Shadow of the Beast: Überzeugt die Neuauflage im Test?

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Shadow of the Beast: Überzeugt die Neuauflage im Test?
PS4

Heavy Spectrum Entertainment Labs lässt den Amiga-Klassiker exklusiv auf der Playstation 4 neu aufleben. Doch überzeugt das Action-Adventure mit mehr als nur mit wohligem Retro-Feeling?

Wie eine Maschine metzelt sich das Biest durch die Reihen der Menschen. Der böse Magier Maletoth führt sein Werkzeug der Zerstörung an einer Energieleine bis hoch zu den Grasebenen von Karamoon. Denn in den dort gebauten Tempeln wähnt Maletoth ein Kleinkind, welches er entführen möchte. Doch als das Biest den Vater des Babys ermordet, durchfährt es eine Vision. Ein kurzer Moment der Erleuchtung, der Arrbron – so der Name der gnadenlosen Kreatur – für immer verändern wird. Plötzlich weiß er, dass Maletoths Taten unrecht sind und fordert blutige Rache ein.

Das von Heavy Spectrum Entertainment Labs entwickelte „Shadow of the Beast“ bringt den bereits 1989 veröffentlichten Retro-Klassiker in die Gaming-Neuzeit. Inhaltlich und spielerisch hält sich das in London ansässige Team zwar über weite Strecken an die Vorlage, erweiterte das 2D-Abenteuer aber um einige moderne Spielelemente.

Vom Feinsten

Den u.a. für Commodore 64 und Amiga veröffentlichten Klassiker zeichnete seiner Zeit besonders die spektakuläre Technik aus. Das 2D-Abenteuer setzte so genanntes Parallax-Scrolling – also zwei von einander unabhängige Ebenen – für die Darstellung seiner bunt-fantastischen Spielwelt ein. Darüber legte das Team von Reflections den genialen Ambiente-Soundtrack von David Whittaker und fertig waren einige der schönsten Videospielmomente der Geschichte.

Die 2016er Edition beeindruckt natürlich längst nicht mehr so stark, schließlich ist die Konkurrenz mit Titeln wie „Uncharted 4“ weitaus größer. Nichtsdestotrotz überzeugt „Shadow of the Beast“ besonders technisch. Es bringt die klassischen Areale zurück, interpretiert die Schauplätze allerdings neu und verleiht ihnen einen modernen Anstrich. Die Grasebenen von Karamoon beispielsweise strahlen nun in saftigen Farben und der angesprochene Tempel ragt beeindruckend in den Himmel. Spätere Abschnitte sind herrlich düster und glänzen mit stilsicherem Artdesign.

Auch musikalisch gibt sich Heavy Spectrum alle Mühe, dem Original gerecht zu werden. So wurden viele der alten Stücke modernisiert und deren Themen weiter verarbeitet. Daher ist „Shadow of the Beast“ technisch ein durchaus bemerkenswerter Titel.

Die alte Mischung

Spielerisch orientiert man sich ebenfalls an der Vorlage. Daher wetzt ihr mit Aarborn weiterhin durch 2D-Levels, schnetzelt andere Monster nieder und bewältigt durchaus kniffelige Umgebungsrätsel. Allzu viel Tiefgang solltet ihr aber gerade von den Kämpfen nicht erwarten. Meist meuchelt ihr euch in abgetrennten Bereichen nur von einem Gegner zum anderen. Ein Kombo-System – basierend auf Timing und erlittenem Schaden – berechnet im Anschluss eure Punkte.

Netterweise integriert Heavy Spectrum noch verschiedene Special-Moves. Beispielsweise könnt ihr euch in einem Mini-Spiel Lebensenergie zurückholen oder in Wutserien besonders effektiv morden. Besagte Punkte werden dann in Online-Ranglisten verrechnet, sodass ihr zumindest ein wenig Wettbewerb in dem ansonsten nur auf Einzelspieler ausgelegten Titel habt.

Darüber hinaus schaltet ihr mit den Punkten neue Fertigkeiten und (noch wichtiger) liebenswerte Extras frei. Denn im Download enthalten sind u.a. auch der Original-Soundtrack und der Retro-Klassiker selbst. Wer also damals Fan von „Shadow of the Beast“ war oder kleines Stück Geschichte nachholen möchte, sollte hier durchaus einen Blick riskieren.

Der Absturz!

Dass bei „Shadow of the Beast“ dann dennoch nicht die ganz große Retro-Euphorie aufkommen will, liegt an der miserablen Steuerung. Das Action-Adventure spielt sich einfach nicht rund und wirft einem bei der Erkundung von Karamoon immer wieder dicke Knüppel zwischen die Beine. Gehen die Kämpfen noch halbwegs simpel von den Fingern, ärgern einen besonders die Plattformer-Elemente mit trägen Reaktionen und einer allzu lahmen Kameraführung.

Diese wiederum führt nicht nur zu manch ungewolltem Absturz und damit zum Neustart, sondern auch zu gelegentlichen Wiederholungen der wenig originellen Schalterrätseln. Diese laufen nämlich allzu oft unter Zeitdruck ab, sodass das schwammige Handling noch mehr an Bedeutung dazu gewinnt. Wirklich intuitiv und griffig spielt sich „Shadow of the Beast“ jedenfalls nicht.

Meinung

Eigentlich hätte „Shadow of the Beast“ eine wirklich tolle Reinkarnation eines legendären Klassikers werden können. Denn Heavy Spectrum Entertainment Labs bringen das Konzept des Originals gekonnt in die Gegenwart: Technisch ist das 15 Euro günstige Action-Adventure über jeden Zweifel erhaben und begeistert mit einer stilsicheren Neuinterpretation der bekannten Schauplätze. Dazu gibt es einen wunderschön verarbeiteten Retro-Soundtrack und natürlich ganz viele Extras.

Leider überzeugt „Shadow of the Beast“ aber spielerisch überhaupt nicht. Das Kampfsystem ist noch halbwegs tragbar, doch die Steuerung und die Plattformer-Passagen fühlen sich zu zäh an. Dadurch kommt innerhalb der Levels schnell Frust auf. „Shadow of the Beast“ nimmt seine Treue zum Original an dieser Stelle vielleicht sogar eine Spur zu ernst. Denn das spielte sich auch nicht so wirklich besonders. Insgesamt ist die PS4-Adaption also eher ein Liebhabertitel für alle, die „Shadow of the Beast“ gerne nochmal oder vielleicht sogar erstmals ausprobieren möchten. Wirklich bahnbrechend ist das Action-Adventure aber auch diesmal nicht!

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