Splatoon 2 im Test: Die volle Ladung Farb-Spaß!

Autor: Olaf Bleich

27. Juli 2017 um 16:18 Uhr: Endlich wieder ein großes Nintendo-Spiel für die Switch: „Splatoon 2“ ist für Multiplayer-Fans ein klarer Pflichtkauf und trumpft mit den Stärken des erfolgreichen Vorgängers auf!

Als „Splatoon“ 2015 für die Nintendo Wii U erschien, war es eine kleine Sensation. Shooter sind seit jeher eine Seltenheit auf Nintendo-Konsolen, doch die Farb-Ballerei entwickelte sich zum Publikumsliebling. Jeder dritte Wii-U-Besitzer kaufte seiner Zeit „Splatoon“.

Kein Wunder, verkörperte das Spiel doch etwas vollkommen anderes als die meisten Shooter-Konkurrenten. Nintendos Actionspiel wirkte kindlich verspielt und setzte nicht das Abschießen der Spieler in den Mittelpunkt. Stattdessen gewinnt ihr durch das Einfärben der Maps und das wiederum macht damals wie heute herrlich viel Spaß.

„Splatoon 2“ bleibt dieser Maxime treu und verzichtet auf einen Gameplay-Umbruch. Stattdessen liefert der Titel auf der Nintendo Switch ein deutlich abwechslungsreicheres und vielseitigeres Spielerlebnis als sein Vorgänger ab.

Kunterbunte Farbschlacht

Wer bereits den ersten Teil gespielt hat, fühlt sich in „Splatoon 2“ sofort heimisch. Nachdem ihr euch selbst einen Inkling-Jungen oder -Mädchen zusammengebaut habt, verdient ihr euch erste Sporen im Revierkampf-Modus. Zwei Vierer-Teams kämpfen hier um die Vorherrschaft und müssen möglichst viel Fläche mit ihrer Farben zu kleistern. Durch das sehr gelungene Layout der insgesamt zehn Mehrspielergebiete entstehen immer wieder packende Duelle bei denen die Teams um jeden Quadratmeter Boden kämpfen.

Vor allem Aktionen wie das Untertauchen und schnelle Durchschwimmen der eigenen Farbe entscheiden über Sieg oder Niederlage. Wer die Fähigkeiten der Inklinge zu seinem Vorteil nutzt, der ist der Konkurrenz schnell überlegen. Gleiches gilt natürlich für den Einsatz der aufladbaren Spezialangriffe und der übrigen Waffen. Im Verlauf werft ihr Farbbomben, walzt mit dem breiten Roller durch die Levels oder kugelt im Hamsterball durch die Areale.

Ab Stufe 10 aktiviert ihr die Rangkämpfe und geht in neuen Spielarten wie Goldfisch-Kanone, Herrschaft oder Turm-Kommando auf die Jagd nach Punkten. Alle Spielarten besitzen ihre eigene, kreative Herangehensweise an „Splatoon 2“ und passen somit klasse in die Serie. Einziger Haken: Die automatische Map-Rotation nervt auf Dauer und so bleibt zu hoffen, dass Nintendo sich langfristig etwas anderes einfallen lässt.

Hordenmodus für Inklinge

Die wohl auffälligste Neuerung stellt aber zweifellos der Koop-Modus Salmon-Run dar. Dieser gehört zu den schrägsten Spielerfahrungen der jüngeren Vergangenheit und hat es mächtig in sich. Eigentlich handelt es sich um einen Hordenmodus, in dem ein Vierer-Team Gegnerwellen abwehren muss. Doch „Splatoon 2“ erweitert die Funktion um einen fischigen Twist und so müsst ihr Lachseier einsammeln und später in eine Reuse werfen. Jede Runde würfelt das Spiel zudem neue Waffen aus und am Ende gibt’s dann einen gewaltigen Boss, für den es doch mehr Taktik als gedacht erfordert. Dummerweise ist die Chat-Funktion über die Smartphone-App nicht ideal. Trotzdem überzeugte der Salmon-Run und präsentiert sich als schöne Zugabe zum ohnehin schon gut gefüllten „Splatoon 2“-Paket.

Auf Shopping-Tour

Die Motivation bezieht „Splatoon 2“ aber zweifellos durch das Individualisieren und Verbessern der eigenen Spielfigur. Zwar mag die Aufmachung in diesem Fall Geschmackssache sein, doch das Feintuning mit Hilfe neuer Kleidungsstücke und Bonus-Eigenschaften erweist sich als erstaunlich komplex. Erst mit der Zeit aktiviert ihr die angesprochenen Charakterzusätze wie beispielsweise schnelleres Nachladen beim Eintauchen in die Farbe oder vorübergehende Unsichtbarkeit. Natürlich könnt ihr auch die Aufladezeiten der Spezial-Attacken verstärken oder euren Inkling ein wenig leistungsfähiger machen. Das Experimentieren mit Gegenständen erweist sich als echter Zeitfresser, ohne jedoch langweilig oder zäh zu wirken. Kurzum: Die neuen Klamotten sehen zwar schräg aus, haben es aber spielerisch in sich!

Der Einzelspieler: Kein Kaufgrund!

Wie schon der erste Teil verfügt auch „Splatoon 2“ über einen Story-Modus für Solisten. Die Geschichte fühlt sich aber gerade zu Beginn merkwürdig bekannt an: Die Oktarianer haben schon wieder die Elektrowelse gestohlen und ihr müsst sie zurückholen. Wirklich aufregend präsentiert sich die Kampagne nicht, aber immerhin spielerisch überzeugen die insgesamt 27 Levels mit viel Liebe zum Detail und schönen Ideen.

„Splatoon 2“ mischt in diesem Falle stärke Geschicklichkeitspassagen mit klassischen Shooter-Elementen. Mal hüpft ihr über Luftmatratzen oder schlittert an Seilen entlang, mal legt ihr euch mit Boss-Gegnern an. Das Spiel gibt sich vielseitiger und spaßiger, jedoch stellt die Kampagne keinen echten Kaufgrund dar. Wer also genau weiß, dass die Online-Modi nichts für ihn sind, der sollte einen Bogen um Nintendos Farb-Shooter machen.

Fazit

„Splatoon 2“ macht nicht viel anders als sein erfolgreicher Vorgänger aber vieles einfach besser. Gerade technisch überzeugt das Spiel und sieht sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus klasse aus. Dazu spielt es sich einfach ausgezeichnet und das Einfärben der Arenen weckt das innere Kind in einem. Galt beim ersten Teil noch der mangelhafte Spielumfang als größter Kritikpunkt, trumpft „Splatoon 2“ mit mehr Vielfalt auf.

Abseits des Revierkampfes bietet es die verschiedenen Varianten in den Ranglistenmatches und natürlich den frischen Koop-Modus. Trotzdem patzt Nintendo zumindest leicht in puncto Benutzerfreundlichkeit. Sowohl die zeitlich begrenzte Kartenrotation als auch die umständlichen Chat-Funktionen stören den Gesamteindruck. Insgesamt aber liefert „Splatoon 2“ absolut ab und gehört gerade zu den absoluten Pflichtspielen für die Nintendo Switch.

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