Umbrella Corps im Test: Zahnloser Zombie-Shooter oder ungewöhnliches Online-Erlebnis?

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Umbrella Corps im Test: Zahnloser Zombie-Shooter oder ungewöhnliches Online-Erlebnis?

Untote, Soldaten und knackige Online-Schlachten: Capcom zeigt in seinem Shooter-Spinoff „Umbrella Corps“ Mut zum Risiko. Doch wird diese Experimentierfreudigkeit der Japaner auch belohnt oder geht der „Resident Evil“-Ableger glorreich baden?

„Resident Evil“ steht synonym für Survival-Horror und ist verantwortlich für so manche Gänsehaut. Doch in den letzten Ablegern entfernte sich Capcom zusehends von dieser Serientradition. Spätestens bei „Resident Evil 6“ gruselte sich niemand mehr. Der auf der E3 angekündigte siebte Teil scheint wieder mehr virtuelle Spannung in die Reihe zu bringen.

Umso überraschender kommt da „Umbrella Corps“. Denn Capcom verlässt die vertrauten Solo-Pfade und wagt sich in das Haifischbecken der Online-Shooter. Mit aktuellen Titeln wie „Overwatch“, „Destiny“ oder „The Division“ ist die Konkurrenz groß und die Ansprüche der Spieler noch größer.

Einzelspieler auf dem Abstellgleis

Dass die Kampagne in „Umbrella Corps“ keinen sonderlich großen Stellenwert hat, spiegelt sich leider auch in der Umsetzung wider. Nach einem ordentlichen Tutorial könnt ihr euch in „Das Experiment“ durch eine Abfolge linearer Einsätze ballern. Im Gegensatz zum Multiplayer kämpft ihr hier nicht gegen Soldaten, sondern gegen Untote und Zombie-Hunde.

Erwartet jetzt aber keine Story oder gar ein ausgefeiltes Gameplay. Denn viel liebloser als in „Umbrella Corps“ hätte Capcom diesen Singleplayer-Anteil kaum umsetzen können. Es gibt keinerlei Geschichte, auch keine eigenen Levels oder Ideen. Stattdessen kämpft ihr euch nur von einem Einsatz zum nächsten und absolviert die gleichen Aufgaben wie im Multiplayer.

Taube Zombies und spaßige Augenblicke

Kaum jemand wird daher seine Zeit mit dem Einzelspielermodus verschwenden, noch solltet ihr „Umbrella Corps“ deswegen kaufen. Stattdessen solltet ihr euch schleunigst dem Online-Modus widmen, dieser ist zwar weit entfernt von aktuellen Spitzentiteln, bringt aber zumindest einige originelle Ideen mit.

Hier geht’s in den Modi „Ein Leben“ und „Multi Mission“ auf verschiedenen „Resident Evil“-Schauplätzen mit Dreier-Teams zur Sache. „Ein Leben“ umschreibt ein typisches Deathmatch – nur ohne Respawns. In „Multi Mission“ absolviert ihr mehrere Einsätze im Best-of-5-Verfahren. Sonderlich kreativ ist „Umbrella Corps“ nicht: Mal sammelt ihr DNA-Proben erschossener Zombies auf, bewacht einen Zielbereich oder erobert mehrere Koffer.

Besser gefällt uns, wie Capcom versucht, die traditionellen Modersäcke in den Online-Gefechte einzubinden. Auf jeder der kleinen Karten schlurfen nämlich Unmengen von Untoten herum. Sie hören euch allerdings zu Beginn der Runde noch nicht, da die Soldaten über geräuschdämpfende Jammer verfügen. Diese gehen jedoch unter Beschuss schnell kaputt und spätestens dann spielen die Zombies wieder eine Rolle. So müsst ihr einen gegnerischen Soldaten nicht unbedingt selbst erledigen, einige Streifschüsse reichen manchmal vollkommen aus.

Sie sind tot!

