Tales of Berseria: Der Neuzugang der Tales-Serie im Test

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Tales of Berseria: Der Neuzugang der Tales-Serie im Test

Mit "Tales of Berseria" erscheint das 17. Spiel der Serie und verspricht abermals einige Stunden Unterhaltung. Dabei setzt es einerseits auf Bewährtes, bringt aber auch Neuerungen in die Reihe. Ein Kredo, dass auch die Vorgänger bezeichnet. Wie gut die Rechnung im Fall von "Tales of Berseria" aufgeht, verraten wir im Test.

Nachdem "Tales of Berseria" bereits seit vergangenem Herbst in Japan erhältlich ist, endet nun auch hierzulande die Wartezeit auf den 17. Teil der "Tales of"-Serie. Wie so oft steht die Handlung dabei nahezu allein für sich. Die Spielmechaniken hingegen bauen auf bisherige Ableger auf, bringen dabei aber auch wieder einmal neue Ideen ins Spiel. Das Ergebnis ist eine spannende Mischung aus Neuem und Gewohntem.

Tales of Berseria: Schönes Märchen – Fade Prinzessin

"Tales of Berseria" erzählt die Geschichte der jungen Velvet, die sich um ihren kranken Bruder Laphicet kümmert. Doch das Schicksal meint es nicht gut mir ihr und so muss sie mitansehen, wie ihr liebster Mensch bei einem grausamen Ritual geopfert wird. Als wäre das nicht schlimm genug, verwandelt sie sich in eine Art Dämonin. Angestachelt durch ihre Gesinnung nach Rache begibt sie sich auf die Suche nach dem Mörder ihres Bruders. Und wenn sie dabei ein paar Dämonen zur Strecke bringen kann, umso besser. Dabei fängt doch alles ganz friedlich an.

Eigentlich vermittelt "Tales of Berseria" zu Beginn noch einen ähnlich idyllischen Eindruck wie "Tales of Zesteria". Doch die Zeit, in der ihr euch in der Rolle der Protagonistin Velvet um euren kleinen Bruder kümmert, nimmt schnell besagtes Ende. Und so färbt sich der Ton der Erzählung zunächst recht düster. Das liegt aber vor allem an Velvet selbst. Ihre Verwandlung zur Dämonenjägerin und ihr alles verschlingender Hass nehmen einen Großteil ihrer Persönlichkeit ein. Dadurch wirkt sie für eine Protagonistin eines Tales-Spiels eigentlich ungewohnt flach. Ihre Suche nach Vergeltung scheint für sie jedes Mittel zu heiligen und alles andere interessiert sie nicht.

Diesen Umstand gleichen eure Begleiter glücklicherweise zum Großteil aus. An eurer Seite findet ihr nämlich wieder einmal eine herrlich bunte Mischung diverser Charakterzüge. Von der überdrehten und dezent wahnsinnigen Magierin Magilou über den traditionsbewussten doch charmanten Schwertmeister Rokuro bis hin zu dem hilflos wirkenden Malak, einem kleinen Jungen dessen Haar einen Heiligenschein formt. Diese und weitere Figuren im Spiel lockern die ansonsten etwas steife Protagonistin auf und sorgen für Stimmung.

Eine der Stärken der Serien kommt also auch in "Tales of Berseria" wieder voll zur Geltung: Während euren Reisen lauscht ihr immer wieder Gesprächen zwischen den Akteuren, die teils humoristisch, teils ernsthafter Natur sind, doch allesamt den Unterhaltungswert steigern. Das Umfeld der Protagonistin lockert deren eindimensionale Haltung immer wieder auf. So schwach gestaltet sie also zu Weilen wirken mag, so stark sind die übrigen Figuren im Spiel.

Die Handlung von "Tales of Berseria" verläuft fast durchgehend linear und schafft es trotz teilweise vorhersehbarer Ereignisse, einen schönen Spannungsbogen zu halten. Da ihr immer wieder neue Figuren kennenlernt und in unerforschte Gebiete reist, bleibt Langeweile dabei aus. "Tales of Berseria" mag nicht die außergewöhnlichste Geschichte in der Serie erzählen, doch gehört sie definitiv zu den interessanten.

Ein JRPG für Jedermann?

