Sherlock Holmes The Devil’s Daughter: Wie schlägt sich das Detektiv-Adventure im Test?

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Sherlock Holmes The Devil’s Daughter: Wie schlägt sich das Detektiv-Adventure im Test?

Der berühmteste Detektiv der Welt ermittelt wieder: „Crimes & Punishments“ war ein Überraschungshit. Kann „The Devil's Daughter“ diesen Erfolg wiederholen?

Für den französischen Entwickler Frogwares ist „Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter“ bereits der zwölfte Titel rund um den legendären, britischen Privatdetektiv. Doch so richtig bekannt wurde die Serie erst durch den Vorgänger „Crimes & Punishments“. Das Adventure vereinte eine zeitgemäße Technik mit spannenden Rätseln, kreativen Schauplätzen und knackiger Täterfindung.

Für „The Devil’s Daughter“ stehen also alle Zeichen auf Erfolg, doch anstatt auf dem bewährten und gelobten Grundgerüst des Vorgängers aufzubauen, verschlimmbessert Frogwares sein Adventure-Konzept mit Quick-Time-Events und unnötig viel Action.

Sherlock beim Schönheitschirurgen

Wer den Vorgänger gespielt hat, wird sich zunächst wundern: Was ist denn mit Holmes und Watson geworden? Frogwares verjüngt die beiden und nähert sich damit an die „Sherlock Holmes“-Hollywood-Produktionen mit Robert Downey Jr. und Jude Law an. Doch davon abgesehen ist auch „The Devil’s Daughter“ ein ausgesprochen schönes Adventure. Gerade die Darstellung der Charaktere und insbesondere ihrer Gesichter überzeugt. Hier erkennt man jedes Detail: Von der kleinsten Falte bis zur Narbe.

Sherlock Holmes The Devils Daughter - Bild 1

Die fünf Fälle führen euch u.a. in das Armenviertel Londons oder in eine Gießerei. Ganz so fantastisch abwegig wie noch im Vorgänger sind die Szenarien zweifellos nicht. Dort wart ihr beispielsweise in einem alten Museum unterwegs oder habt gar an einer vernebelten Bahnstation nach einem verschwundenen Zug gesucht. Trotzdem ist „The Devil’s Daughter“ ein grafisch sehr ansehnliches Spiel, das nicht mit Feinheiten geizt. Allerdings kommt es in der Konsolenversion zu kleineren, aber störenden Rucklern.

Die harte Ermittlerarbeit

Und tatsächlich unterscheidet sich das Spiel in seinem Kern gar nicht so sehr von seinem Vorgänger: Bei der Begegnung mit einer neuen Person scannt ihr diese zunächst ab und versucht, von dessen Äußeren auf den Charakter zu schließen. Das fällt manchmal gar nicht leicht, macht aber durchaus Spaß.

Wichtigstes Instrument bleibt weiterhin Holmes' Notizblock. Hier landen nämlich alle gesammelten Informationen, besuchte Tatorte und natürlich Steckbriefe aller Charaktere. Die Ermittlerarbeit erinnert ein bisschen an eine Schnitzeljagd. Ihr trefft an einem Schauplatz ein und klappert ein Objekt nach dem anderen ab oder untersucht es mit Hilfe des Cursors.

Sherlock Holmes The Devils Daughter - Bild 2

Gefundene Hinweise wachsen in Sherlocks Hirn zu Synapsen und müssen irgendwann miteinander kombiniert werden. Die daraus entstehenden Schlussfolgerungen entscheiden schließlich über euer abschließendes Urteil. Wie schon sein Vorgänger gibt auch „The Devil’s Daughter“ nicht sofort an, ob ihr mit euren Entscheidungen richtig oder falsch liegt. Trefft ihr die falschen Entscheidungen oder überseht gar Hinweise könnt ihr (theoretisch) auch die vollkommen falsche Person ins Gefängnis bringen.

Die Schattenseiten des Detektivs

Die fünf Fälle haben thematisch rein gar nicht miteinander zu tun. Sie werden lediglich mit einer verkopften Rahmenhandlung zusammengehalten, die sich um eine neue Nachbarin und Holmes' Adoptivtochter dreht. Was sich spannend anhört, spielt für den Zusammenhang leider keine Rolle und selbst die Zwischensequenzen erzeugen keine Spannung. Schuld daran ist zum Teil auch die miserable deutsche Vertonung. Unsere Empfehlung: Unbedingt auf Englisch umschalten!

Viel schwerer wiegen allerdings die neu hinzugekommenen spielerischen Schwächen: So streut Frogwares nun vermehrt Quick-Time-Events und Action-Sequenzen in das Adventure-Gameplay, die so gar nicht zu dem eigentlichen Spiel passen wollen. Ständig müsst ihr Tasten drücken und mit den Analog-Sticks rühren. Schlimmer noch: Die Steuerung ist dabei enorm unpräzise, was zu häufig zu Neustarts führt. Gleiches gilt im übrigen für die Action-Einlagen. Wenn ihr Sherlock Holmes auf der Flucht durch einen Wald führt und dieser dabei ständig hängen bleibt und schlussendlich dabei drauf geht, schmälert das zunehmend den Spielspaß. Zwar könnt ihr diese Einlagen auch überspringen, doch dann fehlt euch ein Stück Handlung.

Sherlock Holmes The Devils Daughter - Bild 3

Darüber hinaus ist „Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter“ auch noch vergleichsweise kurz. Die fünf Fälle habt ihr in fünf bis sieben Stunden beendet. Einen großartigen Wiederspielwert bietet das Adventure logischerweise nicht. Beim Vorgänger gab es noch sechs Fälle mit insgesamt acht bis zehn Stunden Spielzeit.

Meinung

Eigentlich sollte ein Nachfolger die Schwächen seines Vorgängers ausbügeln. Bei „Sherlock Holmes“ tritt aber das komplette Gegenteil ein. War „Crimes & Punishments“ noch ein zuweilen zähes aber insgesamt spannendes Detektivabenteuer, verliert sich „The Devil’s Daughter“ in Quick-Time-Events, Action-Sequenzen und langweiligen Fällen. Es wirkt beinahe so, als hätte man alle zuvor rausgeschnittenen Ideen in ein Spiel gepackt.

Dadurch verliert „The Devil’s Daughter“ leider enorm an Atmosphäre und vor allem Spielbarkeit. Zu oft fühlt es sich zu aufgesetzt und bemüht an. Ein vollkommener Flop ist das aktuelle Abenteuer des Meisterdetektivs aber dennoch nicht. Denn wenn sich Frogwares auf seine alten Tugenden konzentriert, dann kommen dabei spannende Momente heraus. Die klassische Ermittlerarbeit, also das Sammeln und Verknüpfen von Hinweisen, macht weiterhin Spaß und gerade die Urteilsfindung tröstet zumindest gelegentlich über besagte Schwächen hinweg.

Ein schlechtes Spiel ist „Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter“ daher längst nicht, aber die Erwartungen waren nach dem sehr gelungenen Vorgänger noch deutlich größer.

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