Call of Duty Infinite Warfare: Der Science-Fiction-Shooter im Test

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Call of Duty Infinite Warfare: Der Science-Fiction-Shooter im Test

Im Weltraum ist die Hölle los: „Infinite Warfare“ bringt die Shooter-Serie in die Weiten des Alls. Warum das aber längst nicht ausreicht, um „Battlefield 1“ und „Titanfall 2“ den Rang abzulaufen, erfahrt ihr im Test!

Wie aufsässige Fliegen rasen die Jackal-Jäger an den gewaltigen Schlachtkreuzern der Settlement Defense Force vorbei und bombardieren sie mit Raketen. Überall fliegen die Funken und Trümmer. Das Schwarz des Alls wird durch riesige Explosionen erhellt. Szenen wie diese kennt ihr vielleicht aus „Elite Dangerous“ oder „Wing Commander“. In diesem Jahr ergänzen Raumschlachten auch „Call of Duty“.

Mit dem dreizehnten Ableger der Shooter-Serie wagt sich Inifinity Ward in die Unendlichkeit des Universums vor und erntete damit bei der Ankündigung zunächst Hohn und Spott. Glücklicherweise jedoch präsentiert sich das fertige Produkt als durchweg ordentlicher Science-Fiction-Shooter, auch wenn abseits der Action-Passagen mal wieder viel zu wenig Tiefe geboten wird.

Krieg der Sterne

In „Call of Duty: Infinite Warfare“ dreht sich alles um den Konflikt zwischen der Settlement Defense Force (kurz SDF) und der United Nations Space Alliance (kurz UNSA). Die SDF blockiert Versorgungswege zu Kolonieplaneten, greift Frachter an und trachtet schließlich sogar nach der Kontrolle über die Erde. Sprich: Sie ist abgrundtief böse und das obwohl Kit Harington („Game of Thrones“) deren Anführer Admiral Salen Krotch spielt.

So startet die Kampagne mit der für „Call of Duty“ typischen Katastrophe und erneut sterbt ihr einen nicht abwendbaren Bildschirmtod. In Folge dessen übernehmt ihr die Kontrolle über Captain Nick Reyes, der alsbald zum Oberbefehlshaber des Kriegsraumschiffes Redemption aufsteigt. Mit ihm durchlebt ihr im Verlauf eine aus 22 Haupt- und neun Nebenmissionen bestehende und etwa acht bis zehn Stunden währende Kampagne.

Im Gegensatz zu früheren „Call of Duty“-Abenteuern springt ihr nicht ständig von einem Helden zum anderen, sondern steuert ausschließlich Reyes. Er kommandiert nicht nur die Redemption, sondern kann sich auch ihr auch frei bewegen. Ähnlich wie die Normandy in „Mass Effect“ fungiert sie als Basis. Ihr durchstreift beispielsweise das eigene Quartier, schaut euch Videoberichte an oder gebt auf der Brücke Befehle.

Viel zu tun

Infinity Ward müht sich redlich, „Call of Duty“ aufzublasen. Erstmals gibt es auch Nebenmissionen, mit denen ihr euch die Zeit vertreiben und neue Waffenerweiterungen freischalten könnt. Die Zusatzaufgaben ergänzen den Spielablauf ordentlich und bringen einiges an Abwechslung ins Spiel. Überhaupt weicht „Infinite Warfare“ mehrfach von den ausgetretenen Pfaden seiner Vorgänger ab. Mal müsst ihr schleichen und immer wieder nehmt ihr in den Jackal-Jägern Platz, um euch in Weltraumschlachten zu beweisen. Zwar erwartet euch hier längst kein neues „Wing Commander“, doch zumindest für zwischendurch sind die Effektgewitter durchaus launig.

Seid ihr dagegen zu Fuß unterwegs, dann spielt sich der neuste Ableger wie ein typisches „Call of Duty“ – mit all seinen typischen Stärken und Schwächen. Während Präsentation und Inszenierung weiterhin fantastisch sind, so hinkt der Shooter spielerisch der Konkurrenz hinterher. Trotz Wall-Runs und Schubdüsen kommt es in puncto Navigation und Cleverness längst nicht an „Titanfall 2“ ran und auch die Intensität eines „Battlefield 1“ erreicht es zu selten. Stattdessen ballert ihr euch zumeist von einer Arena zur nächsten: Zwar gibt es hier und da alternative Wege, aber keine echten Freiheiten.

