Uncharted 4: Der Test zu Naughty Dogs Mega-Abenteuer

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Uncharted 4: Der Test zu Naughty Dogs Mega-Abenteuer
PS4

Naughty Dog schlägt zurück und setzt mit „Uncharted 4: A Thief's End“ neue Maßstäbe. In unserem spoiler-freien Test erfahrt ihr, warum Nathan Drakes Abenteuer in keiner Sammlung fehlen darf!

Die Playstation 4K kommt! Erst vor wenigen Wochen bestätigten Sony-Mitarbeiter, dass es tatsächlich ein Hardware-Upgrade für die aktuelle Konsolengeneration geben wird. Gerade zum bevorstehenden Launch von Playstation VR und der zunehmenden Verbreitung von UHD-Fernsehern scheint dieser Schritt nur konsequent.

Doch wenn man sich „Uncharted 4: A Thief’s End“ anschaut, dann wird auch deutlich, dass die PS4 längst noch nicht zum alten Eisen gehört. Denn Naughty Dog liefert mit dem vielleicht finalen Teil der Drake-Saga sein Meisterwerk ab: Technisch nahezu makellos, perfekt inszeniert und spielerisch fordernd.

Die Drake-Familienbande

Nach den vielen Jahren der Abenteuer hat sich Nathan Drake zur Ruhe gesetzt. Er lebt ein „normales“ Leben gemeinsam mit seiner Ehefrau Elena. Ja, die Beziehung hat tatsächlich gehalten und dennoch hängen graue Wolken über dem Alltag im Hause Drake. Denn Nathan ist alles andere als zufrieden mit seinem Job und sich selbst. Ihm fehlt der Nervenkitzel früherer Zeiten.

Diesen soll er aber früh genug bekommen. Denn wie aus heiterem Himmel taucht sein tot geglaubter Bruder Sam wieder auf und fordert Nathans Hilfe ein. Sam wird nämlich vom Gangsterpaten Hector Alcazar erpresst. Dieser fordert nicht weniger als einen legendären Piratenschatz als Preis für Sams Leben.

Ein starkes Gespann

„Uncharted 4: A Thief’s End“ setzt massiv auf die Beziehung zwischen Sam und Drake. Daher seid ihr auch während der gut 14 Stunden Spielzeit und den über 20 Kapiteln eigentlich nie alleine unterwegs, sondern werdet fast immer von Sam begleitet.

Glücklicherweise ist der Haudegen aber nicht nur ein quatschendes Anhängsel, sondern eine eigenständige Figur, die durch die Konstellation mit seinem Bruder Nathan an Profil gewinnt und eine schöne Ergänzung zu der Charakterzeichnung darstellt. Sam unterstützt euch automatisch im Kampf, untersucht die Umgebung und gibt Tipps, falls ihr mal stecken bleibt. Im Gegensatz zu „Bioshock Infinite“ beispielsweise wirkt die Interaktion mit dem Computer-Bruder aber weit weniger aufgesetzt und fließt beinahe nahtlos in das übrige Gameplay ein.

Überhaupt schafft es Naughty Dog erneut, ungemein liebenswerte und menschliche Figuren zu erzeugen. Nathan Drake bleibt mit seinen Referenzen und dem selbstironischen Humor einfach der perfekte Actionheld, der jetzt auch noch von seinem älteren Bruder gehänselt wird. Elena taucht diesmal seltener auf, ist aber mitverantwortlich für die emotionalen Momente im Spiel. Und Sullivan ist der charmante Halunke, den wir schon aus den ersten drei „Uncharted“-Teilen kennen.

Besser wird’s nicht!

Naughty Dog haucht seinen Spielfiguren mit einem knackigen Drehbuch und vor allem einer sensationellen Technik Leben ein. „Uncharted 4“ ist sicherlich das aktuell schönste Spiel für die Playstation 4 und begeistert gerade in den Zwischensequenzen mit detaillierten Aufnahmen der Gesichter. Die Mimik und die Detailtiefe der Figuren kratzen mitunter am Fotorealismus und bringen einen immer wieder zum Staunen. Oftmals machen die kleinen Bewegungen – etwa ein ironisches Zucken in den Mundwinkeln oder eine hochgezogene Augenbraue – den Unterschied aus. Die Figuren wirken einfach lebendig, was die Identifikation noch leichter macht.

Zugleich aber gehört auch die Inszenierung des gesamten Abenteuers zum Besten, was der Markt derzeit hergibt. Spiel- und Filmsequenzen gehen absolut nahtlos ineinander über und erzeugen so die perfekte Illusion eines spielbaren Actionstreifens. „Uncharted 4“ lief während der gesamten Spielzeit über flüssig, ganz egal, wie viele Charaktere und Effekte den Bildschirm gerade füllten. Und so kreiert Naughty Dog eindrucksvolle, emotionale und zugleich humorvolle Augenblicke, in denen scheinbar die gesamte Welt um Nathan Drake einzustürzen droht.

