Gran Turismo Sport im Test: Was taugt die PS4-Rennsimulation?

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Gran Turismo Sport im Test: Was taugt die PS4-Rennsimulation?
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Der Rennspielwinter 2017 geht in die letzte Runde: „Gran Turismo Sport“ gibt Vollgas, doch wird der erfolgreichen Serientradition letztlich nur auf der Strecke so wirklich gerecht.

„Gran Turismo“ und Sony Playstation – Das ist seit inzwischen 30 Jahren eine nahezu perfekte Beziehung. Kazunori Yamauchis Rennspielserie hatte keinen geringen Einfluss auf den großen Erfolg der Heimkonsole. Doch die vergangenen Ableger konnten den einstmals so hohen Qualitätsstandard nicht mehr halten. So bekam die Marke „Gran Turismo“ langsam einige Risse und zuletzt griffen starke Konkurrenten wie „Project Cars 2“ oder „Forza Motorsport 7“ den einstigen Rennsport-Primus an. Mit „Gran Turismo Sport“ geht Entwickler Polyphony Digital neue Wege und bricht teils mit lieb gewonnenen Serientraditionen.

Ist weniger wirklich mehr?

Zunächst einmal legt man den Fokus stärker auf den Online-Betrieb und Multiplayer-Funktionen. Wer offline an den Start gehen möchte, wird mit dem Arcade-Modus abgespeist. Die übrigen Spielmodi sind an ein Online-Ranglisten-System und YouTube-Erklärvideos gekoppelt. Dadurch benötigt „Gran Turismo Sport“ eine stehende Internet-Verbindung.

Die zweite große Neuerung erkennt man in der Aufstellung des Fuhrparks. Wo einstmals eine Zweiklassengesellschaft von Premium- und Normalmodellen, sowie über 1.000 Boliden herrschte, da gibt es diesmal nur etwa 170 Fahrzeuge mit starkem Fokus auf echte Rennwagen. Durfte man früher also gefühlt mit jedem Alltagsauto über den Kurs juckeln, fällt deren Auswahl in „Gran Turismo Sport“ sehr klein aus. Immerhin: Alle Fahrzeuge besitzen ihre eigene Cockpitperspektive und fahren sich deutlich unterschiedlich. Insofern können wir die vergleichsweise kleine Garage verkraften.

Ein schweres Los für Solisten

Doch nicht nur der Online-Zwang nervt Einzelspieler, auch die so genannte Kampagne überzeugt nicht wirklich. Diese besteht traditionell aus der Fahrschule, in der ihr beispielsweise Bremspunkte, Überholen oder Kurvenfahrten trainieren – als Einstieg durchaus okay. Danach folgen die so genannten Herausforderungen. Diese bestehen im Verlauf aus immer mehr Kurzrennen, in denen ihr euch meist unter Zeitdruck durch das Feld pflügen oder in Zeitrennen eine bestimmte Strecke zurücklegen müsst. Diese 64 Aufgaben gestalten sich zwar durchaus launig, sind aber im Endeffekt nichts weiter als eine Ansammlung an Einzelwettbewerben ohne jeglichen Zusammenhang.


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Immerhin: Für den Abschluss der Rennserien erhaltet ihr Belohnungen – wie etwa neue Autos – und grindet euch somit auch durch das Erfahrungssystem. „Gran Turismo Sport“ zählt alle eure Aktionen mit und so gibt es in regelmäßigen Abständen Boni und Aufstiege. Das motiviert! Das genaue Gegenteil bewirkt die so genannte Streckenerfahrung: Kurse stückweise abzufahren und sie damit zu lernen ist absolut unlustig. Hier hätte Polyphony Digital mehr Liebe zum Detail walten lassen müssen. Dazu gibt es noch den Fotomodus „Scapes“, sowie die VR-Tour, mit der ihr Runden über den Asphalt dreht oder euch im Showroom verlustiert.

Spielt sich klasse!

Es gibt viele Gründe, „Gran Turismo Sport“ zu kritisieren, doch zumindest auf der Strecke liefert Polyphony Digital von Beginn an ab. Das Spiel sieht klasse aus und hört sich ebenso gut an. Gerade die Beleuchtung der 17 Strecken überzeugt, was nicht zuletzt an den hübsch umgesetzten Tages- und Nachtwechseln (nicht dynamisch, Tageszeit wird vor dem Rennen eingestellt) liegt. Trotzdem fehlt es an Wettereffekten und einem Schadensmodell, wie es im Jahr 2017 durchaus üblich sein sollte. Immerhin ist es – gerade im Vergleich mit „Project Cars 2“ – ohne größere Einstellungen sehr gut mit Gamepad kontrollierbar. Optimal spielt sich der Raser natürlich mit einem Lenkrad.

Dennoch zieht „Gran Turismo Sport“ einen in seinen Bann. Schließlich fährt es sich klasse und jeder Wagen fühlt sich anders an. In den Cross-Rennen schlittert ihr förmlich über den Schotter, ein Golf GTI liegt vergleichsweise schwer und behäbig auf der Strecke und US-Muscle-Cars brechen im Heck enorm schnell aus. Gerade die Kurvenfahrten fühlen sich durch die individuelle Gewichtsverlagerung stark an. Jeder Wagen besitzt seine Cockpit-Perspektive, eine Helmkamera gibt es jedoch nicht. Das Geschwindigkeitsgefühl kann sich jedoch sehen lassen und Ruckler gab es im Test auf der Playstation 4 Pro nicht.

Online in die Zukunft

Für den Online-Modus von „Gran Turismo Sport“ haben Sony und Polyphony Digital große Pläne. Diese sind jedoch aktuell noch sehr eingeschränkt: Zur Zeit stehen lediglich tägliche Rennevents zur Verfügung. Außerdem könnt ihr eigene Lobbys starten oder beitreten. Die versprochenen Rennserien folgen leider erst in den kommenden Wochen. Insofern könnt ihr jetzt trainieren und euch auf den Ernstfall vorbereiten. Die gute Nachricht: Zumindest in unseren Proberunden kam es zu keinerlei Server-Problemen oder Rucklern.

Meinung

„Gran Turismo Sport“ besitzt zweifellos den größten Namen im Rennspielwinter 2018. Doch der Neuanfang führt für die Playstation-Flitzer nicht auf die Siegerstraße. Zu verquer sind einige Design-Entscheidungen. Besonders Solisten drehen sich erschrocken ab: Hinter dem Begriff „Kampagne“ verbergen sich nur die Fahrschule, schnöde Herausforderungen und ein Trainingsmodus für die Strecken. Das ist zu wenig! Dazu passt dann letztlich auch der Online-Zwang und der damit verbundene Fokus auf Multiplayer-Funktionen.


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Seine ganze Stärke spielt „Gran Turismo Sport“ auf der Strecke auf. Das Handling ist griffig und direkt, sodass sich auch fortgeschrittene Einsteiger schnell zurecht finden. Gerade die Gewichtsverteilung bei Kurvenfahrten überzeugt und so fühlt sich jedes Fahrzeug anders an. Hinter den Online-Optionen steht derzeit noch ein kleines Fragezeichen, schließlich setzt Polyphony Digital hier auf die Langlebigkeit seines Projekts und auf kommende Events. Zum Launch passiert online nicht viel und fühlt sich insgesamt auch zu unkomfortabel an. „Gran Turismo Sport“ ist somit ein guter Start, aber es wird sich erst in Zukunft zeigen, ob sich diese Neuausrichtung etabliert.

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