So sorgt „Umbrella Corps“ tatsächlich zwischendurch für spannende und intensive Feuergefechte. Die Karten sind enorm eng, wodurch es immer wieder zu schnellen Auseinandersetzungen kommt. Dazu aber bieten sie auch Versteckmöglichkeiten und Dächer für Scharfschützen. Wer kontrolliert und im Team spielt, wird einige launige Momente erleben.

Dummerweise aber werden diese durch ganz viel Frust und viele Fehler überschattet. Bereits die Steuerung besitzt ihre Tücken. Funktioniert die grundlegende Shooter-Mechanik noch halbwegs ordentlich, spottet das Deckungssystem jeder Beschreibung. Presst ihr euch gegen eine Wand, klebt euer Soldat daran fest und lässt sich nicht mehr bewegen. Der Bildausschnitt ist dann so klein, dass man kaum noch nach links oder rechts schauen kann. Das Ergebnis: In Deckung seid ihr ein perfektes Ziel für eure Widersacher.

So richtig kompliziert wird es aber auf dem Schlachtfeld. Aufgrund der kurzen Entfernungen spielen Feuerwaffen nicht die Hauptrolle. Stattdessen dominieren die in „Umbrella Corps“ beliebten Äxte. Seid ihr dicht genug an eurem Gegner, könnt ihr – ähnlich wie in „Gears of War“ – zum halbautomatischen Sturmangriff ansetzen. Das Problem: Geht die Aktion schief oder wird gekontert, seid ihr tot. Erledigt ihr den Feind, erstarrt eure Spielfigur für Sekunden und ihr seid im Zweifelsfall ebenfalls tot. „Leben und leben lassen“ umschreibt wohl dieses Dilemma am besten.

Taktik oder Chaos?

Überhaupt fühlt sich „Umbrella Corps“ zu oft viel zu unkoordiniert und chaotisch an. Ständig greifen einen Feinde von hinten oder direkt nach dem Respawnen an. Dazu nerven die Zombies mit der Zeit, verfügen sie doch über ein lediglich rudimentäres Kollisionssystem. Daher springen sie auch stets wild durcheinander, was für noch mehr Chaos sorgt. Kleine und große Grafikfehler gehören aktuell ebenfalls zur Tagesordnung.

Zu oft jedenfalls werden Team-Taktiken durch technische Fehler über den Haufen geworfen. So könnt ihr beispielsweise nur an bestimmten Punkten Wände hochklettern oder in Deckung gehen. Kennt man diese nicht, steht man mitunter tatenlos vor einer Wand und ist somit Freiwild. Überhaupt ist „Umbrella Corps“ ein technisch sehr durchschnittliches Action-Spiel. Grafisch rangiert es lediglich im Mittelfeld und leidet trotz kleiner Areale unter vielen Grafikfehlern und schwacher Texturtiefe.

Meinung

Wir haben es wirklich versucht! Wir haben „Umbrella Corps“ gleich mehrere Chancen gegeben, doch jedes Mal, wenn der Online-Shooter begonnen hat Spaß zu machen, wurden diese guten Momente durch Fehler und Frust kaputt gemacht. Grundsätzlich hätte Capcoms Actionspiel eine launige Ballerei mit Freunden werden können: Das Waffen-Feedback ist ordentlich, das Erfahrungssystem spartanisch, aber durchaus motivierend.

Doch der Funke will bei den kurzen Feuergefechten einfach nicht überspringen. Zu oft nervt das Spiel mit unkalkulierbaren Gameplay-Elementen oder der verqueren Steuerung. Und wenn beides mal funktioniert, dann ärgert man sich über die zuhauf auftretenden Fehler. Nein, „Umbrella Corps“ muss in heutigen Zeit sicher niemand spielen. Noch dazu, weil das Spiel – gemessen an dem gebotenen Umfang – auch noch deutlich zu teuer ist. Spart das Geld lieber für „Resident Evil 7“ oder investiert es in „Call of Duty: Black Ops 3“. Das bietet mehr und eine ganz ähnliche Zombie-Prämisse.

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