Battlefield 1 im Test: So überzeugend ist der Erste Weltkrieg

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Battlefield 1 im Test: So überzeugend ist der Erste Weltkrieg

Kriegsdrama oder gewöhnliche Shooter-Kost: DICE balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Anspruch und Spielbarkeit. Schafft „Battlefield 1“ trotzdem den Durchbruch?

Mit der Ankündigung von „Battlefield 1“ kamen die Unkenrufe: Wie wird DICE wohl das so ernste und geschichtsträchtige Setting des Ersten Weltkriegs aufbereiten? Wie sensibel wird man damit umgehen? Gerade nach den recht pragmatischen und wenig emotionalen Kampagnen von „Battlefield 4“ und „Battlefield: Hardline“ war hier Skepsis angeraten. Doch allen Befürchtungen zum Trotz liefert – soviel sei verraten – DICE eine starke Kampagne ab, auch wenn diese nicht unbedingt nach klassischen Maßstäben zu bewerten ist.

Einstieg mit voller Härte

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Spielen gibt es in „Battlefield 1“ keine durchgehende Geschichte. Das einzige, was die sechs Episoden zusammenhält, ist der Erste Weltkrieg. Und speziell in der Einführungsmission „Stahlgewitter“ präsentiert sich das Spiel härter, erbarmungsloser und zugleich ehrfürchtiger als erwartet. Denn sie konfrontiert den Spieler mit der vollen Brutalität des Krieges und wirft euch mitten hinein in einen Fleischwolf aus Kugeln, Flammen und Granatsplittern.

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Ihr kontrolliert keinen Superhelden, der als Ein-Mann-Armee durch die feindlichen Reihen mäht. Stattdessen werdet ihr unweigerlich draufgehen und bekommt anschließend Namen und Todesdatum eures Soldaten vorgesetzt. „Battlefield 1“ zeigt sich in diesen ersten Minuten der Kampagne von seiner harten, emotionalen Seite und liefert damit zugleich eine der besten Einstiegsmissionen seit gefühlten Ewigkeiten ab. Derart clever, intensiv und berührend wurde schon lange kein Tutorial mehr umgesetzt.

Eine Kampagne, sechs Episoden

Danach flacht die Spannungskurve leider ein wenig ab. Das bedeutet nicht, dass die übrigen fünf Einzelschicksale langweilig wären, vielmehr verfällt „Battlefield 1“ nach dem andersartigen Einstieg wieder zurück in alte Muster. Ihr übernehmt einen schelmisches Fliegerass, das über den Vogesen deutsche Fliegerstaffeln dezimiert oder schlüpft in die Uniform des Panzerfahrers Edwards und erlebt dessen Abenteuer.

Den Vogel schießt schließlich „Avanti Savoia“ ab, wo ihr im Alleingang ein schwer umkämpftes Bergkastell einnehmt. All diese Episoden sind stark erzählt und treffend inszeniert. Gerade bei besagtem Bergeinsatz greift „Battlefield 1“ auch zu einer alternativen Erzählweise. Hier berichtet nämlich der Vater seiner Tochter von den damaligen Geschehnissen. Trotzdem aber ist es schade, dass DICE nicht mehr gewagt hat und mit „Battlefield 1“ ein wirkliches Anti-Kriegsspiel entwickelt hat. Denn zumindest in „Stahlgewitter“ hat man bewiesen, dass es so etwas durchaus auch in einem Blockbuster geben darf.

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Das alles hier ist aber Meckern auf hohem Niveau. Die etwa sechsstündige Kampagne gehört mit zum Besten, was DICE bislang in der „Battlefield“-Serie auf die Beine gestellt hat. Die Missionen fühlen sich allein durch die schnell wechselnden Schauplätze zu keinem Zeitpunkt langweilig an und sind spielerisch angenehm abwechslungsreich. Und der Wiedererkennungswert ist spätestens beim Treffen mit Lawrence von Arabien ungemein hoch.

