Tekken 7 im Test: Das bietet der neue Teil des Kult-Prüglers

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Tekken 7 im Test: Das bietet der neue Teil des Kult-Prüglers

Der „King of the Iron Fist“ ist wieder da! Der Prügelpate „Tekken“ meldet Ansprüche auf den Beat'em-Up-Thron an. Toppt das Playstation-Urgestein auch den aktuellen Spitzenreiter „Injustice 2“?

Beat’em Ups besitzen eine lange Tradition in der Videospielgeschichte und dennoch fristen sie zumeist nur ein Nischendasein. Die Verkaufscharts führen nämlich meist andere an. Umso bewundernswerter, dass 2017 mit „Injustice 2“, „Tekken 7“ und anderen Kumpanen gleich mehrere dicke Prügel-Brocken erscheinen.

Nachdem NetherRealm mit seinen DC-Superhelden bereits vor wenigen Wochen mühelos ablieferte, stehen jetzt die Kult-Haudegen von „Tekken 7“ auf dem Prüfstand. Der Arcade-Automat steht seit 2015 in japanischen Spielhallen. Die Version für Konsole und PC erhält als Bonus einen Story-Modus, der die Wartezeit ein wenig kompensieren dürfte.

Kurze, aber spannende Geschichte

Die Mishima-Saga dient – neben dem umfangreichen Trainingsmodus – als erweitertes Tutorial. In jedem Kampf ruft ihr per Story-Hilfe die wichtigsten Knöpfe auf oder schaltet sogar in den Easy-Mode. Dann führt ihr problemlos Kombos mit nur einem Knopf aus. Allerdings beraubt ihr euch damit auch jeglicher Erfolgserlebnisse. Im Test jedenfalls vermittelte diese Einsteigervariante das Gefühl, als würde einem das Spiel nahezu alle Aufgaben abnehmen.

Der Story-Modus selbst thematisiert die gestörten Familienverhältnisse innerhalb des „Tekken“-Universums. Freundlich ausgedrückt sind Heihachi, sein Sohn Kazuya und sein Enkel Jin alles andere als gute Freunde und so entbrennt ein Krieg, der die ganze Welt in den Untergang zu ziehen droht. „Tekken 7“ spart weder an Bombast, noch an Klischees. Besonders die wirklich großen Momente erinnern in ihrer Inszenierung an einschlägige Animes und so passt die Umsetzung ausgezeichnet zu dem überdrehten Geschehen.

Die Inszenierung mixt hübsch gezeichnete Standbilder und wuchtige Zwischensequenzen. Und auch wenn gerade die Gesichtsanimationen der Protagonisten längst nicht an die von „Injustice 2“ heranreichen, so macht die vierstündige Kampagne dennoch Laune.

Im Modesalon

Als Belohnung gibt es nicht nur Einblicke in die Geschichte, sondern vor allem Münzen und gelegentlich auch neue Ausrüstungsgegenstände. Mit diesen staffiert ihr eure 38 Charaktere aus und verleiht ihnen so einen individuellen Anstrich für den Online-Multiplayer. Im Gegensatz zu „Injustice 2“ haben die Outfits aber keinen Einfluss auf die Charaktereigenschaften der Helden. Eine echte Rollenspielkomponente ist es somit nicht.

Trotzdem ertappten wir uns dabei, wie wir mehrere Stunden in Treasure-Matches verbrachten. In diesem Endlosspielmodus geht es einzig um das Freischalten neuer Objekte. Gelegentlich bringen Modifikatoren wie etwa doppelter Schaden oder höhere Geschwindigkeit Abwechslung ins Spiel. Die Hauptmotivation bezieht „Tekken 7“ jedenfalls aus dem Freischalten der teils absurden Gegenstände und dem anschließenden Kostümieren der eigenen Figuren.

