Assassin’s Creed Chronicles India: Scharfer 2D-Schleicher oder fader DLC-Abklatsch?

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Assassin’s Creed Chronicles India: Scharfer 2D-Schleicher oder fader DLC-Abklatsch?

Ubisoft und Climax Studios schaffen mit ihrem 2.5D-Dreiteiler eine spannende Neuinterpretation von Assassin's Creed. Der zweite Teil entführt euch nun nach Indien und fordert mit seinem knackigen Schwierigkeitsgrad besonders Kenner des Vorgängers heraus!

Mit Assassin’s Creed: Syndicate fanden Ubisofts Kuttenkiller nach dem Unity-Desaster wieder zu alter Stärke zurück. Trotzdem mehren sich die Gerüchte, dass es 2016 erst mal keinen weiteren, großen Nachfolger der Serie geben wird. Doch beinharte Fans der Saga müssen sich nicht ärgern: Mit Assassin’s Creed Chronicles: India kommt bereits zum Anfang des Jahres Nachschub aus dem Animus.

Nachdem wir bereits im April 2015 durch China schleichen durften, führt uns der neuste Ableger des 2.5D-Plattformers nach Indien. Nach neun Sequenzen, vielen kleinen Wutausbrüchen und jeder Menge Schleicherei wissen wir: Assassin’s Creed Chronicles: India ist allemal eine Reise wert, hat es aber ganz schön in sich!

Indisches Diamantenfieber

Assassin’s Creed Chronicles: India erzählt die Abenteuer von Arbaaz Mir. Er gerät im Jahr 1841 zwischen die Fronten des Sikh Imperiums und der East India Company. Er muss einen weiteren Edensplitter – Koh-i-Noor genannt – zurückerobern. Für die notwendige Dramatik sorgt Arbaaz' verbotene Liebelei mit Prinzessin Kaur.

Wie schon im Vorgänger gibt es auch in diesem Ableger keine Abstergo-Passagen. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf einfache Erzählelemente. In kurzen, aber stimmungsvollen Standbildern werden die Geschehnisse geschildert. Deutsche Sprachausgabe gibt es leider nicht. Stattdessen müssen wir uns mit übersetzten Untertiteln begnügen.

Der Plot selbst ist vollkommen ausreichend, um die neun Erinnerungssequenzen zusammenzuhalten. Die Charaktere bleiben aber vergleichsweise platt und haben längst nicht die Tiefe der großen Titel der Serie. Nichtsdestotrotz bietet Assassin’s Creed Chronicles mit allerlei versteckten Schriftrollen und Infotexten reichlich Lesestoff für echte Fans.

Zauberhaft buntes Abenteuer

Assassin’s Creed Chronicles: India setzt zwar auf das gleiche grafische Grundgerüst wie sein Vorgänger, lässt aber das Szenario stimmig in die Präsentation mit einfließen. Wirkte China noch vergleichsweise nüchtern, erstrahlt India in fröhlichen Farben. Bei Attacken gibt es kein Blut, sondern bunte Ornamente. Hüpft Arbaaz Mir per Adlersprung in die Tiefe, landet er nicht in einem schnöden Heuhafen, sondern in einem bunten Bett aus Blumen und Blüten. Auch die Zwischensequenzen sind in diesen kräftigen Farben gehalten und so verleiht Climax Studios dem zweiten Teil der Chronicles-Reihe allein über die Präsentation eine eigene Identität.

Bewährte Rezeptur

Spielerisch bleibt Assassin’s Creed Chronicles: India seinem Vorgänger treu, zieht aber den Schwierigkeitsgrad selbst beim ersten Durchmarsch spürbar an. Arbaaz Mir kann zwar ausgezeichnet mit seinem Schwert umgehen, trotzdem ist Gewalt in dem 2.5D-Abenteuer nur die zweite Wahl.

