Watch Dogs 2: Ubisofts Hacker-Abenteuer im Test

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Watch Dogs 2: Ubisofts Hacker-Abenteuer im Test

Drohnen, Hacks und Hightech: Ubisofts Open-World-Abenteuer „Watch Dogs 2“ entführt euch nach San Francisco und verwandelt die Westküstenmetropole in eine Spielwiese für Technik-Freaks!

Der technische Fortschritt ist Fluch und Segen zugleich. Wir sind überall online, können Informationen jederzeit abrufen oder mit anderen teilen. Die Schattenseite zeigte zuletzt im umstrittene Datenaustausch zwischen Facebook und dem Messenger-Dienst Whatsapp auf. Ubisofts Open-World-Abenteuer „Watch Dogs 2“greift genau diese Missstände des aktuellen Zeitgeschehens auf und bastelt daraus eine spannende Geschichte mit sympathischen, neuen Charakteren.

Spielte der erste Teil noch im schmuddeligen Chicago und setzt Racheengel Aiden Pearce in den Mittelpunkt, verschlägt euch „Watch Dogs 2“ nach San Francisco. Marcus Holloway und die Hacker-Gruppierung DedSec proben den Aufstand gegen den Hightech-Konzern Blume und dessen Überwachungssystem ctOS.

Moderner Cyber-Krimi

Doch eine Revolution beginnt meist mit einem kleinen Funken und entsprechend unorthodox sind die Maßnahmen von DedSec. „Watch Dogs 2“ spielt in seinen Missionen nicht nur auf Klassiker der Popkultur an, sondern verpasst auch Firmen wie Facebook, Tesla oder Google einen ordentlichen Seitenhieb. In einer der ersten Missionen kapert Marcus etwa den Cyber Driver, einen sprechenden Sportwagen, Eine klare Anspielung an die Serie „Knight Rider“. Später sabotiert ihr die Sekte „New Dawn“ oder manipuliert die Rakete von Galilei. Ubisoft nimmt sogar sich selbst und den Spielejournalismus aufs Korn.

Das alles geschieht allerdings mit einem feinen Augenzwinkern. Marcus präsentiert sich als moderner Spielcharakter – intelligent, witzig und stylisch. Es macht einfach Spaß, ihm und seinen DedSec-Kollegen zuzuhören. Die Dialoge strotzen vor Gags über Filme, Serien oder den aktuellen Social-Media-Hype. In Kombination mit der lebendigen und bunten Großstadt San Francisco stellt „Watch Dogs 2“ damit das komplette Gegenteil zum ersten Teil dar und fährt damit goldrichtig.

Allerdings leidet die Ernsthaftigkeit darunter. Nur selten entsteht hier ein wirkliches Gefühl der Bedrohung. Viele der Einsätze plätschern angenehm dahin und auch die Köpfe hinter Blume bleiben vergleichsweise blass.

Die Welt in der Hosentasche

„Watch Dogs 2“ bricht mit der gängigen Ubisoft-Formel. Vorbei also die Zeiten, in denen ihr Sektoren erobern oder Türme erklimmen musstet. Das Spiel öffnet sich enorm schnell und ist nach dem Tutorial vollkommen zugänglich. Wichtigstes Hilfsmittel ist Marcus' Smartphone. Mit „Nudle Maps“ legt ihr Wege fest oder benutzt die bequeme Schnellreisefunktion. Neue Aufgaben wählt ihr ebenfalls über das Handy aus. Zusätzliche Funktionen ladet ihr über den virtuellen Store herunter und könnt damit optionale Nebenmissionen wie das Abfotografieren von Schauplätzen oder auch Taxifahrten aktivieren.

