Ghost Recon Wildlands: Ubisofts Koop-Shooter im Test

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Ghost Recon Wildlands: Ubisofts Koop-Shooter im Test

Größer geht’s kaum: In Bolivien tobt nicht nur der Drogenkrieg, sondern auch der Sammelwahn. Ubisofts Open-World-Formel funktioniert in „Wildlands“, bringt aber  bekannte Probleme mit sich.

Der Gangsterpate El Sueño regiert Bolivien. Im Alleingang baute er einen Drogenstaat auf und entfachte so die Macht des Santa-Blanca-Kartells. Die USA greifen ein und entsenden eine geheime Eingreiftruppe nach Südamerika. Ziel von „Ghost Recon: Wildlands“ ist das Zerschlagen des Kartell-Netzwerks. Doch ehe ihr es mit El Sueño aufnehmt, habt ihr jede Menge Arbeit vor euch. Denn „Wildlands“ bietet die größte Spielwelt der Ubisoft-Geschichte und setzt auf die bewährte Formel aus Erkunden, Sammeln und reichlich Action.

Größer ist besser?

Das Spiel startet mit dem obligatorischen Charakterbaukasten, der stark an „The Division“ erinnert. Das bedeutet: Ihr bestimmt Einzelteile wie Kleidung, Geschlecht oder Gesicht. Das haarfeine Nachbauen – wie etwa im Editor mancher Sportspiele – ist aber nicht möglich.

Danach entlässt euch „Wildlands“ in seine offene Spielwelt. Grundsätzlich könnt ihr von Beginn an alle 21 Regionen und 11 Klimazonene erkunden – zumindest wenn ihr ein ausreichend flottes Flugzeug findet. Klassischerweise arbeitet ihr euch aber von einem Sektor zum nächsten und legt euch dort mit El Sueños Schergen an.

Das Prinzip ist stets ähnlich: Ihr sammelt Informationen, infiltriert Einrichtungen wie Basen oder Herrenhäuser und am Ende gibt es einen knackigen Bosskampf mit reichlich Action. Sonderlich originell ist das Missionsdesign hinter „Wildlands“ nie. Dafür strotzt das Spiel vor Umfang: Wollt ihr eines der zwei Enden erleben, solltet ihr 50 und mehr Stunden einplanen.

Das Beste des Ubisoft-Universums

Zugleich spielt sich „Wildlands“ wie ein „Best of“ bekannter Ubisoft-Spiele. Bevor ihr beispielsweise ein feindliches Areal betretet, kundschaftet ihr das Gebiet zunächst mit einer Drohne aus. Im Verlauf rüstet ihr diese auch um Offensivmechanismen aus – wie in „Watch Dogs 2“. Besitzen die Schurken gar einen Jammer, greift ihr – wie in „Far Cry Primal“ – zum Fernglas.

Praktisch: Per Simultanabschuss koordiniert ihr Angriffe auf zuvor markierte Wachen. Spielt ihr alleine, erledigen die Computer-Kameraden die Drecksarbeit und räumen auf Wunsch bis zu drei Gesellen aus dem Weg. Im Multiplayer eignet sich der Simultanabschuss zum Absprechen von Angriffen.

„Wildlands“ möchte, dass ihr die Missionen leise angeht. Das Ausspionieren der Areale bringt also einen lohnenswerten Vorteil. Der Frontalangriff funktioniert zwar auch, wird aber durch die Unidad-Truppen verhindert. Diese Spezialkräfte sind stärker gepanzert und greifen auf höheren Eskalationsstufen ein. Im schlimmsten Fall rücken sie sogar mit Helikoptern an und machen euch so das Leben schwer.

Die Erfahrung machts

„Wildlands“ koppelt euren Spielfortschritt an ein altbekanntes Erfahrungssystem. Für das Freischalten der über 50 Talente – darunter auch aktive Fähigkeiten wie der Fallschirm oder der Granatwerfer – benötigt ihr aber nicht nur Skill-Punkte. Mit Waffen, Öl, Medizin und Nahrung führt das Spiel vier Rohstoffe ein, die ihr zusätzlich zu den Talentpunkten benötigt. Den Standort dieser Kisten und Fässer findet ihr heraus, indem ihr wiederum Informationen sammelt und beispielsweise Computer hackt oder Objekte abfotografiert. Alternativ könnt ihr auch höherrangige Gangster verhören.

