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Quantum Break: Remedys Action-Spektakel im Test

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Quantum Break: Remedys Action-Spektakel im Test

Wer hat an der Uhr gedreht: Remedy Entertainment verbindet Videospiele und TV-Serien zu einer bildgewaltigen Mischung. Aber ist „Quantum Break“ auch der erhoffte Action-Hit?

Die Verknüpfung von Videospielen und Filmen faszinierte Entwickler und Spieler seit Anbeginn des Home-Entertainments. Ganz egal, ob frühe Versuche wie „Dragon’s Lair“, interaktive Filme wie „7th Guest“ oder moderne Interpretationen á la „Heavy Rain“ und „Beyond: Two Souls“ – Die Verquickung dieser beiden populären Medien fand bereits viele Ableger.

Das finnische Entwicklerteam Remedy Entertainment setzt aber mit „Quantum Break“ neue Maßstäbe. Die Macher von „Max Payne“ und „Alan Wake“ binden professionell gefilmte Serienepisoden in den Handlungszusammenhang des Third-Person-Shooters ein. Das Ergebnis ist ein technisch beeindruckendes Hochglanzspiel, das die Messlatte in puncto Inszenierung ein ganzes Stück höher legt.

Die Zeit ist ein Ei

„Quantum Break“ beginnt mit einem fehlgeschlagenen Zeitexperiment an der fiktiven Riverport University. Die Zeit zerbricht und nun ist es an Jack Joyce – gespielt durch „X-Man“ Shawn Ashmore – die Welt vor der Zerstörung zu retten. Wir möchten an dieser Stelle gar nicht zu sehr in Details gehen, denn „Quantum Break“ ist ein erzählendes Spiel. Ähnlich wie ein Kinofilm oder eine gute Serie zieht der Shooter seine Faszination aus dem ersten (und zweiten) Erleben seiner Geschichte und den daraus resultierenden Überraschungen.

Quantum Break - Bild 6

Jack nimmt es im Verlauf mit den Truppen von Monarch Solutions auf. Das millionenschwere Unternehmen von Paul Serene – gespielt durch Aidan Gillen aus „Game of Thrones“ – hat offenbar eigene Pläne für die Zeitreisemaschinen. Wie Jacks Bruder Will – dargestellt durch Dominic Monaghan aus „Lost“ und „Der Herr der Ringe“ – in das Zeitchaos passt, wollen wir an dieser Stelle noch nicht verraten.

Zwischen den Zeilen

Remedy wählt für „Quantum Break“ eine sehr alternative Erzählweise. In den fünf Akten der Hauptgeschichte kontrolliert ihr Jack Joyce. Jeder Akt wird mit einem so genannten Knotenpunkt beendet, an dem ihr entscheidet, wie es weitergehen soll. Dann wiederum wird das Spiel durch vier Serienepisoden unterbrochen, die in ihrem Produktionsaufwand und der Charakterdarstellung aktuellen Netflix Originals in nichts nachstehen. Inhaltlich rollen die durchaus spannenden Folgen die Story aus anderen Blickwinkeln auf und beleuchten so die Geschehnisse abseits von Hauptdarsteller Jack Joyce.

Die Kombination aus Ingame-Akten und eingestreuten Serienfolgen funktioniert überraschend gut. Zwar bauen die Serienfolgen auf den Inhalten des Actionspiels auf, gleichzeitig aber funktionieren beide auch problemlos unabhängig von einander und erzählen ihre eigenen Geschichten. Darüber hinaus schaffen die Entscheidungsmomente einen hohen Wiederspielwert, da ihr das Abenteuer unter veränderten Vorzeichen mehrmals durchspielen könnt.

Actionheld mit Schwächen

„Quantum Break“ setzt in Sachen Inszenierung und Präsentation neue Maßstäbe, ist aber in seinem Kern ein konservativ-linearer Third-Person-Shooter. Jack Joyce bezieht in den Kämpfen mit den Einheiten von Monarch Solutions automatisch Position hinter Deckungsmöglichkeiten. Die Steuerung ist dabei ordentlich, könnte aber eine Spur direkter sein.

Darüber hinaus stören – wie für Remedy typisch – die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten die prunkvollen Shootouts. Im Vergleich zu „The Division“ gibt es keine Möglichkeit, um zwischen den Deckungen zu wechseln. Längst nicht alle Objekte können erklommen werden. Zudem gibt es keine „normalen“ Ausweichbewegungen oder gar handelsübliche Sprintfunktionen.

