For Honor: Ubisofts Online-Schlachtplatte im Test

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For Honor: Ubisofts Online-Schlachtplatte im Test

Wetzt die Klingen, ihr Krieger! Denn vorbei sind die Zeiten von Maschinengewehr und Energieschilden. In „For Honor“ kämpft ihr Mann gegen Mann – zumindest, so lange die Internet-Verbindung steht.

Wenn man Ubisofts „For Honor“ lediglich aus Trailern oder von Screenshots kennt, dann könnte man dahinter einen launigen Action-Slasher vermuten. Doch es ist sehr viel mehr! Im Test entpuppt es sich als knackiger Schwertkampf-Simulator, der mit „Street Fighter“ weiter mehr zu tun hat, als erwartet.

Leicht erlernt, schwer zu meistern

Grundlage für den vergleichsweise hohen Anspruch stellt das üppige Kampfsystem dar. Es basiert auf einem erweiterten Schere-Stein-Papier-Prinzip. Euer Kämpfer blockt oder attackiert jeweils in die Richtungen links, rechts und oben. Kleine Pfeile zeigen euch im Gefecht an, wo euer Widersacher als nächstes attackiert. Gelingt euch ein Block, verliert ihr (logischerweise) keine Energie. Euer Gegner hingegen büßt Ausdauer ein.

For Honor - Bild 1

Das ist allerdings erst das kleine 1×1 von „For Honor“. Spätestens wenn ihr euch mit erfahreneren Schergen anlegt oder euch in einem der höheren Schwierigkeitsgrade der Kampagne versucht, braucht ihr fortgeschrittene Aktionen. Per Tritt beispielsweise brecht ihr die Verteidigung eures Kontrahenten auf. Doch auch dafür gibt es einen passenden Konter. Dazu besitzt jeder Kämpfer ein gewaltiges Arsenal von Attacken, die teils sogar Giftschaden anrichten oder blutende Wunden schlagen.

Kurzum: Das Kampfsystem klingt auf dem Papier handlich, benötigt aber einige Einarbeitung. Ihr findet schnell heraus, dass blinde Offensive garantiert in den Bildschirmtod führt und eine gute Defensive mehr Erfolg verspricht.

Ein globaler Konflikt

Ubisoft betrachtet „For Honor“ in erster Linie als Online-Spiel. Deshalb benötigt ihr auch immer – selbst in der Kampagne – eine stehende Internet-Verbindung. Im Test gab es keinerlei Lags, dafür aber gelegentliche Verbindungsabbrüche. „For Honor“ bettet den Online-Konflikt zwischen Rittern, Samurai und Wikingern in den Fraktionskrieg ein. Das System sammelt alle Daten und berechnet daraus in regelmäßigen Abständen die Grenzen neu. Im Gegenzug erntet ihr Belohungen und das Design – also beispielsweise die Tageszeit oder das Wetter – der Karten verändert sich.

Ansonsten bietet der Multiplayer eine gute Mischung von Spielvarianten. Am interessantesten fällt zweifellos „Herrschaft“ aus. Hier kämpfen zwei Vierer-Teams um Flaggenpunkte auf gut ausbalancierten Maps. Die zentrale Zone wird zudem von Computer-Vasallen überrannt, sodass hier so etwas wie echtes Schlachtgefühl aufkommt., Überhaupt muss man „For Honor“ für seine ausgezeichnete Präsentation loben: Das Spiel sieht – gerade auf der Playstation 4 Pro – erstklassig aus und die Animationen sind wunderschön. Dazu liefern die wuchtigen Finishing-Moves den notwendigen Blut-Faktor. Ebenfalls schön: Abgründe und diverse Fallen dienen als taktische Komponente. Gerade die stärkeren Charaktere wie etwa der Kriegsfürst schleudern ihre Widersacher bei Angriffen förmlich durch die Luft. Und es ist nichts befriedigender, als einen Widersacher im hohen Bogen in den Abgrund zu schleudern.

