Nintendo Switch im Test: Was taugt die Unterwegs-Konsole?

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Nintendo Switch im Test: Was taugt die Unterwegs-Konsole?

Nintendo geht einmal mehr neue, ungewöhnliche Wege und verbindet mit der Nintendo Switch Handheld-Gaming und klassische Spielkonsole. Ob das funktioniert, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test!

Der Launch einer neuen Spielkonsole stellt für jeden Gamer etwas ganz Besonderes dar. Und gerade Nintendo hat nach Kult-Geräten wie dem Nintendo 64 oder dem Game Boy eine spezielles Verhältnis zu seiner Fan-Gemeinde aufgebaut. Diese Beziehung stellte man aber spätestens mit der Wii U auf eine harte Probe. Die Konsole mit dem Plastik-Steuerpult floppte und verkaufte sich weltweit gerade einmal rund 13 Millionen Mal. Nun soll es die Nintendo Switch richten. Und betrachtet man die Kombination aus Controllern, tragbarem Bildschirm und TV-Station, könnte man glatt meinen, die Wii U sei nur ein viel zu früh veröffentlichter Prototyp gewesen.

Der erste Eindruck

Beim Auspacken der Nintendo Switch fällt auf: Der Karton fällt ebenso klein aus wie das Gerät selbst. Im Lieferumfang enthalten sind neben Basisstation und Switch-Display ein Netzteil, sowie ein HDMI-Kabel, die beiden Joy-Con-Controller und natürlich die Joy-Con-Halterung. Die Länge von Netzteil- und HDMI-Kabel gehen in Ordnung, die Basisstation sollte man trotzdem in der Nähe des Fernsehers positionieren. Eine umfangreiche Bedienungsanleitung fehlt. Stattdessen führt einen die Nintendo Switch anfangs selbst durch kleinere Startschwierigkeiten. Die Menüs sind nahezu selbsterklärend.

Starker Handheld

Wirkte der Wii-U-Controller noch wie ein billiges und vor allem unpräzises Plastikspielzeug, so überzeugt das Switch-Display in Puncto Verarbeitung und Darstellung von der ersten Sekunde an. Mit einer Bildschirmdiagonalen von 6,2 Zoll (15,75 Zentimeter) ist der Screen angenehm groß. Dank IPS-Technologie könnt ihr auch problemlos schräg auf den Oberfläche schauen – ohne Qualitätsverluste. Das Switch-Display stellt Farben sehr deutlich dar und gerade bei voller Hintergrundbeleichtung zaubert das Gerät ein angenehm scharfes Bild. Auch bei stärkerer Sonneneinstrahlung konnten wir im Test problemlos alles erkennen. Kommandos setzt das Multitouch-Display sehr direkt um – ganz im Gegensatz zur Wii U.

Knick, knack, Controller dran

Die beiliegenden Joy-Con-Controller verbindet ihr via Bluetooth oder klemmt sie direkt links und rechts an das Switch-Display. Die Klipp-Verbindung funktioniert problemlos und wird von der Konsole mit einem leisen „klack“ bestätigt. Die Joy-Cons gewährleisten maximale Flexibilität. Mal von analogen Schultertasten abgesehen, gibt es alle Knöpfe, die man auch an normalen Gamepads findet.

Rennspieler vermissen vielleicht analoge Schultertasten und in manchen Situationen sind die Wege der Analog-Sticks zu kurz. Gerade bei präzisen Lenkbewegungen kommt es immer wieder zu kleineren Problemen. Apropos Problemen: Bereits in den vergangenen Wochen machten Gerüchte die Runde, dass die Bluetooth-Verbindung der Joy-Con-Controller abreißt, sofern man die Mini-Gamepads falsch fasst. Tatsächlich kann das passieren, allerdings geschieht es sehr selten und lässt sich daher gut vermeiden. Trotzdem muss Nintendo an dieser Stelle nachbessern.

Wie lange hält die Switch durch?