Verfolgt ihr die Serie schon länger, kennt ihr die charakteristischen Merkmale der Reihe bereits. Da sich die Spielmechaniken mit jedem Teil allerdings weiterentwickeln, wird auch "Tales of Berseria" zu einer Art Entdeckungsreise. Das Kampfsystem ist wieder richtig schön actionlastig. Auf jedem Facebutton könnt ihr eine Abfolge von vier Attacken zusammenstellen, die sogenannten Artes. Je nach Gattung kosten euch diese Seelengrad, eine Einheit die Stärke an Energie und Mana misst. Zusätzlich verfügen die Artes über bestimmte Stärken gegenüber einzelnen Gegnerarten. Das mag in der Theorie zunächst etwas kompliziert klingen, ist in der Praxis allerdings ziemlich intuitiv.

Gewürzt werden die Gefechte durch Seelenbrecher und Spezial-Attacken. Während letztere sich nur langsam aufladen, könnt ihr erstere durch die Verwendung von Seelensteinen aktivieren. Diese Ressource steht im Zentrum des Geschehens und entscheidet darüber, ob ihr Aktionen ausführen könnt. Habt ihr mehr als drei, aktiviert ihr den Seelenbrecher und verfügt über eine festgelegte Anzahl von Schlägen über deutlich höhere Kräfte. Verpasst ihr das Aufladen eurer Seelen durch geschicktes Ausweichen oder besiegte Feinde, seid ihr stärker verwundbar. Also heißt es Blocken und schnell wieder neue Seelen?generieren. Dieses Wechselspiel würzt die Kämpfe mit der richtigen Dosis Taktik.

Spiel ihr auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade rückt außerdem die Pausen-Funktion in den Fokus. Hier könnt ihr rasch Ausrüstung und Artes ändern, Items verwenden oder aber auch den Kämpfer wechseln oder den Modus eurer Aktionen zwischen automatisch, halb-automatisch und manuell ändern. Unterm Strich resultiert daraus eine fein abgestufte Skala, die im Grunde jeden Spieler willkommen heißt. Egal wie geübt ihr mit Spielen dieser Art seid und wie weit ihr überhaupt in taktische Tiefen abtauchen wollt, ihr werdet den für euch passenden Schwierigkeitsgrad finden. Diese gewinnen durch dynamische Veränderungen sogar im späteren Verlauf des Spiels noch an Spannung. So könnt ihr beispielsweise ab einer bestimmten Stufe mehr Belohnungen kassieren oder zusätzliche Funktionen nutzen.

Dass sich Inhalte im Verlauf des Spiels verändern und sich Elemente optimieren ist ohnehin eine der großen Stärken von "Tales of Berseria". In nahezu regelmäßigen Abständen werden neue Spielmechaniken erklärt und Komfort-Funktionen aktiviert. Einerseits verhindert das Ermüdungserscheinungen, andererseits weckt es eure Neugier. Und an neuen Ideen scheint es den Entwicklern nicht zu mangeln. Abseits der eigentlichen Handlung stehen euch zunehmend mehr Minispiele zur Verfügung, die euch mit neuen Kostümen und Schmuck für eure Kämpfer belohnen. Das sorgt für Abwechslung und gestaltet Reisen an bereits bekannte Orte attraktiv. Auch zentral angesiedelte Funktionen, wie Schiffsexpeditionen und Kochen finden erst im Laufe der Zeit ihren Weg ins Menü. Beide laufen zwar eher beiläufig, dennoch bereichern sie den Spielrhythmus.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass "Tales of Berseria" in vielen Belangen sinnvoll auf das aufbaut, was "Tales of Zesteria" vorgelegt hat, wie beispielsweise das Meistern von Ausrüstung zum Erlangen neuer Kräfte. Oder aber auch taktische Anpassungen während der Gefechte. Die Kämpfe sehen zudem nicht nur aufregender aus, sie machen auch mehr Spaß. Besonders der Umstand, dass einerseits fast durchgehend Veränderungen und zusätzliche Mechaniken eingeführt werden, sorgt für ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Erlebnis. Spielerisch bewegt sich die Tales-Reihe in eine interessante Richtung und schafft es gleichzeitig, charakteristische Kern-Elemente weiter zu kultivieren. So wurden Mechaniken wie das Verbessern von Aufrüstung sinnvoll angepasst, so dass sie weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Die richtige Richtung

