Farpoint: Sonys PlayStation VR-Shooter im Test

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Farpoint: Sonys PlayStation VR-Shooter im Test
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Nur ein toter Bug ist ein guter Bug: Geht mit Playstation VR und neuem Aim-Controller auf virtuelle Insektenjagd. Wie gut ist Sonys VR-Shooter „Farpoint“ wirklich?

Lightgun-Shooter haben eine lange Tradition – erst in der Spielhalle und später auch auf Heimkonsolen. Doch der endgültige Durchbruch gelang der Zusatz-Hardware nie. Schließlich steht und fällt ein solches Produkt stets mit der Anzahl der verfügbaren Spiele und die Vergangenheit zeigte, dass nach einem anfänglichen Hype das Interesse der Entwickler schnell nachließ. Mit dem Aim-Controller soll das anders werden. Nicht nur, dass mit „Farpoint“ direkt ein darauf ausgerichtetes Action-Erlebnis erscheint, auch in den kommenden Monaten möchte Sony die Plastikknarre weiter unterstützen. Die VR-Ballerei „Farpoint“ jedenfalls erweist sich im Test als durchaus gelungener Start für das ungewöhnliche Steuergerät.

Minimalistisch, aber funktionell

Der Aim-Controller erinnert an einen zu dicken Kleiderbügel, an den jemand die Leuchtkugel der Playstation Move geklebt hat. Sonderlich hochwertig fühlt sich die Zusatz-Hardware zunächst nicht an, doch dieser erste Eindruck verfliegt schnell. Schließlich steckt in dem scheinbaren Plastikspielzeug weit mehr. Am vorderen Griff tummeln sich ein Analog-Stick, zwei analoge Tasten, sowie das Digitalkreuz. Am hinteren Ende dagegen befinden sich neben dem Abzug die Aktionstasten und ein weiterer Analog-Stick. Das Design des Aim-Controllers wirkt minimalistisch und futuristisch, wie eine Waffe sieht das Gerät jedenfalls nicht aus. Trotzdem liegt es angenehm leicht in der Hand. Alle Tasten sind in der Hitze des Gefechts gut erreichbar. Zwar könnt ihr „Farpoint“ als Standalone-Titel für 60 Euro kaufen, doch dann würde euch viel entgehen. Denn der Shooter entfaltet erst mit dem Aim-Controller sein volles Potenzial.

Kein echtes Epos

Die Geschichte hinter „Farpoint“ gleicht der jedes besseren (und schlechteren) Science-Fiction-Films. Eine wackere Crew sucht im Universum nach einer neuen Energiequelle und erleidet Schiffbruch auf einem fremden, feindlichen Planeten. Eure Aufgabe besteht nun darin, die übrigen Mitglieder eurer Mannschaft zu finden und den Geschehnissen auf dem Stern auf den Grund zu gehen. Die Story erweist sich im Verlauf weder als sonderlich innovativ noch als spannend. Immerhin präsentiert das Spiel seine Zwischensequenzen ganz ausgezeichnet. Diese betrachtet ihr mit Hilfe der Playstation VR als unsichtbarer Beobachter und könnt euch frei im Raum umschauen. Damit bestimmt ihr selbst, was ihr tatsächlich sehen möchtet.

Etwas für VR-Anfänger?

Die Navigation mit Hilfe des Aim-Controllers funktionierte im Test nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ausgezeichnet. Das Zielen erweist sich als durchaus akkurat und das Treffer-Feedback ist im Kampf mit mutierten Insekten und später Robotern klasse. So könnt ihr beispielsweise auch durch das lediglich virtuelle Visier blicken und so Treffer setzen oder am ausgestreckten Arm mit nur einer Hand feuern. Das Programm erkennt beide Steuerungsarten.

Inhaltlich ist „Farpoint“ ein sehr geradliniger Shooter ohne Kompromisse. Erwartet also keine komplexen Schleicheinlagen oder gar ein ausgefuchstes Deckungssystem. Seid ihr einmal angeschlagen hilft nur der Rückzug hinter Felsen. Eure Richtung stellt ihr entweder schrittweise mit dem hinteren Analogstick ein oder verändert sie selbst, in dem ihr euch dreht. Das wiederum führt mitunter zu kleineren Schwindelattacken, besonders wenn die Schlachten im Verlauf immer hektischer werden. Auch wenn das Spiel zu keinem Zeitpunkt irgendwelche technischen Macken aufwies, so spürten wir im Test durchaus eine gewisse körperliche Anstrengung und mussten häufiger eine Pause einlegen.

Ein bisschen wie „Starship Troopers“

Trotzdem überzeugt „Farpoint“ mit seiner kompromisslosen Action, die nicht von ungefähr an Science-Fiction-Filme wie „Starship Troopers“ erinnert. Startet ihr zu Beginn noch mit einem Sturmgewehr, findet ihr im Spielverlauf u.a. eine Schrotflinte, ein Plasmagewehr und eine Sniper-Rifle. Waffenwechsel führt ihr durch Hochziehen des Aim-Controllers aus. Zum Nachladen drückt ihr die Quadrattaste. Zudem greift ihr auf Sekundärfunktionen wie Granat- oder Raketenwerfer zurück oder sammelt mit einer Handbewegung Munition ein.

Für kurze Verschnaufpausen sorgen neben den Zwischensequenzen in erster Linie kurze Detektiveinlagen, bei denen ihr virtuelle Spuren scannen müsst. Der eigentliche Fokus liegt aber ganz klar auf der gut gemachten Action und die macht überraschend viel Laune. Natürlich muss man einige Eingeständnisse machen. Die Gegner-KI ist vergleichsweise schwach und greift in erster Linie frontal an. Und auch die Spielzeit ist mit vier bis sechs Stunden recht kurz. Danach lockt entweder ein Herausforderungs- oder der Koop-Modus. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich online zukünftig so viele Mitstreiter finden werden.

Meinung

Betrachten wir „Farpoint“ ganz nüchtern und damit als stinknormalen Shooter, würde sich niemand länger damit befassen. Denn nach den vier bis sechs Stunden Spielzeit bleibt nicht viel im Gedächtnis hängen. Die Geschichte besitzt zwar ihre Momente, doch das Szenario wirkt ein bisschen wie aus dem Science-Fiction-Baukasten zusammen gewürfelt. Einen echten Wiedererkennungswert gibt es nicht. Aber durch Playstation VR und Aim-Controller erlangt „Farpoint“ seine Daseinsberechtigung, ja sogar eine Kaufempfehlung. Denn es ist der erste aktive Shooter, der mit Sonys VR-System wirklich funktioniert und der davon massiv profitiert.

Das Zielen und Bewegen mit dem Aim-Controller sorgt für mehr Dynamik und zusätzlichen Realismus. Nette Kleinigkeiten wie beispielsweise das einhändige Feuern oder das Zielen durch das Visier unterstützen das Eintauchen in die fremde Welt. Die Kämpfe fühlen sich dadurch intensiver an und so vergisst man schnell die nebensächliche Story oder die geradlinigen Levels. Hier geht’s in erster Linie um die Freude an den spannenden Gefechten. „Farpoint“ sei daher – trotz spielerischer Schwächen – allen Playstation-VR-Besitzern wärmstens empfohlen. Unterhaltsamer und actionreicher wird es vorerst in der virtuellen Realität nicht mehr.

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