Dirt 4: Codemasters Rallye-Simulation im Test

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Dirt 4: Codemasters Rallye-Simulation im Test

Braucht ihr vor „Project Cars 2“ und „Gran Turismo Sport“ noch ein wenig Rennspielfutter? Dann ist „Dirt 4“ genau das Richtige!

Manchmal bedeutet ein hoher Anspruch nicht auch bedingungslosen Spielspaß. An „Dirt Rally“ bissen sich selbst eingefleischte Rennspielfans die Zähne aus. Doch Codemasters lernte aus dem Feedback seiner Community. Mit „Dirt 4“ erscheint nun zweieinhalb Jahre nach „Dirt Rally“ ein Nachfolger, der den Spagat zwischen Nutzerfreundlichkeit und Anspruch problemlos meistert. Genau deshalb präsentiert sich die Rallye-Simulation auch aktuell als ideales Rennspielfutter für alle Freunde der anspruchsvollen Schotterpisten.

Eine gute Entscheidung

Diesen von Codemasters angepeilten Mix demonstriert „Dirt 4“ kurz nach dem Start. Dann fragt euch das Spiel nämlich, ob ihr im Schwierigkeitsgrad „Gamer“ oder „Simulation“ unterwegs sein wollt. Diese Ausrichtung erweist sich als nahezu selbsterklärend und gibt den Takt für die darauffolgenden Stunden vor.

Entscheidet ihr euch für „Gamer“, unterstützen euch Hilfefunktionen und verhindern beispielsweise gnadenloses Überdrehen der Reifen und allzu heftige Fahrfehler. Trotzdem bleibt das Spiel fordernd. Schneidet ihr etwa eine Kurve zu stark und holpert dabei über einen Hang, überschlägt sich der Wagen weiterhin. In „Simulation“ aber dreht „Dirt 4“ so richtig auf und fordert immenses Fingerspitzengefühl an Gas und Bremse. Speziell die Drifts haben es mächtig in sich. Wer „Dirt Rally“ mochte, der wird sich hier wiederfinden.

Zugleich aber könnt ihr den Schwierigkeitsgrad auch variabel anpassen und einzelne Hilfefunktionen ein- oder ausschalten. Kurzum: Ihr bestimmt diesmal selbst, wie schwierig das Spiel sein soll.

Aus der Schule in die Karriere

Doch damit nicht genug der Einsteigerfunktionen. Denn „Dirt 4“ erklärt euch in der Dirt-Akademie in 27 Lektionen die Grundlagen des Rallye-Geschäfts. Diese Aufgaben müsst ihr nicht abarbeiten, dennoch sind sie eine schöne Ergänzung für Neueinsteiger und sorgen für einen seichten Einstieg in die Karriere.

Diese präsentiert sich insgesamt ein wenig bieder. Wer ausufernde Zwischensequenzen oder gar eine Geschichte erwartete, sollte sich daher nicht über das stets gleichförmige Abarbeiten von Events und Rennserien wundern. Die Karriere ist vergleichsweise schmucklos, trotzdem bietet sie ausreichend viel Abwechslung. Im Verlauf rekrutiert ihr euer eigenes Team, verbessert euren Boliden und baut euch so einen Rufe auf. Neu oder gar herausragend ist der Karrieremodus nicht, wohl aber motivierend genug, um einen dauerhaft bei der Stange zu halten.

Ich geb Gas, ich hab Spaß!

Grund für diese Langzeitmotivation ist vor allem die geniale Spielbarkeit. „Dirt 4“ hinterlässt auf der Piste einen wirklich grandiosen Eindruck. Egal, ob mit Lenkrad oder Gamepad – Man spürt jedes Steinchen und jede Unebenheit auf der Strecke zieht eine unmittelbare Konsequenz nach sich. Wenn also euer Co-Pilot „Nicht schneiden“ vor einer Kurve ankündigt, dann solltet ihr euch tunlichst daran halten. Hinzu kommt ein gut umgesetztes Schadensmodell, das Unfälle nicht verzeiht. Bei einem unserer ersten Rennen zerlegte es uns kurz vor Schluss den rechten Vorderreifen, was zu einer wenig rühmlichen Zieleinfahrt führte. Doch gerade diese Momente zeichnen „Dirt 4“ aus.

Eine kleine Warnung an dieser Stelle: Es gibt keine Rewind-Funktion mehr. Ihr könnt ein Rennen lediglich neu starten, nicht aber die Zeit zurückspulen. Das wiederum sorgt für eine hohe Anspannung, denn jeder Fehler bedeutet Zeitverluste oder im schlimmsten Fall sogar das Rennaus.

Aus Freude am Fahren

So fühlt sich jedes Rennen abhängig vom gewählten Fahrzeug, seiner Antriebsart, sowie den Streckenverhältnissen anders an. Wer einmal durch die verschneiten Wälder Schwedens brettert, weiß, was Konzentration bedeutet. Zugleich bringt „Dirt 4“ mit der Landrush-Rennserie eine durchaus launige Neuerung mit sich. Die Buggys steuern sich angenehm flott und stehen somit im Kontrast zu Rallye- und Rallycross.

Insgesamt könnte das Spiel trotzdem ein wenig mehr Vielfalt vertragen. Trotz Streckengenerator und zwei Spaß-Modi wie dem Umfahren von Schildern gibt sich „Dirt 4“ vergleichsweise schüchtern. So vermissen wir beispielsweise die „Gymkhana“-Events des direkten Vorgängers. Auch technisch steht die Rennserie leider still. Gerade die Umgebungsgrafik hätte einen Tick detailreicher und hübscher ausfallen dürfen. Die Fahrzeuge dagegen sind über jeden Zweifel erhaben und auch die Bildrate fiel im Test auf der Playstation 4 Pro nicht unangenehm auf.

Meinung

(Fast) alles richtig gemacht, Codemasters! „Dirt 4“ holt Profis und Rennspieleinsteiger gleichermaßen ab. Dank der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten kommt jeder auf seine Kosten. Dazu begeistert die Rallye-Simulation mit dem traditionell gutem Fahrgefühl und hohem Anspruch. Alle Fahrzeuge steuern sich anders und liefern ihren ganz eigenen Stil. Das Schadensmodell überzeugt ebenfalls und erschafft immer wieder einzigartige Momente.

Wer ein Mal auf drei Reifen durch das Ziel gejuckelt ist und trotzdem noch auf dem Treppchen landet, der wird sich einen lauten Jubel nicht verkneifen können. Wenn wir „Dirt 4“ etwas ankreiden möchten, dann seinen technischen Stillstand und die auf Dauer mangelnde Vielfalt an Aufgaben und Renntypen. Andere Spiele liefern da deutlich mehr. Doch das soll die Begeisterung für „Dirt 4“ nicht schmälern. Wer noch vor „Gran Turismo Sport“ und „Project Cars 2“ seinen Racing-Kick sucht, wird hier in jedem Fall fündig.

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