Aus der Design-Perspektive gibt es an "Tales of Berseria" kaum etwas zu beanstanden. Hier bewegen sich dich Entwickler bereits seit längerem relativ sicher und das zeigen auch die bereist gelobten Charaktere im Spiel. Auch wenn diese den ein oder anderen altgewohnten JRPG-Archetypen in Erinnerung rufen, stehen sie auch wunderbar für sich. Teilweise schaffen sie es sogar die ansonsten eher steif wirkende Velvet aus der Fassung zu bringen. Auch die vielen Kostüme und schmückenden Gegenstände bringen Farbe und Abwechslung in die Zusammenstellung der Truppe.

Die Spielwelt ist ebenfalls gut gelungen und schafft es sogar hier und da malerische Kulissen zu präsentieren. Dabei ist der Detailgrad wieder etwas gestiegen, bleibt allerdings dennoch in manchen Bereichen zu spartanisch. In wie fern dieser Umstand daran liegt, dass "Tales of Berseria" gleichzeitig für die PS3 entwickelt wurde, lässt sich natürlich schlecht sagen. Wirklich störend ist es auch nicht. Doch für weitere Spiele der Tales-Reihe dürfen es dann doch etwas organischere Szenarien sein. Rein optisch genügt das Spiel bereits an einigen Stellen diesem Wunsch, doch sehen zu viele Bereiche gleich aus. Dadurch steht die Wahrnehmung der Spielwelt im Kontrast zur Dynamik der Spielmechaniken.

Musikalisch serviert "Tales of Berseria" das gewohnte JRPG-Programm: Stimmungsvolle Orchesterstücke für große Emotionen. Das passt einerseits super zu den gewählten Szenarien und unterstreicht andererseits wichtige Stellen. Die Melodien sind eingängig und zeigen hier und da sogar Ohrwurm-Qualitäten. Die Synchronisation hält sich ebenfalls auf diesem Niveau. Sowohl der Originalton als auch die englische Vertonung sind durchweg gut gelungen. Gut zu wissen: Möchtet ihr die Sprachausgabe umstellen, müsst ihr das Spiel einmal aus und dann wieder anschalten.

Fazit

Der Umstand dass zwischen "Tales of Zesteria" und "Tales of Berseria" nicht einmal zwei Jahre liegen, scheint dem Spiel nicht geschadet zu haben. Der frische Kurs der Serie ist nach wie vor deutlich spürbar und überzeugt. Schön zu sehen, wie konsequent sich die Reihe weiterentwickelt und dabei den Wurzeln trotzdem irgendwie treu bleibt.

Doch auch für sich allein genommen, ist "Tales of Berseria" ein gelungenes Spiel. Die Kern-Elemente machen Spaß und bleiben bis zum Schluss unterhaltsam. Die Kämpfe stehen natürlich im Vordergrund. Hier zeigt sich deutlich, wie viel sich über die Jahre getan hat und dass die Formel sich nach wie vor verbessern lässt. "Tales of Berseria" ist das auf jeden Fall gelungen.

Nachholbedarf besteht dafür bei der Gestaltung der Dungeons und weiter Ebenen. Diese sind in etwa so stark besiedelt wie JRPGs auf dem 3DS und dürften daher auf dem großen Bildschirm gerne aufregender in Szene gesetzt werden. Immerhin gibt es hier und da schon richtig schöne Aussichten zu bewundern. So lässt "Tales of Berseria" in manchen Aspekten noch Luft nach oben. Dennoch verdient es einen Platz unter den besten Spielen der Reihe.

Denn nachdem ihr gut 60 bis 100 Stunden mit dem Spiel verbracht habt, schaut ihr auf eine abwechslungsreiche Reise zurück, die euch zu jeder Zeit selbst überlässt, wie ihr sie erleben möchtet. Dadurch und durch das gemächliche Einführen von Spielmechaniken bedient "Tales of Berseria" einerseits den Anspruch der Kenner, wird gleichzeitig aber zu einem guten Einsteigerspiel für Serien-Neulinge. Eine gewisse Affinität für japanische Rollenspiele vorausgesetzt.

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