Ratchet & Clank: Insomniacs Comic-Ballerei im Test

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Ratchet & Clank:  Insomniacs Comic-Ballerei im Test
PS4

Ein Lombax und sein Robo-Kumpel lassen die Puppen tanzen: Insomniac Games liefern mit der Neuinterpretation ihres PS2-Klassikers einen echten Überraschungshit ab!

Wenn Spieler über Filmumsetzungen diskutieren, dann geht es meist um miese und lieblose Adaptionen bekannter Marken. Doch es gibt auch positive Beispiele: „Alien Isolation“ beispielsweise greift die Geschichte der Science-Fiction-Quadrilogie auf und schafft ein intensives Stealth-Abenteuer. Die Entwicklung des Actionspiels „Ratchet & Clank“ aber ist längst nicht so unkompliziert. Denn es basiert auf dem 2002 für Playstation 2 veröffentlichten Klassiker, der wiederum als Vorlage für den am 28. April 2016 anlaufenden Kinofilm diente. Es handelt sich also um eine geradezu mehrstufige Verschmelzung von Videospiel und Hollywood.

Und wer Insomniac Games – die Entwickler von Titeln wie „Sunset Overdrive“ oder „Resistance 3“ – kennt, der weiß, dass „Ratchet & Clank“ weit mehr ist als nur eine langweilige Portierung. Stattdessen handelt es sich um eine Neuinterpretation eines PS2-Hits, die vor Liebe zum Detail nur strotzt. Lombax Ratchet und sein Metallkumpel Clank gehören jedenfalls längst noch nicht zum alten Eisen!

Zum Schießen!

Wer das Original gespielt hat, wird in puncto Schauplätze, Story oder Charakter keine gravierenden Überraschungen erleben. Doch obwohl selbst der Autor dieser Zeilen „Ratchet & Clank“ 2002 durchgespielt hat, so zauberte Insomniacs buntes Action-Abenteuer ihm doch immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.

Grund dafür ist der unverwechselbare Humor und eine Fülle verrückter Charaktere, die ihres Gleichen suchen. Als Erzähler fungiert der abgehalfterte Sternenflotten-Held Captain Qwark. Er plaudert mit seinem Zellengenossen über seine Vergangenheit und lässt die Geschichte um „Ratchet & Clank“ noch einmal Revue passieren. Dass dabei die Wahrheit manchmal ein bisschen verbogen und abgeändert wird, gehört natürlich zum guten Ton. Baron Münchhausen lässt grüßen!

Gleich in der Anfangsphase etwa meint Qwark plötzlich, dass Ratchet und Clank von Gehirn fressenden Zombiesauriern angegriffen würden. Als dann aber rauskommt, dass es sich dabei um eine Lüge handelt, spult das Spiel kurzerhand zurück und setzt wieder an der Wahrheit an. Es ist diese Art von unkompliziertem Comic-Humor, die „Ratchet & Clank“ auch über spielerische Schwächen hinweg trägt.

Pelziges Multitalent

„Ratchet & Clank“ ist ein schnelles, bleihaltiges Action-Abenteuer in ausladenden Arealen. Es erinnert gelegentlich an Spiele wie „Super Mario Galaxy“ mit vielen verrückten Ideen. Ihr erforscht als vergleichsweise große Gebiete, ballert Gegner über den Haufen und absolviert angenehm kniffelige Hüpfpassagen.

Die meiste Zeit kontrolliert ihr unseren pelzigen Freund Ratchet. Der Lombax mit der großen Klappe ist aber nicht nur ein Actionheld, sondern auch ein Extremsportler. Im Spielverlauf steigt Ratchet auf ein raketenbetriebenes Hoverboard, schwingt sich wie Indiana Jones mit der Elektro-Peitsche über Abgründe oder saust mit dem Jetpack durch die Luft. Zudem klemmt ihr euch regelmäßig hinter das Steuer eines Raumschiffs und ballert in einem abgegrenzten Raum auf feindliche Schiffe. Natürlich sind diese Einlagen nicht sonderlich komplex. Sie lockern aber die Missionen sinnvoll auf.

