Resident Evil Zero HD: Die Neuauflage des Horror-Prequels im Test

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Resident Evil Zero HD: Die Neuauflage des Horror-Prequels im Test

Capcom verkürzt Grusel-Fans die Wartezeit auf Resident Evil 7: Die Neuauflage von Resident Evil Zero HD klärt auf, was vor den mysteriösen Geschehnissen im legendären Herrenhaus passierte.

Vor einem Jahr veröffentlichte Capcom die HD-Neuauflage von Shinji Mikamis Survival-Horror-Meisterwerk Resident Evil. Freunde der gepflegte Nostalgie durften noch einmal das Herrenhaus an den Grenzen von Raccoon City erkunden. Das 2002 für den Nintendo Gamecube erschienene Prequel Resident Evil Zero erzählt die Vorgeschichte zu diesen Ereignissen. Das Bravo-Team des Sondereinsatzkommandos S.T.A.R.S. wird in die Wälder des Raccoon Forest geschickt, um dort nach dem Rechten zu sehen. Doch wie in jedem guten Horrorfilm endet dieser Routineeinsatz in der Zombie-Katastrophe.

Ein Fall für zwei

Nach einer unsanften Landung übernehmt ihr die 18-jährige Rekrutin Rebecca Chambers. Mit ihr erkundet ihr zunächst einen aufgrund bis dato ungeklärter Umstände liegen gebliebenen Reisezug. Doch im Inneren bietet sich Rebecca ein Bild des Grauens: Die Insassen sind entweder tot oder umher schlurfende Zombies. Außerdem findet die junge Sanitäterin überall merkwürdige Schleimbatzen.

Treudoof wie Rebecca allerdings ist, folgt sie weiter ihrem eigentlichen Auftrag: Sie soll den ebenfalls im Zug befindlichen Mörder Billy Coen festnehmen. Doch schnell stellt sich heraus, dass die beiden gegensätzlichen Charaktere einander zum Überleben benötigen.

Schließlich ergänzen sich ihre Fähigkeiten ganz ausgezeichnet: Rebecca kann Chemikalien miteinander vermischen, ist aber körperlich schwächer. Billy Coen dagegen ist der harte Kerl und kann mächtig austeilen und einstecken.

Junge Koop-Versuche

Das so genannte Buddy-System ist die – im Vergleich zu anderen, frühen Resident-Evil-Spielen – wichtigste Neuerung von Resident Evil Zero. Das bedeutet: Auf Tastendruck wechselt ihr zwischen den beiden Figuren hin und her. Über das Inventar tauscht ihr Gegenstände, sofern sich die Helden in einem Raum befinden. Geratet ihr in eine Kampfsituation, übernimmt das Spiel die Kontrolle über euren Partner und zückt die Kanone.

Viele Rätsel erfordern zudem Teamwork. Gleich zu Beginn werden Billy und Rebecca von einander getrennt. Dann muss Rebecca dem Häftling einen Eispickel durch einen Essensaufzug schicken. An anderen Stellen müssen beide Schalter gleichzeitig drücken, um Türen zu öffnen. Aus heutiger Sicht sind die Rätsel oftmals sehr offensichtlich. Nichtsdestotrotz funktionieren sie auch nach 14 Jahren noch gut und machen die Puzzle eine Spur dynamischer als in Resident Evil HD. Leider ist es aber nicht möglich Resident Evil Zero HD im Splitscreen oder im Online-Multiplayer zu spielen.

Typisch Resident Evil!

Das Survival-Horror-Spiel geht aber in seinen fünf Settings keine Experimente ein. Nette Rätsel lösen sich mit gewohnt langsamen Kämpfen ab. Die festen Kameraperspektiven sind für das Spiel Segen und Fluch zugleich: Zwar erzeugt der eingeschränkte Blickwinkel ein gewisses Spannungsgefühl, aber gerade in Boss-Kämpfen ballern wir häufig blind und müssen uns auf die Zielerfassung verlassen. Oftmals merken wir nur an den Sound-Effekten, ob ein Schuss gesessen hat oder nicht.

So bleibt das grundlegende Kampf-Gameplay wie schon bei den Originalen Gewöhnungssache. Die Charaktere steuern sich trotz überarbeitetem Handling bedeutend schwerfälliger als in anderen aktuellen Titeln. Visuelle Hilfefunktionen beim Schießen gibt es weiterhin nicht. Capcom blieb und bleibt also mit Resident Evil Zero HD der Serientradition treu. Allerdings sollte inzwischen jeder wissen, ob er mit den Einschränkungen des Survival-Horror-Urgesteins klar kommt oder eben nicht.

Gleiches gilt im übrigen für das biedere Inventar-System. Der begrenzte Platz sorgt immer wieder dafür, dass ihr Objekte liegen lassen oder zwischen den Figuren hin und her schieben müsst. Kisten wie noch im ersten Resident Evil gibt es diesmal nicht. Stattdessen bleiben in der Umgebung abgelegte Gegenstände dort und können später eingesammelt werden.

Die Neuerungen der Neuauflage

Capcom passte in erster Linie die Technik des 14 Jahre alten Gamecube-Klassikers an die aktuelle Konsolengeneration und die leistungsfähige PC-Hardware an. Dabei entscheidet ihr selbst, ob ihr das Spiel im bildschirmfüllenden 16:9 oder im traditionellen 4:3 bestaunen wollt. Grafisch jedenfalls macht die Neuauflage einen ordentlichen Eindruck. Zwar wirken die detailreichen Hintergründe sehr statisch, sehen dafür aber umso hübscher aus. Gleichzeitig erzeugen frische Lichteffekte mehr Atmosphäre.

Enttäuschend fallen die Animationen und Zwischensequenzen aus. Den leblosen Gesichtern der Hauptdarsteller sieht man das Alter der Vorlage sichtlich an und auch ihre Bewegungen wirken insgesamt zu steif. Darüber hinaus hat es Capcom weiterhin nicht für notwendig befunden, die holprigen deutschen Bildschirmtexte anzupassen. Im Zug beispielsweise wird ein Eispickel weiterhin als „scharf“ und nicht wie im Deutschen üblich als „spitz“ bezeichnet.

Als Dreingabe für besonders zähe Spieler bietet Resident Evil Zero HD nach dem ersten Durchspielen den Wesker-Modus. Hier schlüpft ihr in die Haut des Oberschurken – statt Billy – und greift auf dessen zerstörerischen Fertigkeiten zurück.

Meinung

Auch wenn die letzten Titel der Serie enttäuschten, so ist Resident Evil ein „gruseliges“ Stück Videospielgeschichte. Resident Evil Zero HD gibt nun – wie schon die Remaster-Fassung des erste Teils – einer neuen Generation die Gelegenheit, die Faszination des Survival-Horror-Urgesteins zu erleben. Natürlich sind nicht alle Gameplay-Elemente gut gealtert: Die Steuerung bleibt aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftig und die Kämpfe spielen sich dadurch unnötig träge. Das Inventar ist ebenfalls ein Graus. Allerdings profitiert Resident Evil Zero HD stark durch das Buddy-System: Die Wechsel zwischen Rebecca und Billy machen die Rätsel dynamischer als noch im Vorgänger. Die Computer-Partner reagieren passend und die direkten Wechsel unterbrechen das Spielvergnügen nur minimalst. Insgesamt stellt sich Resident Evil Zero HD daher als gelungenes Prequel heraus, welches zwar spielerisch – bis auf das Buddy-System – keine Experimente eingeht, aber auch heute noch soliden Spielspaß abliefert.

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