Werkzeuge eines Hackers

Für jede erledigte Aufgabe erhaltet ihr Follower. Mit diesen levelt ihr auf und erhaltet so Technologiepunkte für den Forschungsbereich. Mit diesen schaltet ihr neue Talente frei. Für eure Gadgets – den ferngesteuerten Jumper oder die Quadrocopter-Drohne – aktiviert ihr etwa die Möglichkeit zum Abwurf von Bomben. Euer Smartphone rüstet ihr mit zusätzlichen Hacking-Fähigkeiten frei und könnt so beispielsweise die Technik von Wachleuten manipulieren oder ihr schwärzt online Widersacher bei der Polizei an und lasst sie kurzerhand von den Cops festnehmen. Darüber hinaus steuert ihr Gabelstapler oder Hebebühnen fern oder manipuliert andere Autos bei der Flucht. Die Möglichkeiten sind also ungeheuer vielfältig. Allerdings levelt ihr auch sehr schnell auf. Das motiviert zwar auf der einen Seite, macht Marcus aber fix sehr mächtig. Das bringt gelegentlich die Spielbalance leicht ins Wanken.

Totale Freiheit

Grundsätzlich genießt ihr in „Watch Dogs 2“ alle Freiheiten. Ihr entscheidet also selbst, ob ihr aggressiv oder doch eher leise vorgeht. Action-Fans können also gerne probieren mit der Brechstange vorzugehen. Das Deckungssystem funktioniert ordentlich, allerdings ist Marcus kein Superheld, der Unmengen von Kugeln einstecken kann. Eine gute Planung und gezieltes Vorgehen sind da klüger. Wichtigstes Instrument ist die BotNet-Ansicht, mit der ihr alle manipulierbaren Objekte ausfindig machen könnt. Ähnlich wie im ersten Teil nutzt ihr auch Kameras, um euch einen Überblick zu verschaffen.

Idealerweise schickt ihr also Marcus nicht in die Höhle des Löwen, sondern greift zu Jumper oder Drohne. Im Bestfall könnt ihr nämlich fast alle Aufgaben auf verschiedene Arten bewältigen, ohne dass Marcus Zielbereiche überhaupt betritt. Werden die Gadgets entdeckt, werfen Wachen entweder Steine oder treten sie weg. Die Gegner-KI agiert solide, könnte aber noch aggressiver vorgehen. Gerade wenn ihr den Alarm ausgelöst hat, lohnt sich oftmals das Verschanzen in kleinen Räumen. Die Widersacher haben dagegen keine tatkräftigen Argumente. Auch Überwachungsroboter und andere Systeme stellen im Verlauf nur selten eine Herausforderung mehr dar.

Trotzdem überzeugt das Missionsdesign mit seinen originellen Schauplätzen und den Freiheiten. Höhepunkt ist das Hacken umfangreicher Netzwerkbrücken innerhalb der stimmig umgesetzten Umgebung. Diese Rätsel motivieren enorm und passen ausgezeichnet zu dem Szenario. Dazwischen streut „Watch Dogs 2“ immer wieder dynamische Multiplayer-Events ein. So werdet ihr beispielsweise von anderen Spielern gehackt oder löst eine wilde Verfolgungsjagden aus. Im Team könnt ihr gar zufällige KI-Ganoven festnehmen oder meistert spezielle Koop-Einsätze. Schade: Die Story-Missionen könnt ihr lediglich alleine angehen.

Meinung

Hacken, schleichen und ein wenig ballern – Diese Mischung geht in „Watch Dogs 2“ auf. Ubisofts Open-World-Abenteuer bügelt viele Schwächen des hoffnungsvollen Vorgängers aus. Spielerisch punktet der Titel vor allem mit seinem facettenreichen Gameplay und den vielen Freiheiten, die einem das Spiel in den Missionen gönnt. Marcus Hacker-Fertigkeiten sind prima aufeinander abgestimmt und erlauben in Kombination mit den Gadgets vielerlei Herangehensweisen. Die Brechstange stellt daher eher die letzte Lösung dar. Den meisten Spaß bereitet „Watch Dogs 2“, wenn ein Plan aufgeht und Marcus im besten Fall unbeschadet aus den Einsätzen heraus kommt. Schade allerdings, dass das Gegnerdesign nicht derart facettenreich ist wie das Gameplay und das auch die KI häufig patzt. Das ändert allerdings nichts daran, dass „Watch Dogs 2“ ein erstklassiges Open-World-Abenteuer mit gewaltigem Umfang und starker Technik ist.

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