Eine besondere Rolle nehmen die Nachschubtransporte ein. Diese Fahrzeuge oder Flugzeuge müsst ihr kapern und deren Ladung sichern. Das Erfahrungssystem erweist sich als nicht sonderlich innovativ, ist aber vollkommen ausreichend. Die vielen verschiedenen Upgrades sorgen schnell für eine gewisse Sammelleidenschaft und schaffen ein Gefühl der Belohnung. Trotzdem: Beim nächsten Mal dürfte es ruhig etwas weniger Sammelei sein. Zu den vier Rohstoffen, Skill-Punkten und Informationen gesellen sich nämlich auch Bauteile für über 80 Waffen. Ubisoft überschwemmt also einmal mehr die Karte mit kleinen, bunten Symbolen.

Bolivien bereisen

Als klassischer Third-Person-Shooter bietet „Wildlands“ eine gute Mischung aus Stealth und Action. Ärgerlich: Ubisoft entfernt das beispielsweise in „The Division“ sehr gut umgesetzte Deckungssystem. Stattdessen schmiegen sich die Soldaten automatisch an Wände. Leider funktioniert das nicht immer und führt daher häufiger zu Irritationen.

Im Vergleich zur Beta zeigt sich die Fahrphysik als spürbar verbessert. Jeeps, Vans und andere Fahrzeuge liegen schwerer auf der Straße und lassen sich nun endlich vernünftig kontrollieren. So entstehen die witzigsten Momente meist bei Verfolgungsjagden mit den Computer-Widersachern. Gerade der Koop-Modus profitiert von dieser Dynamik. Gemeinsam mit Freunden machen die späteren, schwereren Missionen deutlich mehr Spaß als mit den teils merkwürdig agierenden Computer-Kollegen.

Ladezeiten gibt es beim Erkunden von „Wildlands“ natürlich nicht. Die reichlich vorhandenen Schnellreisepunkte erreicht ihr problemlos über die Karte. Auf PS4 und Xbox One kommt es allerdings zu kleineren Rucklern. Auf der Playstation 4 Pro läuft das Spiel dagegen auch bei hochskalierten 4K flüssig und sieht obendrein wunderschön aus. Gerade die dynamischen Tag- und Nachtwechsel, sowie die Wettereffekte tragen ihren Teil zu Atmosphäre des Spiels bei. Einziger Haken beim Mehrspielermodus: Bei vergangenen Ubisoft-Starts – zuletzt bei „For Honor“ – kam es immer wieder zu Rucklern und Server-Ausfällen. Hoffen wir, dass es diesmal besser läuft.

Meinung

Auch wenn es die Spielwelt hinter „Ghost Recon: Wildlands“ anders vermuten lässt: Mit dem Open-World-Actionspiel gelingt Ubisoft nicht der ganz große Wurf. Zugegeben, Bolivien als Schauplatz für die rassigen Einsätze versprüht einen ungeheuren Charme. Die weitläufige Landschaft erzeugt ein unglaubliches Gefühl für die Größe der Unternehmung und die vielen verschiedenen Fahrzeuge und Gimmicks garantieren Freiheit satt.

Gerade im Koop-Modus mit bis zu vier Freunden entstehen so immer wieder teils lustige, teils spektakuläre Einsätze. Diese Dynamik entschädigt auch für die zu unemotionale Geschichte und die flachen Charaktere. Trotzdem leistet sich „Ghost Recon: Wildlands“ viele Patzer: Die KI-Gegner verweigern gerne die Arbeit, das Deckungssystem fühlt sich schlecht an und die Stealth-Elemente sind altbekannt – inklusive aller Stärken und Schwächen. Am Ende bleibt „Ghost Recon: Wildlands“ ein gigantisches Militärspektakel in hübscher Kulisse, dem es in erster Linie an Seele und Persönlichkeit fehlt.

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