Einfach „Tekken“

Spielerisch gibt sich „Tekken 7“ gewohnt anspruchsvoll und legt den Fokus auf Eins-gegen-Eins-Auseinandersetzungen. Im Vergleich zu „Injustice 2“ spielen gerade die Konter und das Erkennen der eigenen Reichweite eine entscheidende Rolle. Wie schon in den Vorgängern rangelt ihr euch in 3D-Arenen und wechselt mit einfachen Tastenkombinationen die Ebene. Dies geschieht diesmal aber deutlich langsamer, sodass ständiges Ausweichen längst nicht mehr das Allheilmittel ist.

Stattdessen fühlt sich „Tekken 7“ wieder mehr wie eine Kampfsportsimulation an. Ihr kontert hohe Kicks durch Blocks oder kniet euch einfach hin. Gelingt euch das, öffnen sich euch kurze Zeitfenster zum Gegenangriff. Das Kampfsystem fühlt sich daher deutlich taktischer und langsamer an als zuletzt bei „Injustice 2“. Zugleich erfordern fortgeschrittene Aktionen auch teils komplexe Tastenbefehle, die ihr allerdings im umfangreichen Trainingsmodus einüben könnt.

Darüber hinaus erweitert „Tekken 7“ seine Spielmechanik um den Faktor „Rage“. Mit dieser verstärkt ihr bestimmte Aktionen oder entladet eure Wut mit einer Art Superattacke. Diese raubt eurem Widersacher problemlos über ein Drittel seiner Lebensenergie. Sehr schön: Damit dieser Finishing-Move nicht nur Profis vorbehalten bleibt, aktiviert ihr ihn mit nur einem Tastendruck aus.

Es läuft!

„Tekken 7“ eignet sich trotz seines höheren Anspruchs für Einsteiger oder gar für muntere Party-Abende. Notfalls führt nämlich auch koordiniertes Button-Mashing zum Erfolg. Technisch kann sich das Beat’em Up auf alle Fälle sehen lassen. Im Test auf der Playstation 4 Pro fallen vor allem die tollen Effekte während der Schlachten auf. Immer wieder friert das Bild für einen Moment ein und unterstreicht damit die Wucht der Aktionen. Dazu überzeugen die Animationen und auch das Outfit-Design der Hauptcharaktere. Sie entwickeln sich von Teil zu Teil weiter, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

Abseits der Kampagne und des Treasure-Modus kommen Besitzer der Playstation VR in den Genuss einer etwas anderen Spielerfahrung. Wirklichen Mehrwert bietet der VR-Modus aber kaum, sondern ist letztlich eher ein Gimmick für zwischendurch. Letztlich bleibt das Geschehen nahezu unverändert. Playstation VR unterstreicht lediglich die Tiefendarstellung der Kämpfe und sorgt für eine etwas dynamischere Kamera. Im Online-Modus – wahlweise in ranked oder unranked Kämpfen – geht zumindest bis zum Launch alles glatt. Ruckler oder Eingabeverzögerungen gab es nicht. Allerdings muss man in diesem Fall abwarten, bis die Server wirklich unter Volllast laufen.

Meinung

„Tekken 7“ bleibt sich und seinen Vorgängern treu. Wo ein „Injustice 2“ vor allem auf schnelle Reaktionen und Einsteigerfreundlichkeit setzt, geht es hier deutlich taktischer zur Sache. Die Kämpfe gestalten sich einen Hauch langsamer, Timing spielt eine größere Rolle. Einige feine Änderungen wie beispielsweise die entschärften Sidesteps sorgen für ein verändertes Spielgefühl und die frischen „Rage“-Attacken für mehr Wucht.

Freunde gepflegter Raufereien bekommen also genau das, was sie von einem neuen Teil der „Tekken“-Serie erwarten. Und gerade der hübsch präsentierte und dezent trashige Story-Modus überzeugt mit seinen opulenten Zwischensequenzen. Dazu gibt es die motivierende Jagd nach neuen Ausrüstungsgegenständen, sowie das Zusammenstellen eigener Outfits. „Tekken 7“ ist somit eine sehr gute Fortsetzung der Traditionsreihe und dürfte Fans von Prügelspielen ebenso begeistern wie „Injustice 2“.

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