Xenoblade Chronicles X im Test: Monsterjagd statt alten Stärken

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Xenoblade Chronicles X im Test: Monsterjagd statt alten Stärken

Haushohe Monster, schnelle Klingen und Kugelhagel: In "Xenoblade Chronicles X" geht es ordentlich zur Sache. Wie lange dieser Spaß anhält und was es sonst noch zu bieten hat? Wir haben die Antworten!

Die Abenteuer rund um das magische Schwert Monado liegen Jahre zurück. Nun folgt die Fortsetzung des außergewöhnlichen JRPGs. Das X im Titel lässt schon vermuten, dass es sich um keinen direkten Anschluss an die Geschichte des Vorgängers handelt. Wie viel von dessen Essenz noch übrig ist und ob sich die Spiele auf der gleichen Stufe bewegen, erfahrt ihr in diesem Test.

Größere Welt – Weniger Handlung

Anders als im Vorgänger legt "Xenoblade Chronicles X" nicht so viel Wert auf eine tiefgründige Geschichte. Nachdem die Erde im Kampf zweier verfeindeter Armeen in die Schusslinie geriet und zerstört wurde, besiedeln die Menschen einen fremden Planeten. Wie es sich für patriotische Erdlinge gehört, wird alles, was an Ressourcen verfügbar ist, angezapft. Und natürlich werden alle Tiere, die euch vor die Flinte laufen, aus Forschungszwecken über den Haufen geschossen. Ihr gehört einer Organisation namens Blade an, die das Ziel verfolgt, die Menschen zu schützen und ihnen zu helfen.

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Unterteilt in mehrere Divisionen nehmt ihr Teil an einer Art täglichen Wettkampf um die besten Errungenschaften. Auf diese Weise begründet das Spiel die Integration des Mehrspieler-Modus. Bis auf zwischenmenschliche Neigungen, die wie im Vorgänger durch ein Harmonie-Diagramm dargestellt werden, wird euch zunächst nicht all zu viel Handlung präsentiert. "Xenoblade Chronicles X" ist groß und damit ist nicht nur die Spielwelt gemeint. Um die Skalierung des Inhalts zu verdeutlichen: Erst nach über zehn Stunden habt ihr das Gefühl, das Tutorial verlassen zu haben. Dabei stehen euch an diesem Punkt immer noch nicht alle Spielelemente zur Verfügung.

Monster Hunter?

Wäre da nicht die einschlägige Spielmechanik, hätte "Xenoblade Chronicles X" nur wenig mit dem Vorgänger gemein. Für den Fall dass ihr diesen nicht gespielt habt, hier eine kleine Auffrischung: Habt ihr ein Ziel ausgewählt, startet ihr durch einen Kampfschrei das Gefecht. Euer Ziel bleibt anvisiert, während ihr nun durch Bewegungen bestimmt, aus welcher Richtung ihr welche Seite des Ziels attackiert. Zusätzlich wählt ihr über eine Auswahl am unteren Bildschirmrand, welche Sonder-Angriffe und -Aktionen ihr ausführen wollt. Der Rest passiert im Wesentlichen von alleine. Das bietet euch zwar eine Menge an taktischen Möglichkeiten, wie das Bestimmen des NPC-Verhaltens oder gemeinsamer Aufstellungen, doch kann es besonders in den Grind-Phasen des Spiels sehr eintönig werden. Hier mangelt es weitestgehend an einem zufriedenstellenden Balancing.

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Das Problem ist, dass ihr nur dann schnell in Stufen aufsteigt, wenn ihr euch gegen stärkere Gegner behauptet. Sind diese innerhalb von 2 Stufen über euch, sind die Kämpfe auch ohne besondere taktische Entscheidungen einfach zu gewinnen. Liegt ein Feind oberhalb dieser Grenze, wird es verdammt anstrengend. Selbst wenn ihr euch tief in die Materie einarbeitet und eure Taktiken zu jederzeit feinjustiert, sind solche Kämpfe meist aussichtslos. Aus dieser Balance resultiert die Tatsache, dass Grinden auf weiten Strecken ein monotones Unterfangen ohne viel Nachzudenken bleibt. Dabei fordert das Spiel genau das von euch. Bevor ihr euch der jeweils nächsten Hauptmission zuwenden könnt, bleibt euch nichts anderes übrig, als so lange Gegner zu töten, bis ihr die erforderliche Stufe habt. Auf diese Weise weicht der anfänglichen Freude oftmals Frust über unerreichbare Gebiete und stundenlange Gefechte mit immer wieder gleichen Monstern. Dabei zeigte der Vorgänger, dass solche Hürden Spaß machen können, wenn das Core-Gameplay auch etwas fordert und ihr nicht jedem Kampf beinahe tatenlos zusehen könnt.

