Sniper Ghost Warrior 3 im Test: Was taugt das Scharfschützenspiel wirklich?

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Sniper Ghost Warrior 3 im Test: Was taugt das Scharfschützenspiel wirklich?

Mit der Flinte nach Georgien: „Sniper Ghost Warrior 3“ baut auf alte Stärken in einer neuen, offenen Spielwelt. Bringen die Freiheiten den Durchbruch?

Wirft man einen Blick auf die alljährlichen Verkaufscharts, dann dominieren große Shooter wie zuletzt „Battlefield 1“ oder „Call of Duty: Infinite Warfare“. Für Nischentitel scheint kein Platz zu sein. Und dennoch halten sich Scharfschützensimulationen wie „Sniper Elite 4“ oder eben das kürzlich veröffentlichte „Sniper Ghost Warrior 3“ hartnäckig auf dem Markt. Der Grund ist einfach: Die Spieler dort draußen möchten sich nicht nur durch Schlauch-Level ballern, sondern wünschen sich mehr Abwechslung.

Das 2013 veröffentlichte „Sniper Ghost Warrior 2“ von CI Games zeigte bereits viele gute Ansätze, doch war Stealth-Fans viel zu geradlinig. Die Lösung dieses Problems lautet natürlich Open-World und dennoch beschleicht einen auch in „Sniper Ghost Warrior 3“ das Gefühl, dass hier deutlich mehr drin gewesen wäre.

Freiheitskämpfer und Bruderherz

Das Spiel verzichtet völlig auf einen Multiplayer-Modus und präsentiert sich als etwa 30-stündiges Abenteuer. In „Sniper Ghost Warrior 3“ begebt ihr euch mit dem Spezialisten Jon North nach Georgien, wo ihr gegen prorussische Separatisten kämpfen und nebenbei noch euren verschollenen Bruder finden sollt. Die Geschichte erweist sich als durchaus spannend, jedoch stören die miserable Synchronisation und die nicht sonderlich dramatisch inszenierten Zwischensequenzen den Gesamteindruck. Trotzdem: Für ein Open-World-Spiel besitzt die Kampagne durchaus Tiefe und man spürt, das CI Interactive Mühe in die Erschaffung eines glaubwürdigen Szenarios investiert hat.

Das Leben eines Scharfschützen

In den insgesamt vier Kapiteln und 26 Missionen der des Story-Modus kämpft ihr euch durch insgesamt vier Areale. Die offene Spielwelt hat innerhalb der Einsätze durchaus große Bewandtnis, schließlich genießt ihr alle Freiheiten und entscheidet letztlich selbst, wie ihr vorgehen möchtet. Die Spielstile Geist, Jäger und Krieger geben mit einem traditionellen Level-System und allerlei freischaltbaren Fertigkeiten die Richtung vor. Doch vollständig solltet ihr euch auf sie nicht verlassen.

Die größten Erfolgserlebnisse liefert „Sniper Ghost Warrior 3“ zweifellos, wenn ihr euch Zeit lasst und die Missionsareale zunächst erkundet. Zu diesem Zweck klettert ihr auf Berge, verschanzt euch hinter Sandsäcken und späht anschließend das Gebiet mit Fernglas oder der inzwischen allseits bekannten Drohne aus. Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad unterstützt euch bei Abschüssen noch eine Hilfefunktion. Wind müsst ihr nicht mit einkalkulieren, sondern lediglich die Entfernung zum Ziel korrekt justieren.

Auf den höheren Stufen sieht das schon anders aus. Dann wird jeder Schuss zur Wissenschaft. Besonders gelungene Treffer belohnt das Spiel mit einer hübsch animierten Bullet-Cam, allerdings ohne den berüchtigten Röntgen-Effekt eines „Sniper Elite 4“.

Passt nicht, gibt’s nicht

So besitzt „Sniper Ghost Warrior 3“ seine besten Momente zweifellos, wenn ein lang ausgeklügelter Plan aufgeht und ihr eine Zielperson möglichst unbemerkt entsorgt. Sehr schön: Die Missionen gestalten sich überraschend abwechslungsreich und verfügen stets über verschiedene optionale Ziele wie etwa „unentdeckt bleiben“ oder andere Ziele lautlos ausschalten.

Die Vielfältigkeit macht das Spiel letztlich aus und motiviert enorm. Allerdings fallen einige Design-Entscheidungen eher fragwürdig aus. So stellen Crafting-Möglichkeiten mit gefundenen Gegenständen zwar eine willkommene Abwechslung dar, trotzdem passt das minutiöse Abgrasen der Areale nicht so recht zum Setting. Gleiches gilt für die XP-Boni für erschossene Widersacher. Zwar wurden diese Spielelemente nicht zwangsweise schlecht umgesetzt, wirken aber ein wenig fehl am Platze.

Technische Probleme

Die größte Baustelle bleibt aber die marode Technik. Bevor wir den Holzhammer auspacken, sei gesagt, dass „Sniper Ghost Warrior 3“ durchaus hübsch ist. Die Landschaft ist stimmig und abwechslungsreich und sieht genau so aus, wie man sich einen in Georgien angesiedelten Shooter vorstellt.

Allerdings hat diese Optik auch ihren Preis. Zunächst einmal wirkt die Spielwelt vergleichsweise leer und unbelebt. Das Spiel simuliert also kein glaubhaftes Szenario und lädt damit auch nur bedingt zu Erkundungstouren ein. „Horizon Zero Dawn“ zeigte zuletzt, wie man so etwas besser macht. Dazu plagen das Spiel unzählige technische Schwächen. Das fängt bei den enorm langen Ladezeiten an und endet schließlich in KI-Fehlern, Grafik-Patzern und sogar Abstürzen. Diese Probleme schmälern den Spielspaß aktuell noch ordentlich.

Meinung

"Sniper Ghost Warrior 3“ präsentiert sich in seinem Kern als grundsolides Scharfschützenspiel. Gerade die Planung und die Durchführung der Missionen motiviert. Natürlich kennt man das Ausspähen mit Fernglas oder Drohne inzwischen aus unzähligen Spielen, trotzdem überzeugt die Grundausrichtung eine gelungene Atmosphäre. Die Killcam unterstreicht und belohnt letztlich für besonders gut durchgeführte Aktionen. Die Waffenphysik kann sich speziell in den höheren Schwierigkeitsgraden absolut sehen lassen und die verschiedenen Munitionstypen sorgen für Abwechslung. Trotzdem patzt CI Interactive bei der Umsetzung seiner offenen Spielwelt.

Zunächst einmal fallen die unzähligen technischen Fehler auf: Lange Ladezeiten, Abstürze und sogar verschwindende Bildschirmanzeigen. Zudem passt das klassische Konzept des Jägers und Sammlers nicht zur Grundausrichtung des einsamen Scharfschützen. Das Aufklauben von Objekten wirkt in diesem Fall aufgesetzt. Was letztlich von „Sniper Ghost Warrior 3“ übrig bleibt ist ein insgesamt solides Scharfschützenspiel, das zwar eine nette Abwechslung darstellt aber letztlich „Sniper Elite 4“ in puncto Feintuning unterlegen ist.

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