Nintendo stellte uns mit „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ und „Just Dance“ lediglich zwei Spiele zur Verfügung. Natürlich war das neue „Zelda“ zum Langzeitprobespiel bestens geeignet. Im Handheld-Modus hielt der 4310 mAh-Akku etwas über zwei Stunden durch, ehe er zurück in die Basisstation musste. Die Lebenszeit lässt sich mit einer Powerbank verlängern. Allerdings solltet ihr diese bei noch gut geladenem Akku anschließen. Ist die Batterie ein Mal leer, hilft auch eine Powerbank nicht mehr. Das mussten wir schmerzlich selbst herausfinden. Die Joy-Cons laden sich ebenfalls über das Switch-Display auf und halten deutlich länger durch. De facto hatten wir im Test keinerlei Ausfälle zu beklagen.

Leise, aber mit der Zeit warm

Im Handheld-Modus stellt das Switch-Display Spiele bei einer Auflösung von 720p dar. Aufgrund der höheren Pixeldichte, des starken Kontrasts und der Bildschirmhelligkeit fällt die heruntergeschraubte Auflösung kaum auf. Am TV-Bildschirm krankte „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ bei 1080p noch massiv an Kantenflimmern. So gefiel uns der Handheld-Modus teils sogar besser, denn er erzeugte das Gefühl, ein wirklich „großes“ Spiel für unterwegs zu haben.

Ebenfalls schön: Bei aller Leistungsfähigkeit stören keinerlei Lüftergeräusche den Spielspaß. Das Switch-Display ist flüsterleise. Allerdings wird der 400 Gramm schwere Handheld mit der Zeit ein wenig warm. Bitte nicht falsch verstehen: Das Gerät wird nicht wirklich heiß, aber man spürt, dass es arbeitet. Unangenehm wird es aber nie.

Ärgerlich: Die Zusatzkosten

Was bei dem Nintendo-Switch-Paket wirklich stört, sind die vielen versteckten Zusatzkosten. So liegt der Konsole etwa kein Spiel bei. Auf der Nintendo Wii avancierte „Wii Play“ zum Publikumsmagneten. Was wäre der Game Boy ohne „Tetris“? „1, 2, Switch“ hätte hervorragend als Dreingabe funktioniert. So müsst ihr zu den ambitionierten 329 Euro für die Konsole in jeden Fall noch einmal 50 bis 70 Euro für ein Spiel investieren.

Außerdem fällt der interne Speicher mit 32 Gigabyte sehr klein aus. Möchtet ihr Programme im Online-Store einkaufen, benötigt ihr zwangsläufig eine microSD-Karte. Rechnet also noch einmal 40 Euro für 128 Gigabyte ein. Wollt ihr das Switch-Display mitnehmen, benötigt ihr zudem eine Schutzhülle und im Idealfall ein zweites Netzteil. Schließlich möchte man doch nicht ständig hinter die eigene Anlage krabbeln und das Netzteil abfummeln. Soll heißen: Kalkuliert besser 500 Euro für die Anschaffung der Nintendo Switch ein.

Meinung

In unserem Test hinterlässt die Nintendo Switch einen gemischten Eindruck. Als Handheld-Konsole überzeugt der Wii-U-Nachfolger. Das Switch-Display funktioniert in Kombination mit den Joy-Cons ausgezeichnet. Keine mobile Konsole bietet aktuell eine derart starke Leistung und bannt große Spiele auf einen vermeintlich kleinen Bildschirm. Auch die verschiedenen Umbaumöglichkeiten – also beispielsweise für den Multiplayer-Betrieb im Zug – klingen vielversprechend, jedoch fehlt bislang noch die dazu passende Software. Seine Qualitäten muss das Launch-Lineup zunächst noch beweisen.

Ein „Legend of Zelda“ genügt auf Dauer leider nicht. Gerade wenn man die Nintendo Switch mit den beiden Konkurrenten Xbox One und Playstation 4 vergleicht, so zieht die neue Konsole technisch den Kürzeren. Grafik-Junkies bekommen anderenorts weitaus ausgefeiltere Titel und kämpfen auch nicht mit Kinderkrankheiten wie besagten Bluetooth-Problemen. Braucht ihr also eine Nintendo Switch? Jein. Als Handheld ist die Switch absolut unangefochten, aber alle anderen Qualitäten – etwa als Party- oder klassische Couch-Konsole – muss sie zunächst noch unter Beweis stellen.

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