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DOOM: Der Oldschool-Shooter im Test

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DOOM: Der Oldschool-Shooter im Test

Dämonen, Kettensägen und die Freude am Kampf: id Software und Bethesda liefern mit „DOOM“ einen geradezu altmodischen Ego-Shooter und bringen dadurch frischen Wind ins Genre.

Id Software begründete für viele das Genre der Ego-Shooter. Mit dem 1993 veröffentlichten „DOOM“ machte es geradlinige Action aus der Ich-Perspektive salonfähig und sorgte gleichzeitig für eine der größten, noch immer schwelenden Kontroversen der Spielebranche. Denn bereits zur damaligen Zeit, als man noch Pixel und zweidimensionale Sprites über den Bildschirm scheuchte, entfachte die Diskussion über die Notwendigkeit von virtueller Gewalt. Kein Wunder, dass „DOOM“ alsbald auf dem Index landete und erst 2011 wieder freigegeben wurde.

Im Jahr 2016 leben wir zum Glück in besseren Zeiten. Das aktuelle „DOOM“ erscheint in Deutschland ungeschnitten für PC, Xbox One und Playstation 4 und geizt nicht mit Splatter-Einlagen. Doch nicht nur in Sachen Blutrünstigkeit geht der Shooter zurück zu den Wurzeln, auch spielerisch orientiert sich id Software wieder mehr am Original.

Hölle, Hölle, Hölle!

Um es gleich vorweg zu nehmen, auch in puncto Erzählweise hält sich das neue „DOOM“ an die Vorgaben seiner Ahnen. Erneut erwacht ihr auf einer Raumstation auf dem Mars und seht euch finsteren Dämonen aus der Hölle gegenüber. Im Verlauf der 12 bis 14 Stunden währenden Kampagne müsst ihr versuchen, die Tor zur Hölle zu schließen und werdet dabei Heerscharen von Schergen in den Allerwertesten treten.

„DOOM“ schert sich weiterhin nicht um komplexe Charaktere oder gar ausufernde Dialoge. Natürlich gibt es einen Plot, der ist aber komplette Nebensache und dient letztlich nur dazu, um die einzelnen Levels notdürftig zusammen zu halten. Wer von einem modernen Shooter eine ausgefeilte Story erwartet, dem raten wir zu „Dishonored“, „Bioshock“ oder „Wolfenstein: The New Order“.

Mit der Kettensäge im Anschlag

Stattdessen legt id Software den Fokus auf das Gunplay und setzt damit auf das richtige Pferd. Denn „DOOM“ spielt sich einfach hervorragend. Es ist ein unkomplizierter, aber dennoch überraschend vielschichtiger Shooter bei dem es auf gute Reflexe und schnelle Entscheidungen ankommt.

Dazu vereinfachen die Entwickler aktuelle Shooter-Tugenden: Nachladen müsst ihr nicht. Euer Charakter sprintet auch die gesamte Zeit über. Dadurch habt ihr Luft, um euch auf das Geschehen auf dem Bildschirm zu konzentrieren. Tatsächlich gewinnt das Action-Spektakel keinen Blumentopf für seine ausgefeilten Missionen. Grundsätzlich lautet die Devise „Rennt zum Zielort und erledigt alle Dämonen“. Bis auf ein paar Schalter und minimale Sprungübungen wird in „DOOM“ nichts anderes geboten außer purer Gewalt.

Doch das Konzept geht auf: id Softwares Shooter überzeugt durch seinen Minimalismus und dampft die Quintessenz des Genres gekonnt herunter. Die Steuerung ist griffig, das Waffen-Feedback wuchtig und die Darstellung martialischer als in manchem Splatter-Movie.

Alles für den Kampf

„DOOM“ wirkt in sich durchdacht, denn es richtet sich komplett nach dem tragenden Element im Spiel aus: Dem Kampf! Zu diesem Zweck führt id Software die Glory-Kills ein. Diese Finishing-Moves für angeschlagene Widersacher sind weit mehr als nur blutige Staffage, sie bringen viel Tiefe ins Spiel. „DOOM“ zwingt Spieler in den Nahkampf und verhindert damit, dass man zu lange in Deckung bleibt. Glory-Kills bescheren nämlich Lebensenergie, Kettensägenangriffe bringen Munition. Zwar findet man beides auch in der Umgebung, doch wer aggressiv vorgeht, übersteht die Schlachten indem er von einem Feind zum nächsten springt. Das System funktioniert klasse und sorgt für gänzlich anderes Spieltempo als in anderen Shootern.

