Hitman: Der Episodenkiller im Test!

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Hitman: Der Episodenkiller im Test!

Agent 47 wird zum Serientäter. Denn zum ersten Mal erscheint „Hitman“ im Episodenformat. Doch passt das wirklich zu dem mörderischen Action-Adventure?

In der heutigen Zeit sind neue Konzepte selten. Spiele wie „Far Cry Primal“ oder „Halo 5 Guardians“ bauen auf ihren Vorgängern auf und variieren die präsentierten Gameplay-Ideen meist nur minimal. IO-Interactive geht neue Wege: Denn obwohl „Hitman“ spielerisch vertraut wirkt, so ist das Vertriebsmodell anders.

Das Spiel erscheint nämlich in Episodenform. Das am 11. März erhältliche Intro-Pack beinhaltet die aus der Beta bekannten Prolog-Missionen und einen Einsatz in Paris. Diesem Einstieg folgen nun allmonatlich insgesamt sechs Erweiterungen. Aber ganz egal, ob am Stück oder in Scheibchen geschnitten – entscheidend ist doch immer noch das Spiel. Kann „Hitman“ seinen genialen Vorgängern „Blood Money“ und „Absolution“ das Wasser reichen?

Zurück in die Vergangenheit

Euer Abenteuer beginnt mit einem Rückblick: Vor über 20 Jahren rekrutiert Diana Burnwood Agent 47 für die International Contract Agency – kurz ICA. Sein erster mörderischer Einsatz führt den schlecht gelaunten Glatzkopf allerdings ins australische Sydney, wo er Meisterdieb Malvin „The Sparrow“ Ritter dingfest machen muss.

So hübsch die Zwischensequenzen im neuen „Hitman“ sein mögen, so sehr fehlt es dem Spiel bereits in der ersten Episode an einem motivierenden, roten Faden. Zwar stellt der Titel Agent 47 und seine Fähigkeiten treffend vor, einen Hauch von Plot gibt es aber erst zum Ende der Paris-Mission. Es bleibt abzuwarten, ob es IO-Interactive gelingt, im Verlauf der kommenden Episoden ein echtes Netflix-Feeling zu erzeugen. Im Piloten jedenfalls bleibt der Auftragsmörder vergleichsweise blass.

Agent 47 wie er leibt und killt

Doch von dieser erzählerischen Schwäche abgesehen, bietet „Hitman“ genau das, was sich Fans wünschen. Die drei Missionen sind tödliche Sandkästen, in denen ihr selbst entscheidet, wie ihr eure Zielpersonen umbringt. Malvin Ritter beispielsweise könnt ihr einfach erschießen, ihn gar vergiften oder mit Rettungsbojen plätten.

Der Spaß liegt eindeutig im Erkunden der Umgebung und dem Schmieden eines Mordplans. Die so genannten „Gelegenheiten“ helfen euch dabei auf die Sprünge. Belauscht ihr beispielsweise Wachleute beim Plausch oder findet nützliche Unterlagen, weisen euch Bildschirmeinblendungen auf möglichst raffinierte Tötungsmethoden hin. Dadurch wirkt „Hitman“ stellenweise beinahe wie ein Adventure: Ihr sucht Hinweise, erforscht die Umgebung und entwickelt so den (beinahe) perfekten Mordplan.

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Das Spiel wiederum belohnt eure Mühen mit Erfahrungspunkten und freischaltbaren Extras wie etwa alternativen Startpunkten oder geschmuggelten Ausrüstungsgegenständen. Nicht zuletzt aber sind es vor allem die witzig-morbiden Ideen, die „Hitman“ zu einem motivierenden Episodenabenteuer machen. Einen russischen Militär könnt ihr etwa per Schleudersitz entsorgen oder alternativ im Klo ertränken.

Der perfekte Mord

„Hitman“ ist weiterhin kein traditionelles Actionspiel. Zwar könnt ihr euch theoretisch den Weg freischießen, doch die Praxis sieht anders aus. Agent 47 verträgt nämlich kaum mehr als drei Treffer und segnet – im Vergleich mit „Hitman: Absolution“ – sehr schnell das Zeitliche. Fliegt also eure Deckung einmal auf, ist ein Neustart meist sinnvoller und noch dazu unumgänglich.

Klüger ist dagegen wohl kalkuliertes Vorgehen. „Hitman“ spielt sich dabei vertraut und wagt in puncto Gameplay wenige Innovationen: Agent 47 fertigt also weiterhin seine Widersacher per Würgegriff oder Klavierseite ab, klaut deren Klamotten oder versteckt seine Opfer in Schränken. Im Test der PS4-Version steuert sich „Hitman“ jedenfalls ausgezeichnet und sah obendrein – dank neuer Glacier-Engine – klasse aus. Allerdings ruckelte das Spiel auch gelegentlich.

Spiel’s noch einmal, 47!

Die Kritiker motzen jetzt: „Aber das sind doch nur drei Missionen! Ich will ein komplettes Spiel.“ Dieser Einwand ist natürlich vollkommen richtig. Wer normalerweise nur ein Mal durch die Hauptgeschichte prescht und das Spiel dann zur Seite legt, wird an „Hitman“ nur kurz Freude haben. Allerdings erweitert IO-Interactive das Agentenabenteuer um einige nette Extra-Modi, die die Wartezeit auf die nächsten Teile verkürzen sollen. Im Aufträge-Modus beispielsweise kreiert ihr eure eigenen Missionen: Dazu durchlauft ihr die Levels, markiert Opfer und legt Ausrüstung und Verkleidung fest. Eure Aufträge könnt ihr anschließend hochladen oder euch neue Jobs direkt von der Community herunterladen.

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In Eskalation erhaltet ihr wechselnde Missionsziele, allerdings mit immer neuen Twists. Müsst ihr im ersten Einsatz etwa nur einen KGB-General umlegen, gilt es in der zweiten Stufe noch einige Dokumente zu stehlen. Zudem will IO-Interactive in Zukunft so genannte „schwer zu erfassenden Ziele“ als Zusatzmissionen nachliefern. Diese Gegner tauchen lediglich 48 Stunden auf und verschwinden dann wieder.

Meinung

Die erste „Hitman“-Episode ist ein sehr guter Einstieg in eine neue Ära. Das Gameplay wurde ganz bewusst nur leicht angepasst und basiert weiterhin stark auf den erfolgreichen Vorgängern. Das Erkunden der weitläufigen Gebiete und das Planen oder Improvisieren möglicher Attentate macht diesmal deutlich mehr den Reiz aus als beispielsweise eine ausgeklügelte Geschichte. In „Hitman“ sollt ihr eure Fertigkeiten perfektionieren und entsprechend sollt ihr die Missionen auch mehrfach, aber immer auf andere Weise durchlaufen. Nur wenn ihr dazu bereit seid, ist „Hitman“ sein Geld auch wert. Denn die Geschichte rückt trotz oder vielleicht sogar wegen des Episodenformats spürbar in den Hintergrund. Stattdessen stehen die Missionen und ihre Möglichkeiten stärker im Fokus. Entsprechend solltet ihr euch überlegen, ob das neue „Hitman“-Konzept auch auf eure Spielertypen zutrifft.

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