Prey im Test: Das Science-Fiction-Abenteuer des Jahres

Autor: Olaf Bleich

09. Mai 2017 um 11:06 Uhr: Wirklich nur ein „Bioshock im Weltraum“ oder doch viel mehr? Arkane Studios präsentiert mit „Prey“ ein ebenso anspruchsvolles wie ungewöhnliches Science-Fiction-Erlebnis. Der Test verrät, ob „Prey“ aber auch zu den Must-Haves des Jahres 2017 gehört!

In dem von Human Head Studios entwickelten Shooter „Prey“ kämpftet ihr 2006 als Cherokee-Indianer Tommy gegen Aliens. Das damalige Spielerlebnis war clever, raffiniert und bildgewaltig. So gesehen hat das von Arkane erschaffene, aktuelle „Prey“ doch zumindest von der Grundausrichtung mit seinem Namensvetter einiges gemeinsam.

Doch thematisch und spielerisch liefern die „Dishonored“-Macher ein grundsätzlich anderes Werk ab. In „Prey“ kontrolliert ihr den Wissenschaftler Morgan Yu über die Raumstation Talos I und stemmt euch mit aller Macht gegen die hereinbrechen Typhon-Aliens. Viele beschreiben dieses Spiel als „Bioshock im Weltraum“, doch das wäre viel zu einfach.

Dramatischer Einstieg, seichtes Ende

Euer Abenteuer beginnt mit einem atemberaubenden Plot-Twist. Zunächst entlässt euch das Spiel in eine scheinbar alltägliche Routine. Morgan Yu geht zur Arbeit ins Labor und erledigt einige Tests. Dann bricht die Hölle los. Doch bevor ihr selbst zur Pistole greifen könnt, versetzt euch Gas in den Tiefschlaf. Ihr erwacht wieder in eurem Bett.

Danach ist nichts mehr wie es war. Die schöne Fassade eines modernen Laborkomplexes zerbröckelt und ihr findet euch in bester „Alien“-Tradition auf einer Raumstation voller Monster wieder. Die Typhon sind los und nur Morgan Yu kann die Situation klären. Im Verlauf versuchen euch – ähnlich wie in „Bioshock“ – verschiedene Charaktere zu beeinflussen. Zum Ende entscheidet ihr selbst, wem ihr vertraut und drückt dem Spiel damit euren Stempel auf.

Zugegeben, gerade diese Nebenfiguren überzeugen nicht vollends und auch die verschiedenen Finals hätten mehr Tiefe vertragen können. Das ändert aber letztlich nichts daran, dass der Weg dahin höchst spannend bleibt und das Spiel euch förmlich mit Informationen über sein kleines Universum füttert. Gerade Leseratten erfreuen sich an den unzähligen Bildschirmtexten, Notizen und Büchern.

Such dir deinen Weg

„Prey“ ermutigt euch zum Erforschen der Raumstation Talos I. Denn obwohl hinter jeder Ecke Gefahren lauern, motiviert das Spiel mit seinem interessanten Setting und den vielen versteckten Geheimnissen. Damit sind nicht nur die zusätzlichen Informationen gemeint, sondern natürlich auch versteckte Waffen und Hilfsmittel.

Wer jeden Schrank durchforstet und Ausschau nach neuen Bereichen hält, der entdeckt zwangsläufig Gegenstände. Diese verarbeitet ihr an Automaten zu neuen Rohstoffen, mit denen ihr wiederum neue Waffen, Munition oder Neuromods herstellt. Neuromods ersetzen ein klassisches Erfahrungssystem und bescheren euch frische Fähigkeiten.

Im Spielverlauf aktiviert ihr Skills auf sechs Talentbäumen – jeweils drei für Menschen und Typhon. Der Clou: Die Station reagiert auf eure Auswahl. Aktiviert ihr zu viele der außerirdischen Fertigkeiten greifen euch die Operator-Roboter und Geschütztürme an. Da die Alien-Technologien aber sehr mächtig sind, müsst ihr stets abwägen, wie ihr eure Spielfigur ausrichtet.

Angst und Bange

Arkane Studios gelingt trotz offener Spielwelt und reichlich Skills der Balanceakt zwischen Anspruch und Spielfortschritt. „Prey“ ist zu keinem Zeitpunkt ein wirklich leichtes Spiel und entfernt sich spürbar vom traditionellen Shooter-Genre. Munition ist stets ein wertvolles Gut. Jeder Einsatz von Pistole oder Schrotflinte will wohl überlegt sein. Stattdessen greift ihr auf den Schraubenschlüssel für den Nahkampf, auf die Gloo-Gun zum Verkleistern eure Widersacher und auf vielfältige Granatentypen zurück.

„Prey“ verlangt von euch, dass ich euch schnell den Situationen anpasst. Die Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Variante funktioniert nur selten und kostet zudem unnötig viel Ressourcen. Stattdessen zwingt euch das Action-Abenteuer zum Mitdenken. Vorsichtiges Vorgehen und Anschleichen an eure Gegner bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. So erhaltet ihr Schadensboni, habt aber auch Gelegenheit zum Scannen der Kreaturen. Damit schaltet ihr neue Alien-Fertigkeiten frei.

Auch die Umgebung spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Setzt beispielsweise Ölpfützen oder Gasleitungen zu eurem Vorteil ein. So bietet „Prey“ eine Vielzahl verschiedener Strategien an. Das motiviert, jedoch frustriert das Spiel mitunter auch. Schließlich steht ihr unter konstanter Anspannung und selbst auf mittlerem Schwierigkeitsgrad erledigen euch größere Typhons mit nur wenigen Attacken.

Nicht fehlerfrei, aber trotzdem klasse

Nichtsdestotrotz begeistert „Prey“ auch immer wieder mit seiner Tiefe, seinen fantastischen Schauplätzen und seiner dichten Atmosphäre. Obwohl gerade die Charaktermodelle mitunter zu grobschlächtig aussehen und manche Textur matschig daher kommt, so bleibt Talos I doch eine ungemein stimmiger Schauplatz mit teils wunderschönen Ecken. Die Sound-Untermalung trägt maßgeblich zur Stimmung des Spiels bei. Gerade die eingestreute Elektro-Musik und die wirklich toll umgesetzten Audio-Logs unterstreichen das Szenario.

Fazit

„Prey“ ist weitaus mehr als einfach nur „Bioshock im Weltraum“. Obwohl das Action-Abenteuer von Arkane Studios sicherlich nicht die emotionale Wucht seines Vorbilds aufweist, so präsentiert es sich doch als herausfordernde und gut durchdachte Spielerfahrung. Diese zeichnet sich vor allem durch den hohen Anspruch und die immense Vielfältigkeit aus. Ihr entscheidet selbst, wie ihr „Prey“ erleben möchtet. Entdecker belohnt der Titel mit unzähligen Zusatzinformationen, Neuromods und anderen Extras.

Gerade die Hintergründe und Nebenschauplätze motivieren enorm und verleihen der Spielwelt mehr Tiefe. Dazu fordert „Prey“ mit seinem sehr gelungenen Gegnerdesign. Die Typhon zwingen euch immer wieder zum Taktieren und schenken euch garantiert nichts. Arkane Studios liefert nach „Dishonored 2“ also ein weiteres Meisterwerk ab, das sich niemand entgehen lassen sollte. Für uns jedenfalls gehört „Prey“ schon jetzt zu den ganz großen Titel des Jahres 2017.

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