht so schnell vorbei

Stunden um Stunden vergehen, während ihr in Fallout 4 unterwegs seid. Mit jeder Mission, die ihr abschließt, kommen mindestens drei neue Missionen hinzu. Da es keine Level-Grenze mehr gibt, habt ihr ewig Zeit und genug zu tun, um euch einige Wochen mit diesem Spiel zu beschäftigen. Sollte euch irgendwann langweilig werden, könnt ihr davon ausgehen, dass bereits ein umfangreiches Update oder ein DLC bereit ist, der euer Spielerlebnis wieder auffrischt. So planen es zumindest die Entwickler laut eigener Angaben.

Meinung

Der November ist scheinbar für einige Überraschungen gut. Zum Glück erlebt ihr bei Fallout 4 keine, denn die Zuversicht, dass es grandios wird, war kein Trugschluss. Das Gesamtpaket lässt einfach kaum Wünsche offen. Fallout 4 kombiniert Spiel-Mechaniken aus Fallout 3 mit der Stimmung aus Fallout 2 und erweitert alles auf eine Weise, die sich neu anfühlt, ohne den beliebten Charme zu verzerren. Nicht nur Fans sollten einen Blick riskieren, denn im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, ist Fallout 4 sehr Einsteiger-freundlich.

Bildeindrücke aus unserer Test-Session (Mögliche Spoiler)

 

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