The Witness im Test: Ist der 35-Euro-Puzzler sein Geld wert?

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The Witness im Test: Ist der 35-Euro-Puzzler sein Geld wert?

Eine mysteriöse Insel und über 650 schwierige Rätsel: Nach sieben Jahren Entwicklungszeit ist der Indie-Puzzler „The Witness“ endlich fertig. Findet heraus, ob „Braid“-Erfinder Jonathan Blow erneut ein Meisterwerk abliefert!

Sieben lange Jahre arbeitete Jonathan Blow an „The Witness“. Er investierte alle Einnahmen seines Erstlingswerks „Braid“ in das neue Projekt. Er nahm sogar einen Kredit auf, um die Entwicklungskosten zu decken. Fünf Millionen US-Dollar stecken in „The Witness“.

Jonathan Blow ist kein Freund von Kompromissen. Er setzt seine Vision detailgenau in die Tat um. Am 26. Januar 2016 erschien „The Witness“ endlich für PC und Playstation 4. Der Preis ist mit über 35 Euro für ein Indie-Spiel happig. Doch glaubt uns, das Geld ist bei diesem Insel-Puzzler bestens angelegt!

Verschollen!

„The Witness“ ist eine ganz besondere Spielerfahrung. Das wird bereits nach wenigen Sekunden klar. Kaum ist das Spiel geladen, findet ihr euch in einem finsteren Gang wieder. Am Ende des Tunnels seht ihr eine Tür und auf ihr die erste Schalttafel. Dies ist der einzige Moment, in dem es in „The Witness“ so etwas wie Bildschirmanzeigen oder Hilfen gibt.

Denn die grundlegende Aufgabenstellung der über 650 integrierten Puzzle ist stets identisch: Ihr müsst auf Schalttafeln eine Linie von einer runden Einbuchtung bis zum markierten Ausgang führen. Fast so wie bei traditionellen Labyrinthrätseln in Zeitungen.

Die erste Aufgabe ist noch ein einfacher Strich und öffnet die Tür zu einer Insel voller Kopfnüsse und immer kniffeliger werdender Rätsel.

Die Freude am Scheitern

Mit der besagten Tür breitet sich eine wunderschöne Inselwelt vor euch aus. Diese besteht aus insgesamt zehn Themenbereichen, die ihr jederzeit frei erkunden könnt. Aber Vorsicht: Jedes Areal baut neue Spielelemente in die Schalttafeln ein. Zunächst müsst ihr lediglich einen einfachen Weg durch den Irrgarten finden. Später kontrolliert ihr etwa mehrere Linien gleichzeitig, müsst auf eurem Weg ans Ziel Symbole einsammeln oder bestimmte Felder aussparen.

Der Spaß an „The Witness“ kommt durch das Erkunden der Gebiete und der darin versteckten Herausforderungen. Das Spiel gibt euch keinerlei Tipps oder bietet gar – wie in vielen modernen Adventures üblich – eine Hilfefunktion an. Stattdessen verfolgt der Puzzler den „Dark Souls“-Ansatz: Ihr müsst Lösungswege selbst herausfinden und werdet dabei oft scheitern, ehe ihr Konzepte mancher Knobeleien durchschaut habt.

Doch ähnlich wie in Hidetaka Miyazakis Action-Rollenspiel ist auch in „The Witness“ die Freude über die Lösung eines Problems umso größer. Das Spiel kreiert Momente, in denen ihr regelrecht den Groschen fallen hören könnt. Genauso aber wird euch „The Witness“ in den Wahnsinn treiben und an eurer Geduld zehren.

Ich fühle mich so „LOST“

Wirklich böse sein kann man „The Witness“ allerdings nicht. Und selbst wenn ihr in schwachen Momenten am liebsten das Gamepad in den Fernseher oder in den Monitor werfen würdet, empfehlen wir euch einen Entspannungsspaziergang über die Insel. Denn „The Witness“ gehört zweifellos zu den schönsten und stimmungsvollsten Spielen, die es derzeit gibt.

Die zehn Gebiete unterscheiden sich optisch stark voneinander. In einer Sekunde schlendert ihr noch durch malerisch bunte Wälder, in der nächsten durch die Ruinen einer scheinbar längst vergangenen Zivilisation. Der Puzzler erschafft wundervolle Bilder. Gerade die Küsten- und Seeregionen sind derart malerisch, dass wir gerne für ein paar Augenblicke dort verweilen und die Aussicht genießen.

Gleichzeitig strahlt die Insel von „The Witness“ aber auch etwas Geheimnisvolles aus. Überall trefft ihr auf versteinerte Menschen. Es ist totenstill. Keine Tiere, kein Leben. Was ist hier nur geschehen? Und was machen die merkwürdigen Strahler, die ihr mit dem vollständigen Absolvieren eines Bereichs aktiviert? Das werdet ihr selbst herausfinden müssen. „The Witness“ wird euch viele Stunden beschäftigen. Jonathan Blow selbst behauptete kühn, dass nur ein Prozent aller Spieler alle Rätsel lösen werden.

Meinung

„The Witness“ zog mich auf subtile Art in seine fantastische Spielwelt hinein. Allein das Grafikdesign übte auf mich sofort eine große Faszination aus. Entsprechend verbrachte ich direkt nach dem Runterladen von „The Witness“ einige Stunden auf der Insel. Ich knobelte mich durch die ersten Rätsel. Doch dann ging ich auf Wanderschaft und versank immer tiefer in der Stimmung dieses Spiels. Jonathan Blows Schalttafel-Puzzler verbindet ein geniales Rätsel-Design mit einer ungeheuer stimmigen Atmosphäre.

In „The Witness“ erlebe ich die ganze Palette der Emotionen: Freude, Ärger, Ungeduld und Erstaunen, wenn ich plötzlich über ein neues Fleckchen Erde stolpere. Natürlich wird nicht jeder etwas mit der ruhigen Spielmechanik und den knackigen Aufgaben anfangen können. Doch wer sich auch nur ein bisschen mit Labyrinth-Puzzles anfreunden kann, der wird mit „The Witness“ unzählige Stunden verbringen. Deshalb: Eine klare Kaufempfehlung – trotz des vermeintlich happigen Preises!

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