Tanzende Dinos und Diskokugeln

Der bereits gelobte Humor zieht sich durch das gesamte Spiel. Selbst die Kanonen sind sprichwörtlich zum Schießen. Natürlich gibt es „langweilige“ Wummen wie den Flammen- oder Granatwerfer und Laserknarren. So richtig witzig wird es aber mit Waffen wie dem Verpixler, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Ihr könnt eure Gegner aber auch per Tastendruck tanzen lassen oder hetzt ihnen eine garstige Drohne auf den Hals, die ständig nur darüber redet, wie sie Zerstörung und Tod auf das Schlachtfeld bringt.

Diese Art der Spaße machen die teils recht eindimensionalen, aber gut spielbaren Ballereien sehr unterhaltsam. Über einen Großteil der Spielzeit kämpft ihr euch durch Heerscharen bunter Aliens, schwingt im Infight Ratchets Schraubenschlüssel und sammelt dabei Schrauben ein, die ihr zum Erweitern eures Arsenals benötigt. Letztlich merkt man „Ratchet & Clank“ an dieser Stelle sein Alter an. Manchmal sind die Schießereien nämlich einen Tick zu monoton und unübersichtlich. Für Abwechslung sorgen eingestreute Rätsel und die Knobelpassagen mit dem kleinen Roboter Clank.

Gar nicht „retro“ ist dagegen die Technik. „Ratchet & Clank“ sieht dank runderneuerter Grafik und Effekte absolut fantastisch aus. Die verschiedenen Sternensysteme sind herrlich abwechslungsreich, die Masse an umher fliegenden Schrauben in Kämpfen eine wahre Augenweide.

Bau mich auf!

Die Upgrade-Funktion des Arsenals wurde tatsächlich runderneuert und ergänzt das System stimmig. Die Erweiterungen werden in Form eines Wabensystems dargestellt. Mit dem seltenen Metall Raritanium könnt ihr weitere Waben und damit verbesserte Attribute – etwa 5% mehr Schaden – dazu kaufen. Neue Waffen, Munition und Lebensenergie wiederum bezahlt ihr mit Hilfe der herumfliegenden Schräubchen.

Damit ihr euch nicht allzu linear durch die Levels ballert, gibt es natürlich auch Sammelobjekte. Die so genannten Holo-Karten entdeckt ihr in versteckten Bereichen oder bekommt sie für das Erledigen bestimmter Gegner. Sie gewähren euch passive Boni oder schalten sogar neue Waffen frei. Habt ihr Karten doppelt, könnt ihr diese auch tauschen. Die Holo-Karten sind ebenfalls eine schöne Ergänzung, spielen aber innerhalb der zehn Stunden Spielzeit nur eine untergeordnete Rolle.

Fazit

"Ratchet & Clank“ überrascht! Mit seinem zeitlosen Gameplay, dem weiterhin genialen Humor und vor allem mit einer beeindruckenden Technik. Insomniac Games zeigt, dass ein geniales Spiel auch beinahe 15 Jahre später noch richtig gut funktionieren kann. „Ratchet & Clank“ ist unkomplizierter und zugleich fordernder Spielspaß und mischt wild Einflüsse verschiedener Action-Genres zusammen.

Heraus kommt ein fulminantes Weltraum-Abenteuer mit viel Witz und jeder Menge schräger Ideen. Die humorvolle Erzählweise und die verrückte Waffenauswahl sind ein Garant für jede Menge Lacher. Zugleich aber motiviert dieser schräge Witz auch ungemein. Schließlich will man wissen, welche blöden Spruch Captain Qwark als nächste abfeuert oder welche Eskapade Ratchet und Clank als nächstes erleben.

Sicherlich hätten einige Mission einen Tick abwechslungsreicher und die Kamera präziser sein dürfen. Aber angesichts der Qualitäten von „Ratchet & Clank“ sind diese Problemchen absolut zu vernachlässigen. Kurzum: Insomniac Games' Action-Adaption ist wilder Comic-Spaß und die ideale Vorbereitung für den Kinofilm.

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