An dieser Stelle kommen Jacks Spezialfertigkeiten ins Spiel. Durch das missglückte Zeitexperiment erhält der Gute nämlich Superkräfte und kann die Zeit manipulieren. Per „Zeitstopper“ friert er schwächere Gegner oder bewegliche Objekte ein. Mit dem „Woosh“ entkommt er blitzschnell feindlichem Beschuss und per „Flashen“ spurtet er zu Feinden und schlägt sie mit einem Treffer nieder.

Diese Fertigkeiten sind der Grund dafür, dass ihr „Quantum Break“ weniger wie einen Third-Person-Shooter und eher wie ein schnelles Actionspiel angehen solltet. Kombiniert ihr Jacks Fähigkeiten geschickt miteinander, nehmt ihr selbst größere Gegnergruppen problemlos binnen Sekunden auseinander.

Schnelle Ballerei und müde Entdeckungstouren

In den knapp sechs bis acht Stunden Spielzeit ballert ihr euch so mit Maschinengewehr, Schrotflinte oder Pistole durch Monarchs Armeen. „Quantum Break“ ist schnelle Action und erlaubt viel Kreativität im Kampf. Speziell mit den überall verteilten Benzin- und Chronontanks fabriziert ihr immer wieder toll dargestellte Feuerwerke.

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei ausgesprochen moderat und zieht erst gegen Ende mit so genannten Striker-Truppen leicht an. Diese verfügen selbst über Zeitsprungfuktionen und blocken Jacks Fertigkeiten teilweise ab. Die Burschen fertigt ihr am besten mit Angriffen in den Rücken ab. Insgesamt aber spielt sich „Quantum Break“ – verglichen mit der Hochglanztechnik – recht konservativ. Die kurze Spielzeit und das innovative Erzählmuster verhindern allerdings, dass die ständigen Schießereien auf Dauer zu eintönig werden.

Quantum Break - Bild 5

Die Ballerei wird durch gelegentliche Entdeckungsphasen und kleinere Umgebungsrätsel aufgelockert. Die Muster hinter den sehr linearen Levels und ihren Rätseln sind allerdings allzu simpel, sodass die Kletterpassagen keine großen Herausforderungen darstellen. Mal friert ihr in der Zeit hin- und herspringenden Objekte ein, mal dreht ihr die Zeit per Tastendruck zurück.

Die relevanten Aktionspunkte markiert ihr mit Hilfe des „Zeitblicks“. Dieser erweist sich auch beim Sammeln von Hinweisen und Dokumenten als hilfreich. Nur mit dem „Zeitblick“ ermittelt ihr den Standort von Chrononquellen. Diese leuchtenden Bündel benötigt ihr zum Aufleveln von Jacks Fertigkeiten. Der Mini-Skilltree allerdings mag zwar eine nette Ergänzung sein, hat aber insgesamt zu wenig Einfluss auf die Kämpfe und kommt insgesamt zu kurz.

Meinung

„Quantum Break“ ist wie eine gute Netflix-Serie: Spannend, unterhaltsam und erstklassig inszeniert. Die Abenteuer von Jack Joyce und der Rettung der Welt fliegen förmlich an einem vorbei. Zeit zum Nachdenken bleibt kaum. Stattdessen frieren wir Gegner ein, laden Kugeln auf, umkreisen unsere Widersacher und sprengen sie in die Luft. Als Third-Person-Ballerei ist „Quantum Break“ ein bombastisches Erlebnis mit sympathischen Charakteren und ungewohnt kreativem Plot.

Spielerisch wird aber trotz hübschen Spezialfähigkeiten letztlich „nur“ ein besserer Deckungsshooter geboten. Die flotten Schusswechseln machen Freude, allerdings sind die Areale vergleichsweise klein, die Gegner nicht sonderlich clever und die Steuerung leicht schwammig. Beim Erkunden stören uns die eingeschränkten Wege und unsichtbare Wände. Glücklicherweise reißen die Entscheidungsmöglichkeiten und die vier gelungenen Serienepisoden „Quantum Break“ wieder raus.

Sie machen die Geschichte spannender und motivieren zum Experimentieren. Daher verdient sich Remedy mit „Quantum Break“ auch – trotz spielerischer Mängel – eine Kaufempfehlung. Schließlich bietet das aktuelle Abenteuer Hollywood-Action in seiner bombastischsten Form.

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