Dazu bietet „DOOM“ ein vergleichsweise umfangreiches Upgrades-System. Waffenpunkte benötigt ihr zum Freischalten von Verstärkungen. Sie erhaltet ihr für das Ausschalten von Feinden und das Erledigen optionaler Nebenaufgaben. Dazu rüstet ihr die Bereiche Gesundheit, Rüstung und Munition mit versteckten Argent-Energiekernen auf. Die passiven Fertigkeiten der Runen aktiviert ihr mit Hilfe von kurzen Mini-Spielen. All diese Elemente fördern letztlich das offensive Vorgehen und dienen einzig und allein dem Beschleunigen des Spielablaufs.

Verdammt noch mal …

Doch so flüssig sich „DOOM“ auch spielt, so hat es dennoch einige Schwächen in der Singleplayer-Kampagne. Denn auf Dauer wird das Abmetzeln von immer größer werdenden Gegnerwellen allzu monoton. Viel Abwechslung bietet Spiel nämlich abseits des wachsenden Schwierigkeitsgrades nicht.

Dazu geizt id Software mit wirklich kreativen Settings. Wer bereits einen der früheren Ableger gezockt hat, wird sich über kaum einen Schauplatz wirklich wundern. Die feindlichen Dämonen agieren zudem alles andere als clever und zumindest Einzelgegner lassen sich geschwind austricksen, indem ihr um sie herum spurtet.

Technisch bleibt der PC das Maß aller „DOOM“-Dinge, im Vergleich zu dem hochauflösenden Gemetzel wirken Playstation 4 und Xbox One geradezu spartanisch. Hier krankt das Spiel nämlich an Texturproblemen. Nicht nur, dass diese arg matschig sind, sie werden auch allzu oft zu spät nachgeladen.

Multiplayer und Karteneditor

Mit dem ersten Durchlauf der Kampagne seid ihr bis zu 15 Stunden beschäftigt. Danach locken noch Sammelgegenstände wie die putzigen Marine-Puppen. Die meisten allerdings werden sich dann dem Multiplayer widmen. Dieser erinnert gepflegt an Titel wie „Unreal Tournament“ und bietet in sechs Spielmodi rassig-schnelle Gefechte auf engstem Raum. Auch hier kommt es vor allem auf Reaktionen an. Besondere Momente sind zweifellos das Auftauchen der vier verfügbaren, spielbaren Dämonen.

Dazu bietet die Online-Komponente reichhaltige Individualisierungsoptionen und jede Menge Loadout-Möglichkeiten. Insgesamt hinterlässt der Online-Part von „DOOM“ einen überraschend gelungenen Eindruck, der durch den Level-Editor Snap-Map noch unterstrichen wird. Mit ihm könnt ihr eigene Karten bauen, herunterladen oder teilen. Auf diese Weise sorgt die Community selbst für Kartennachschub und steht damit wieder ganz in der Tradition der Originale.

Meinung

Mit „DOOM“ kehrt id Software zurück zu den Wurzeln des Genres und fährt damit goldrichtig. Es braucht nämlich keine ausufernde Story oder gar Horror-Effekte, damit ein Shooter Spaß macht. „DOOM“ zeigt eindringlich, was das Genre wirklich auszeichnet. Nämlich ein starkes Gunplay und ein darauf zugeschnittenes Kampf- und Upgrade-System. Der Spielfluss tröstet hier über viele kleine und große Schwächen hinweg. So sehr vielleicht ein abwechslungsreicheres Leveldesign fehlt, so sehr erfreut man sich auch über schnelle Abschuss-Serien und gelungene Glory-Kills.

„DOOM“ ist in seinem Minimalismus erstklassig und unterscheidet sich damit von vielen aktuellen Shootern, die überambitionierte Optionen und Ideen auffahren. Gleichzeitig aber macht dieser Fokus auf sich selbst auch angreifbar. Nicht jeder wird mit der Geschwindigkeit und der schonungslosen Brutalität eines „DOOM“ klar kommen. In höheren Schwierigkeitsgraden oder im Multiplayer wartet das Spiel mit gelegentlichen Frustmomenten auf. Doch davon abgesehen ist id Software neuste Reinkarnation der Kultserie das beste „DOOM“ seit gefühlten Ewigkeiten. Eben weil die Entwickler nicht mehr auf die Konkurrenz schielen, sondern ihr eigenes Süppchen kochen!

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