Far Cry Primal Test: Die Steinzeit ruft

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Far Cry Primal Test: Die Steinzeit ruft

Mammuts reiten, Säbelzahntiger zähmen und eine gigantische Spielwelt erkunden: „Far Cry Primal“ entführt euch zurück in die Steinzeit, spielt sich aber dennoch vertraut.

Für Ubisoft beginnt im Jahr 2016 eine neue Zeitrechnung. Denn erstmals führt kein großes „Assassin’s Creed“ das Spiele-Sortiment an. Stattdessen lastet diese Bürde im ersten Halbjahr auf dem Newcomer „Tom Clancy’s The Division“ und auf dem bereits ab dem 23. Februar für Xbox One, Playstation 4 und PC erhältlichen „Far Cry Primal“. Wir haben die PS4-Version von „Far Cry Primal“ dem Test unterzogen: Bringt das kreative Setting die Shooter-Serie wirklich weiter oder ist es – im schlimmsten Fall – doch einfach nur eine hübsche Grafik-Mod?

In einem Land vor unserer Zeit

Das von Ubisoft Montreal entwickelte Open-World-Abenteuer entführt euch direkt in die Steinzeit. 10.000 Jahre vor Christi tobt in der Welt von Oros der nackte Kampf ums Überleben. Das Volk der Wenja steht zwischen den Fronten: Aus ihrer alten Heimat vertrieben, werden sie auf Oros von den menschenfressenden Udam und den Feuerteufeln der Izila bedroht. In diesem Durcheinander übernehmt ihr den jungen Krieger Takkar, der sein Volk sammeln und zu alter Stärke führen soll.

Far Cry Primal - Bild 8

„Far Cry Primal“ erzählt seine Geschichte in gewohnt üppigen Zwischensequenzen. Wie schon bei den Vorgänger seid ihr prinzipiell nur von Verrückten umgeben. Heilerin Sayla gibt sich stets kriegstreiberisch, Handwerker Wogahs pinkelt Takkar bei der ersten Begegnung auf den Kopf und Schamane Tensay liest bevorzugt aus dem Blut seiner Feinde. Natürlich fehlen auch die aus den Vorgängern so beliebten Traum- und Drogenpassagen nicht. Zwischendurch schlüpft ihr in die Haut von Eulen und Mammuts oder reist nach dem Konsum stimulierender Substanzen in die nahe, feurige Zukunft.

Eigens für das Spiel entwickelte Ubisoft in Kooperationen mit Universitätsprofessoren eine Art Ur-Sprache, in der sämtliche Texte gehalten sind. Die Übersetzung wird dann am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Wer die Story verstehen will, muss also fleißig mitlesen.

Zu viele Freiheiten?

Mehr als jemals zuvor steht in „Far Cry Primal“ das Craften von Gegenständen, das Erkunden der Welt und der Aufbau des Wenja-Dorfs im Mittelpunkt. Bereits nach kurzer Zeit entlässt euch das Spiel daher mit einem schnöden „Geh und erkunde Oros“ in die freie Wildnis. Oros ist eine gigantische Spielwiese und bietet eine unglaubliche Vielzahl von Möglichkeiten. Ubisoft Montreal macht euch sprichwörtlich zum Jäger und Sammler. Denn auf euren Streifzügen durch Berge und Täler werdet ihr Tiere zur Strecke bringen, Höhlen erforschen und Massen von Objekten wie Kräuter, Holz und andere Baumaterialien aufklauben.

Far Cry Primal - Bild 1

Die Spielwelt ist ungeheuer dynamisch. Ständig stolpert ihr über zufällige Ereignisse: Beispielsweise gehen Raubtiere eigenständig auf die Jagd und so kommt es immer wieder vor, dass ihr etwa Wölfe beobachtet, wie sie Ziegen zur Strecke bringen. Dann wären da aber noch die typischen Events innerhalb der Welt: So unterstützt ihr einsame Wenja im Kampf mit wilden Tieren oder anderen Bewohnern von Oros.

Diese Ansätze sind nicht nur purer Zeitvertreib. Durch das Absolvieren der Nebenaufgaben wächst euer eigener Stamm. Ihr schaltet somit neue Upgrades und Bau-Optionen frei. Darüber hinaus benötigt ihr die Erfahrungspunkte, um euren Spielcharakter zu stärken und um neue Fähigkeiten in acht Bereichen freizuschalten.


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Was sich für Freiluftfanatiker wie ein gefundenes Fressen anhört, hat aber auch seine Schwächen: „Far Cry Primal“ überrollt einen förmlich mit der Masse an Aufgaben und Sammelobjekten. Die Geschichte und ihre Charaktere rücken schnell in den Hintergrund und gehen beinahe unter. Im Gegensatz zu den Vorgängern mangelt es dem Steinzeitabenteuer daher an einem roten Faden, klaren Feindbildern und sympathischen Hauptfiguren. Der Plot wirkt dadurch zerfasert und zieht einen nicht wirklich in seinen Bann.