Da letztere so ziemlich die einzige Population des Planeten darstellen und eure Aufträge zum Großteil daraus bestehen, eben diese zu töten, gewinnt das Spiel zunehmend den Charakter eines "Monster Hunter"-Verschnitts. Die JRPG-Elemente aus dem Vorgänger sind kaum noch spürbar und eine emotionale Geschichte die euch zu Kämpfen motiviert, werdet ihr lange suchen. Selbst wenn ihr gerade in der Siedlung der Menschen seid, verbringt ihr eure Zeit zum Großteil damit, zu handeln, zu verbessern und eure Aufträge zu verwalten – im späteren Verlauf auch für euren Skell, einen Mech-artigen Anzug. Wie dieser wirkt auch die Welt der Menschen kalt, statisch und steril. Ja, es ist üblich, dass Spiele dieser Art von euch erwarten, dass ihr sie selbst erkundet. Doch im Falle von "Xenoblade Chronicles X" sind die Bezüge zwischen den Handlungsfetzen eindeutig zu lose.

Beeindruckende Spielwelt

Wie bereits erwähnt setzt "Xenoblade Chronicles X" stark auf Skalierung. Euch begegnen daher nicht nur sehr weite Felder, sondern tiefe Schluchten, gigantische Pflanzen und vor allem Monster, die größer kaum sein könnten. Das sieht nicht nur super aus, sondern ist angesichts der eher schwach ausgestatteten Wii U recht bemerkenswert. Die Farben könnten durchaus etwas variationsreicher und kräftiger sein, doch alles in allem bietet sich euch ein schönes Bild dar, das selbst in schnellen Gefechten scharf bleibt – so scharf wie Spiele auf der Wii U eben aussehen.

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Die Vertonung passt ebenfalls, auch wenn euch wieder einmal keine deutsche Synchronisation geboten wird. Anders als im Vorgänger wurden dieses Mal amerikanische statt englische Stimmen verwendet. Hintergrundinformation: Der Vorgänger hatte nur deshalb englische Stimmen, weil Nintendo Amerika den Titel zunächst nicht veröffentlichen wollte und erst nach dem Erfolg in Europa einen Release plante.

Abzüge gibt es in der Präsentation dennoch. Die Gesichter sehen einfach seltsam aus. Das mag der Stil des Designers sein, aber das ist kein Grund dafür, dass es einem gefallen muss. Die Blicke der Männer sind streng und überzogen und Frauen sehen meistens aus, als hätten sie die Nacht auf ein paar Pillen durchgefeiert. Da kommt es schon ganz gelegen, dass ihr die Helme über die Optionen einblenden könnt. Letztere bieten einen weiteren Grund für Unbehagen. Zwar sind die Lieder des Soundtracks nicht schlecht, doch wenn ihr die Mischung aus Hip Hop und Techno das hundertste Mal hört, dürstet es euch nach etwas Abwechslung oder auch Ruhe. An eine Option, die Musik runterzudrehen, wurde aber nicht gedacht, so dass ihr euch zwischen der Musik oder völliger Stille entscheiden müsst. Es spricht nicht für die Auswahl an Liedern, wenn die Entscheidung oft in Richtung Stille geht.

Verdammt viel zu tun

Auch hier ist das Zauberwort Skalierung und auch hier könnt ihr definitiv zufrieden sein. Die Spielwelt ist nicht nur groß und bietet viel zu entdecken, ihr werdet auch viel Zeit damit verbringen, Aufträge und Handlungs-Missionen zu beenden.  Eure Zufriedenheit hängt hier allerdings davon ab, wie resistent ihr gegen monotone Abläufe seid. Stört es euch nicht, stundenlang die gleichen Tätigkeiten auszuüben, werdet ihr den Umfang feiern. Wollt ihr hingegen etwas Abwechslung ist es oft mühsam, die Strecke zwischen den geschichtlichen Höhepunkten zu überstehen. Da euch zehn Klassen zur Verfügung stehen, habt ihr hier etwas Variation, doch stellt euch darauf ein, dass die Unterschiede in Punkten Spielerlebnis marginal sind.

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Seid ihr nicht gerne alleine unterwegs, holt ihr euch Kameraden in euer Team und zieht gemeinsam in den Kampf. Das macht im Großen und Ganzen Spaß, leidet aber an den üblichen Online-Hürden, für die Nintendo mittlerweile bekannt ist. Da die Unterschiede zur Solo-Erfahrung eher gering sind, ist es zwar eine nette Abwechslung, mal gemeinsam um die Wälder zu ziehen, doch als Highlight kann man diesen Modus nicht betrachten.

Meinung

Eigentlich deuteten alle Zeichen auf einen großen Hit hin. Immerhin war der Vorgänger ein großartiges Spiel, das verdientermaßen einen 3DS-Remake bekommen hatte. Die Stärken dieses Spiels verblassen in "Xenoblade Chronicles X" und weichen repetitivem Gameplay der Marke "Monster Hunter". Das wäre prinzipiell nicht verkehrt, hätte man sich auf die Stärken von diesem gestützt und die Kämpfe entsprechend abwechslungsreich gestaltet. Da dies nicht der Fall ist, liegt die Verantwortung, viel aus dem Spiel zu holen, eher bei euch. So sollte das auf keinen Fall sein.

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