Immerhin: Das Umschauen wird durch das Freischalten neuer Waffenverbesserungen belohnt. Diese verstecken sich nämlich in speziell gesicherten Räumen, deren Schlösser zunächst geknackt werden müssen. Vor den Einsätzen wählt ihr dann euer Loadout selbst aus. Alles in allem bietet „Call of Duty: Infinite Warfare“ eine ordentliche bis gute Einzelspielerkampagne, die aber keinen Evolutionssprung für die Serie darstellt, sondern an vielen Stellen sogar ein wenig überfrachtet wirkt.

Sie sind wieder da!

Zu der Kampagne gesellen sich natürlich der Zombie-Modus und die übrigen Versus-Multiplayer-Optionen. Ähnlich wie schon in den Vorgängern nehmt ihr es erneut mit den untoten Leichensäcken auf und kämpft in einer herrlich schrillen 80er-Jahre-Kulisse um das Überleben – inklusive der Kultstars Pee Wee Herman und David Hasselhoff. Das Spielprinzip bleibt nahezu unverändert und wurde lediglich an das Setting angepasst. Ihr arbeitet euch weiterhin langsam durch die Spielwelt vor und wehrt eine Horde Zombies nach der anderen ab.

Der Multiplayer-Modus wiederum geizt nicht mit Vielfältigkeit. 14 verschiedene Optionen warten hier darauf, von euch zum Hochleveln des eigenen Charakters bespielt zu werden. Statt Soldatenklassen gibt es diesmal RIGS-Kampfausrüstungen, die eurem Charakter seine Stärke geben. Sie entscheiden über Grundeigenschaften wie schwere Panzerung oder Agilität. Dazu greift „Infinite Warfare“ auf das bewährte Pick10-System zum Erstellen des Loadouts zurück. Es gibt wieder reichlich Möglichkeiten zum Individualisieren und Feintunen des eigenen Arsenals.

Im Kampf spielt sich der Shooter wie ein klassisches „Call of Duty“ – samt Wall-Runs und Jump-Packs. Neben Klassikern wie Team-Deathmatch machen vor allem neue Abarten wie „Front“ oder „Verteidiger“ auf sich aufmerksam, die jedoch nicht alle zünden. In „Front“ beispielsweise kann es abhängig von der Stärke der ausgewürfelten Teams schnell zu einem frustrierenden Ungleichgewicht kommen. „Verteidiger“ dagegen erinnert an die „Halo“-Variante „Oddball“, in der die Teams eine Drohne in ihren Reihen halten müssen. Unterhaltsam sind sämtliche Spielmodi, was nicht zuletzt an dem sehr ausgewogenen Kartendesign und der gelungenen Spielbarkeit liegt. Wirkliche Innovationen gibt es aber leider nicht!

Meinung

Die „Call of Duty“-Serie stagniert auf gutem Niveau. Im direkten Vergleich zum Vorjahr präsentiert sich „Infinite Warfare“ zwar umfangreicher und einen Hauch komplexer. Doch die Konkurrenz schläft in diesem Fall nicht und so ziehen „Battlefield 1“ und „Titanfall 2“ mit ihren insgesamt stimmigeren Ansätzen an dem einstigen Shooter-Primus vorbei. Ein totaler Reinfall ist „Infinite Warfare“ trotzdem noch lange nicht. Die Kampagne ist gewohnt schmissig inszeniert und bietet dank der Nebenmissionen und Sammelobjekte ordentlichen Umfang. Zugegeben, Infinity Ward hätte noch mehr Schwung in die Story bringen und sie zu einem etwas stärkeren Abschluss bringen können. Online- und vor allem der Zombie-Modus überzeugen dagegen, auch wenn die ganz neuen Akzente fehlen. Hier bügelt „Infinite Warfare“ einige Kanten des Vorgängers ab und sorgt so für Langzeitspielspaß. Trotzdem: In diesem Jahr bleibt für „Call of Duty“ lediglich der dritte Platz, was aber noch lange kein Abstellgleis sein sollte.

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