Die Ereignisse fügen sich perfekt in die zauberhaft exotischen Schauplätze ein und machen zugleich Nathan Drakes Ruf als „charmante Abrissbirne“ alle Ehre. Der Gute muss auch diesmal mächtig einstecken und kommentiert das Geschehen mit einem gewohnt ironischen Unterton. Wir verzichten an dieser Stelle auf konkrete Beispiele. Denn wenn ihr „Uncharted 4“ zum ersten Mal erlebt, werdet ihr mit offenem Mund oder jubelnd vor dem Bildschirm sitzen. Diese Augenblicke wollen wir euch nicht mit unnötigen Spoilern kaputt machen.

Die gewohnte Mischung – nur besser

Spielerisch bleibt auch der vierte Teil der Serientradition treu und mischt die Erkundung der Spielwelt mit Actionpassagen und wilden Schießereien. Zwischendurch lockern Fahrzeugsequenzen – wahlweise mit Jeep oder Boot – das Geschehen noch ein wenig auf. Allerdings wirkt „Uncharted 4“ in sich runder, besser ausbalanciert und spielbarer als seine Vorgänger und legt den Fokus vermehrt auf das Erforschen neuer Areale.

Nathan und Sam legen zwar häufig das Gewehr an, verbringen aber einen Großteil ihrer Weltreise mit Klettern und Knobeln. Dabei greift ihr auf das gesamte Inventar der „Uncharted“-Reihe zurück – vom Kletterhaken bis zum Seil. So schwingt ihr euch an Vorsprüngen entlang, rutscht matschige Abhänge herunter und hangelt euch über Abgründe. Die Rätsel hätten für unseren Geschmack einen Tick knackiger ausfallen dürfen. Wer sich Drakes Notizen ordentlich durchliest, bekommt die Antworten fast schon vorgegeben.

In den Action-Passagen habt ihr nun häufig die Wahl, ob ihr lieber schleichen oder ballern wollt. Die Stealth-Mechanik kann zwar längst nicht mit Spielen wie „Hitman“ oder „Assassin’s Creed“ mithalten, ist aber – trotz gelegentlicher KI-Aussetzer – eine nette Abwechslung zu den Deckungsschießereien. Diese funktionieren ebenfalls besser als in den Vorgängern und fühlen sich rund an. Insgesamt aber setzt Naughty Dog den Fokus diesmal besser als bei den Vorgängern und verzichtet auf unnötige Fließbandballereien.

Action-Epos mit Extras

Das Erkunden der Spielwelt belohnt „Uncharted 4“ weiterhin mit vielen Sammelgegenständen. Neben Schätzen entdeckt ihr unterwegs auch immer wieder Briefe und andere Objekte, die die Hintergründe der Geschichte erzählen. Ein Foto-Modus wurde ebenfalls direkt integriert, sodass ihr eure schönsten Momente mit wechselnden Kamerawinkeln, Filtern und anderen Funktionen festhalten könnt.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch den Mehrspieler-Modus. Dieser ist für sich genommen ein absolut netter Zeitvertreib, reicht aber längst nicht an die geniale Kampagne ran. In klassischen Versus-Spielmodi geht es mit Fünf gegen Fünf ordentlich zur Sache. Die insgesamt acht Karten sind angenehm verschachtelt und bringen somit die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten der Figuren gut zur Geltung. Als nettes Gimmick gibt es nun Mystikfähigkeiten und optionale Computer-Avatare, die euch im Kampf unterstützen. In den organisierten Testsessions machten Spielmodi wie Plunder durchaus Laune, allerdings bieten andere Actiontitel einfach mehr Umfang.

Meinung

Naughty Dog setzt den neuen Standard für Action-Adventures! „Uncharted 4: A Thief’s End“ wird den Erwartungen absolut gerecht und schiebt die Ausrichtung der Serie dennoch in eine andere Richtung. Weg von den ständigen Feuergefechten, hin zu einem vollwertigen Action-Adventure mit Rätsel, Kletterpassagen und eingestreuten Schusswechseln. Die Inszenierung ist dabei nahezu fehlerfrei und reicht von beeindruckenden Charaktermodellen, über perfekte Animationen bis hin zu wuchtigen Zerstörungseffekten mit wilden Kamerafahrten. „Uncharted 4: A Thief’s End“ berührt, begeistert und unterhält zu jeder Sekunde. Ganz egal, ob man mit Nathan schmunzelt oder ob man sich gerade durch eine Horde Schurken ballert. Somit ist das vierte „Uncharted“ wie schon seine Vorgänger ein echter Kaufgrund für eine Sony-Konsole und sollte daher auch in keiner Sammlung fehlen.

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