Operation am offenen Shooter-Herzen

„Battlefield 1“ zeigt sich in Puncto Präsentation und Inszenierung von seiner besten Seite. Egal, ob in der Kampagne oder im umfangreichen Online-Modus – Das Spiel sieht absolut fantastisch aus und lässt die Wände mit seinen wuchtigen Soundeffekten beben. Auch wenn nicht alle Objekte innerhalb der Maps zerstörbar sind, so gibt es doch reichlich Kleinholz und manch einer wundert sich, wenn er nach einem Granateinschlag plötzlich in einem Krater wieder zu sich kommt. Das Waffen-Handling und das Design mögen nicht zu jedem Zeitpunkt realistisch sein, trotzdem sorgen die Modelle für ein gäznlich anderes Spielgefühl, auf das man sich einstellen muss.

Der Mehrspielermodus „Operations“ ist die wichtigste Neuerung und lässt 40 bis 64 Spieler in mehrteiligen Feldzügen teilnehmen. In einer Kombination aus „Rush“ und „Vorherrschaft“ erobert ihr als angreifende Partei Kontrollzonen und müsst diese halten, ehe es zum nächsten Bereich geht. Als Verteidiger gilt es, die Stellung zu halten. Dabei kombinieren die „Operations“ mehrere Maps miteinander, was wiederum für viel Abwechslung sorgt. Dadurch entpuppt sich diese Spielart als sehr gelungene Ergänzung und das nicht zuletzt wegen dem starken Kartendesign und dem ausgewogenen Balancing. Ist eine Partei etwa unterlegen, erhält sie tatkräftige Unterstützung durch Kriegszüge, Zeppeline und Schlachtschiffe. Diese lassen sich bemannen, fahren aber auf vorgegebenen Bahnen über die Maps. Trotzdem sorgen sie für viel Dynamik und stellen manche Runde auf den Kopf.

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Als neue Motivation dienen Medaillen, die wiederum mit klassenspezifischen Zielen zusammen hängen und euch mächtige XP-Boni bescheren. Für unseren Geschmack könnten die Belohnungen noch einen Hauch üppiger ausfallen, weil die mehrteiligen Anstecker mitunter nur mit viel Mühe und Geduld zu meistern sind. Weiterhin integriert DICE den „Kriegstauben“-Modus, in dem ihr erst den Flattermann finden, dann mit einer Nachricht bestücken und anschließend bewachen müsst. Denn kommt der Vogel am Ziel an, gibt das zusätzlichen Nachschub – eine sehr gute Ergänzung.

Meinung

Endlich! Endlich erreicht „Battlefield“ die nächste Evolutionsstufe. Viel zu lange hat sich DICE scheinbar auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht. Mit „Battlefield 1“ beweisen die Schweden, dass weit mehr in ihren Spielen stecken kann als nur ein altgedienter Multiplayer. Der aktuelle Shooter ist treffend inszeniert und in der Kampagne gelegentlich sogar berührend und emotional. Spezial die Einstiegsmission überzeugt, während die übrigen fünf Einsätze kurzweilig und schmissig genug sind, um sie in einem Rutsch zu beenden. An der Multiplayer-Front wiederum überzeugen die Operationen.

Die lang angelegten Feldzügen sind in ihrer Darbietung und Spielweise erfrischend und zugleich taktisch fordernd. Diese Spielart vermittelt das Gefühl für einen groß angelegten Konflikt und zeigt immer wieder, wie das Momentum innerhalb einer Schlacht wechseln kann. Die übrigen Mehrspielerkomponenten – allen voran „Kriegstauben“ – haben es ebenfalls in sich und profitieren vom neuen neuen, alten Waffendesign. Ja, manche Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeuge sind nicht 100% realistisch, aber das sollte man einem guten Spiel nicht zum Nachteil machen. Mit „Battlefield 1“ jedenfalls macht DICE vieles richtig. Wer einen Weltkriegsshooter sucht, der wird hier auf jeden Fall fündig!

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