Stattdessen müsst ihr die Laufwege der Wachen und ihre Verhaltensmuster erkennen. Während der normale Soldat beispielsweise einen recht kurzen Blickradius besitzt, reagieren Elite-Wachen deutlich schneller und schauen gelegentlich auch über Brüstungen oder in Schränke. Arbaaz auf der anderen kontert die feindliche Übermacht mit den typischen Waffen eines Assassinen: Mit einem Pfiff und dem Geräuschpfeil lockt er Gegner auf die falsche Fährte.

Mit Rauchgranaten vernebelt er gleich mehreren Soldaten die Sicht und kann sich so unbemerkt an ihnen vorbei schleichen. Die einzige Offensivwaffe im Arsenal ist das so genannte Chakram. Dieser von Wänden abprallende Wurfring eignet sich hervorragend, um Seil zu durchtrennen und so Plattformen oder Kiste auf Wachen fallen zu lassen. Sammelt ihr überdies ausreichend Helix-Symbole innerhalb der Areale ein, könnt ihr mit dem Helix-Schlag gleich mehrere Wachen gleichzeitig erledigen.

Knackiger Schwierigkeitsgrad

Am Ende vom Tag ist aber die offene Konfrontation das Letzte, was ihr in Assassin’s Creed Chronicles: India wollt. Stattdessen solltet ihr lieber die Umgebung nutzen, um Wachen auszuweichen. Wie schon im Vorgänger könnt ihr euch beispielsweise mit dem Enterhaken an die Decke ziehen, euch in Schränken verstecken oder an Vorsprünge klammern. Auch ist ein tödlicher Takedown nicht immer die klügste Entscheidung. Im Vergleich zum nicht tödlichen Würgegriff sind derartige Aktionen nämlich deutlich lauter.

Wer sich möglichst unauffällig verhält und selten Alarm auslöst, der wird im Anschluss an jede Sequenz mit Upgrades wie beispielsweise mehr Gesundheit oder mehr Stauraum für Gegenstände belohnt. Gleichzeitig aber ist das Austricksen der Gegner-KI eine mächtige Herausforderung bei der es auf Timing und eine präzise Ausführung ankommt. Leider spielt einem dabei die Steuerung gelegentlich einen Streich: Besonders bei Wechseln der Ebenen reagiert das Spiel nicht immer exakt auf die Gamepad-Bewegungen, was besonders bei den teils knappen Zeitfenstern für Ärger sorgt.

Allerdings motiviert einen Assassin’s Creed Chronicles: India auch mit schönen Umgebungsrätseln. So müsst ihr etwa immer wieder mit Schaltern Plattformen kontrollieren und anschließend unter Zeitdruck an diesen hochklettern. Die Aufgaben sind eine Spur komplexer als noch im China-Ableger und werden geschickt mit den typischen Stealth-Passagen abgewechselt.

Meinung

Assassin’s Creed Chronicles hat weiterhin seinen ganz besonderen Reiz. Denn es dampft die Grundidee von Assassin’s Creed auf einen spannenden 2.5D-Plattformer herunter. Man merkt dem zweiten Teil der Reihe an, dass Ubisoft und Climax Studios vor allem Kenner des Vorgängers ansprechen. Trotz Tutorial und Hilfetexten zieht der Schwierigkeitsgrad bereits in den ersten Sequenzen mächtig an. Die Zahl der Neustarts ist im Vergleich zum ersten Teil deutlich höher. Dennoch ist Assassin’s Creed Chronicles: India nie unfair! Es fordert nur ein gewisses Maß an Geduld und Präzision. Wirklich störend fallen da lediglich die durch die Perspektive begründeten Steuerungsprobleme auf. Ansonsten aber ist Assassin’s Creed Chronicles: India ein souveräner und noch dazu sehr hübscher zweiter Teil der Reihe und für all jene geeignet, die den Vorgänger mochten oder ein anderes Assassin’s Creed-Erlebnis suchen.

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