Vom Krieger zum Bestienmeister

Umso motivierender ist glücklicherweise das Erfahrungs- und das Kampfsystem. Mit zunehmender Spielzeit lernt Takkar nämlich wie man Bestien zähmt. Erst sind das „nur“ Rothunde und Wölfe, später folgen Säbelzahntiger, Höhlenbären und schwarze Löwen. Diese Kuscheltiere fungieren als Begleiter. Sie unterstützen euch vollautomatisch im Kampf, können aber auch per Tastendruck auf Gegner oder Tiere gehetzt werden. Geht euer Partner mal zu Boden, helft ihr ihm mit einem Stück Fleisch wieder auf die Beine oder belebt ihn mit einigen roten Kräutern wieder.

Far Cry Primal - Bild 2

Praktisch: Große Tiere – wie beispielsweise Säbelzahntiger oder Bären – könnt ihr auch reiten. Dadurch bringt ihr große Strecken schneller hinter euch und könnt sogar vom Rücken eurer Gefährten aus kämpfen. Allerdings funktionierte dies im Test eher schlecht als recht und machte das Geschehen unnötig hektisch.

Mit Keule und Bogen

So kreativ und wunderschön der prähistorische Schauplatz von „Far Cry Primal“ auch umgesetzt sein mag, so bleibt das Spiel dennoch seinen Wurzeln treu. Viele Elemente der Vorgänger wurden nahezu deckungsgleich übernommen.

Gerade bei der Eroberung feindlicher Außenposten und Lager wird das deutlich: Sobald ihr in die Hocke geht, seid ihr für Feinde schwerer zu entdecken. Statt die Gebiete mit dem Fernglas auszuspähen, schickt Takkar kurzerhand seine Eule aus. Sie markiert Feinde und kann nach ein paar Upgrades sogar Tobsuchts-, Feuer- und Insektenbomben auf Feinde werfen. Die Schleichmechanik funktioniert dank Takedowns und Steinchen als Ablenkung sehr ähnlich wie in „Far Cry 4“. Selbst Klettertouren mittels Greifhaken wurden übernommen.

Far Cry Primal - Bild 3

Wichtigste Waffe ist allerdings Takkars Bogen: Kopftreffer fertigen alle ungepanzerten Widersacher auf Anhieb ab. Besonders der später freigeschaltete Lang- und der Doppelbogen werden euch das Leben erleichtern. Die Gegner wiederum agieren solide, lassen sich aber mit Ablenkungsmanövern zu schnell an der Nase herumführen. Kommt es doch einmal hart auf hart, greift ihr zu Keulen oder Speeren. Im direkten Nahkampf spielt sich „Far Cry Primal“ ordentlich, aber leider fehlt es den Attacken an Wucht und gutem Treffer-Feedback.


Far Cry Primal: Willkommen am Ende der Nahrungskette

Ubisoft rührt die Werbetrommeln für "Far Cry Primal" und zeigt einen sehenswerten Live-Action-Trailer, der euch zurück in die Steinzeit versetzt.

Störend fällt weiterhin das fummelige Waffen- und Gegenstandssystem auf. Viele Tasten – wie beispielsweise die für Waffenwechsel und Heilfunktion – wurden doppelt belegt. Das schnelle Wechseln von Waffen im Kampf ist daher ein Graus und die ebenfalls verfügbaren Kräutertinkturen und Extra-Tränke fristen auf dem Digitalkreuz leider ein Schattendasein. Insgesamt spielt sich „Far Cry Primal“ zwar gut, aber die Gamepad-Belegung scheint doch sehr überladen.

Meinung

"Far Cry Primal“ gibt sich weit weniger mutig, als erhofft! Ubisoft Montreal gehen nicht den ganzen Weg und verpassen die Chance, dem Shooter noch mehr Rollenspiel- und vielleicht sogar Survival-Fertigkeiten zu verabreichen. Das Ergebnis ist ein toll anzuschauender Steinzeit-Shooter mit Erlebnisparkcharakter. Es gibt in „Far Cry Primal“ derart viel zu tun und zu entdecken, dass man beinahe den Überblick verliert. Gleichzeitig aber macht genau das auch den Reiz des Spiels aus.

Ihr erforscht Höhlen, geht auf die Suche nach seltenen Tieren und versucht, immer neue Gebiete von Oros zu entdecken. Gerade der Norden mit seinen verschneiten Landschaften und den schroffen Bergen verströmt den Charme einer fremden Welt innerhalb von Oros. Gleichzeitig aber verliert „Far Cry Primal“ dabei aber auch einige alte Tugenden aus dem Blick. Die Geschichte und ihre Charaktere – sonst eine große Stärke der „Far Cry“-Serie – bleiben leider hinter den Erwartungen zurück und kreieren zu wenig Spannung. Nichtsdestotrotz ist Oros allemal eine Reise wert und sei daher allen Open-World-Fans empfohlen.

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