For Honor - Bild 3

Andere Spielarten wie beispielsweise Duell leben in erster Linie von dem ausgewogenen Kampfsystem und dem starken Map-Design. Als Belohung für die Schlachten erhaltet ihr neben Erfahrungspunkten auch Ausrüstungsgegenstände, mit denen ihr ihren Charakter modifiziert. Fast noch wichtiger ist aber die Premium-Währung Stahl. Mit ihr kauft ihr Item-Pakete und erhaltet so besonders mächtige Extras. Selbst zusätzliche Finisher-Animationen und andere optische Verbesserungen sind an Stahl gekoppelt. Ärgerlich: „For Honor“ bevorteilt zweifellos Spieler, die im Ingame-Store Geld ausgeben möchten. Dort bekommt ihr nämlich Stahl gegen Echtgeld und könnt eurem Charakter so noch mehr Feinschliff verpassen. Das hinterlässt bei aller Euphorie doch einen faden Beigeschmack.

Online-Spiel mit guter Kampagne?

Im Gegensatz zum ersten „Titanfall“ etwa verfügt „For Honor“ neben einem gelungenen Multiplayer auch über eine Kampagne. Die in drei Feldzüge unterteilte Geschichte dreht sich um die Kriegsherrin Apollyon und ihr Bemühen, die übrigen Völker gegeneinander auszuspielen. Sonderlich originell fällt die Story leider nicht aus, charismatische Hauptfiguren fehlen ebenfalls. Stattdessen wirkt die etwa sechs- bis achtstündige Kampagne wie ein erweitertes Tutorial. Ihr kontrolliert jede Soldatenklasse mindestens ein Mal und die Missionen ähneln den Einsätzen aus dem Online-Modus stark. Immer wieder müsst ihr Positionen halten oder Schlachtfelder einnehmen. Insgesamt spielen sich die Einsätze sehr geradelinig.

Viel zu entdecken gibt es nicht. Viel zu oft nehmt ihr es lediglich mit 08/15-Widersachern auf, die euch kaum etwas entgegen zu setzen haben. Wer bereits den Multiplayer – beispielsweise aus der Beta – kennt, der sollte direkt auf einen der höheren Schwierigkeitsgrade umschalten. Das bringt gerade bei den Boss-Kämpfen mehr Abwechslung ins Spiel.

For Honor - Bild 4

Eine völlige Katastrophe ist die Kampagne zweifellos nicht, aber sie ist auch kein Kaufgrund. Immerhin: „For Honor“ bietet einen Online-Koop-Modus für seine Story und die Mehrspielermodi könnt ihr mit Bots – anstatt gegen andere Spieler – zocken.

Fazit

Mit „For Honor“ verbindet uns inzwischen eine Hass-Liebe. Das Kampfsystem und die Präsentation sind über jeden Zweifel erhaben. Natürlich eignet sich der Schwertkampf-Simulator nicht für jedermann. Schließlich erfordert das Spiel Training und ein ordentliches Maß an Frustresistenz. Im Zweifelsfall nehmen einen nämlich die anderen Spieler gerne auseinander, sofern man nicht gut genug mit Schwert und Schild umgehen kann. Trotzdem: „For Honor“ ist für ehrgeizige Naturen ein Mordsspaß und bietet mit dem Fraktionskrieg einen cleveren Langzeitspielmodus, der den Titel über Monate frisch halten sollte. Als Multiplayerspiel verdient sich somit „For Honor“ also trotz nervigem Ingame-Store einen klares Hit-Siegel.

Enttäuschender fällt dagegen die Kampagne aus. Dem Story-Modus mangelt es an Tiefe, denkwürdigen Charakteren und vor allem an Abwechslung. Obwohl Schlachten und Schauplätze technisch überzeugen, fühlt sich das Abenteuer wie ein gestrecktes Tutorial an. „For Honor“ wird vermutlich nicht den breiten Massengeschmack treffen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn solche speziellen Titel bringen Farbe in den öden AAA-Alltag. Wir jedenfalls betreten noch häufiger die Online-Schlachtfelder der Wikinger, Ritter und Samurai.

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