Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy: Das Playstation-Remake im Test

Autor: Olaf Bleich

03. Juli 2017 um 12:45 Uhr: Naughty Dogs bekloppter Beuteldachs feiert seine Rückkehr – und das auf der Playstation 4. Gelingt die Neuauflage des Hüpf-Klassikers oder gibt es für Crash eine schmerzhafte Bruchlandung?

Früher war doch alles irgendwie besser: Nicht nur die Welt, sondern auch Videospiele. Anders kann man die vergangenen Wochen kaum zusammenfassen. Microsoft betonte mit der Abwärtskompatibilität zu Xbox und Xbox 360 den Wert der vergangenen Konsolengenerationen und Nintendo legt mit dem SNES Mini Classic das Internet lahm. Zuletzt kündigten sogar Atari und Sega Neuauflagen vergangener Spielgeräte an.

Retro-Gaming bleibt im Jahr 2017 ein beherrschendes Thema. Aber wie steht es mit Sony Playstation? Naja, eine PSone Mini ist bis dato noch nicht in Planung, trotzdem greifen Entwickler immer häufiger in die Mottenkiste und kramen altbewährte Titel hervor. Activision und Vicarious Visions beleben nun die „Crash Bandicoot“-Saga wieder und bringen mit der „N-Sane Trilogy“ ein waschechtes Remake auf die Playstation 4.

Nostalgie pur

Vicarious Visions lässt die Basis der Playstation-Originale unangetastet. Man packt also „Crash Bandicoot“, „Crash Bandicoot: Cortex Strikes Back“ und „Crash Bandicoot 3: Warped“ auf eine Disc. An der eigentlichen Geschichte oder an den Levels ändert sich nichts. Ihr trefft also im ersten Teil auf einen vollkommen durchgedrehten Beuteldachs, der vor dem ebenso verrückten Professor Cortex entkommen muss. Im zweiten Teil geht es auf die Jagd nach Kristallen und in „Warped“ reist ihr – wie es der Name schon andeutet – durch die Zeit.

Am eigentlichen Gameplay nehmen die Entwickler nur feine Veränderungen vor. Einen Sprung macht allerdings die Technik. Vicarious Visions bringt „Crash Bandicoot“ mit viel Fingerspitzengefühl ins 4K-Zeitalter. Gerade die Metamorphose von Titelheld Crash überzeugt. Der Beuteldachs sieht weiterhin wunderbar bescheuert aus und trumpft mit tollen Bewegungsabläufen und vielen Details auf. Egal, ob es nun seine übergroßen Schlappen samt schlaksigem Laufstil oder sein Wirbel ist – Crash ist und bleibt einfach ein sehr cooles Maskottchen. Zudem untermalt der ebenfalls mit absoluter Stilsicherheit aufgemotzte, legendäre Soundtrack das Spielgeschehen mehr als passend. Nach kürzester Zeit entwickelt sich die Bongo-Dschungel-Musik zu einem wahren Ohrwurm.

Hüpfen, Kisten, wirbeln!

Spielerisch bleibt „Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy“ der Vorlage treu. Neue Areale gibt es nicht, dafür aber den bewährten Mix aus anspruchsvollen Hüpf- und Geschicklichkeitspassagen. „Crash Bandicoot“ spielt sich nach wie vor ungewohnt. Denn hier wechseln sich 2.5D-Passagen – fast wie in einem Endless-Runner – mit traditionellen 2D-Abschnitten aus der Seitenperspektive ab. Timing spielt dabei eine gewaltige Rolle und gerade in der Anfangsphase des ersten Teils sterbt ihr tausende Bildschirmtode, werdet von Fallen zermalmt oder geht sonst wie drauf. Die beiden späteren Ableger balancieren den Schwierigkeitsgrad weitaus besser aus und sorgen so für einen flotteren Spielfluss.

Trotzdem: So knuffig, wie „Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy“ aussieht, ist es nicht. Das Spiel kalkuliert gelegentliches „Trial & Error“ gnadenlos ein und so werdet ihr einige Passagen mehrfach spielen müssen, um sie überhaupt zu bewältigen. Seine Langzeitmotivation bezieht das Jump’n’Run vor allem aus seinen vielen versteckten Geheimnissen. Gerade die Suche nach Spezial-Bereichen macht ordentlich Laune und wartet immer wieder mit befriedigenden Überraschungen auf.

Der Zahn der Zeit

„Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy“ bereitet die drei Playstation-Originale zweifellos klasse auf. Allerdings haben die Spiele bereits ihre Jahre auf dem Buckel und dadurch fühlen sich die Titel gelegentlich auch etwas altbacken an. Besonders „Crash Bandicoot“ selbst krankt an mangelnder Abwechslung und spielt sich auf Dauer einfach zu ähnlich. Glücklicherweise ist diese Problematik bei den Nachfolgern „Cortex Strikes Back“ und „Warped“ nicht mehr ganz so eklatant.

Jedoch ist die Steuerung aller Spiele nicht über jeden Zweifel erhaben. Gerade die Steuerung wirkt in anderen Spielen etwas direkter und durch die ungewohnte Perspektive fällt mitunter das Abschätzen von Distanz ein wenig schwer. Trotz flüssiger Bildrate kommt es – speziell in den Fahrzeugsequenzen – zu einer leichten Latenz. Diese ist zwar nur selten entscheidend, stört aber dennoch.

Meinung

„Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy“ ist purer Fanservice. Es bringt das Spielgefühl der Playstation-Klassiker zurück – mit all ihren Stärken und Schwächen. Denn sieht man einmal von der deutlich aufgewerteten Grafik ab, entführen einen die drei Spiele zurück zu den Anfängen der Playstation-Ära. Gerade in den ersten Stunde entsteht so ein herrliches Gefühl des Nach-Hause-Kommens. Endlich trefft ihr den verrückten Beuteldachs wieder und durchlebt noch einmal seine Abenteuer. Doch mit de Zeit verliert sich dieser Effekt ein wenig.

Und gerade das Erstlingswerk „Crash Bandicoot“ krankt mitunter an dem repetitiven Spielablauf und an der etwas trägen Steuerung. Die beiden übrigen Teile machen zwar vieles besser, hängen aber zuweilen in puncto Spielkomfort und Fairness manch anderem, aktuellen Titel hinterher. Trotzdem: Sucht ihr nach einem gelungen aufgefrischten Retro-Geschicklichkeitsspiel, dann ist „Crash Bandicoot: N-Sane Trilogy“ genau der richtige Kandidat für einen Trip zurück in die Playstation-Vergangenheit.

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