Hellblade Senua’s Sacrifice: Ninja Theory’s Action-Spektakel im Test

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Hellblade Senua’s Sacrifice: Ninja Theory’s Action-Spektakel im Test

Düster, emotional und bisweilen sogar verstörend: Ninja Theory's Action-Abenteuer „Hellblade“ begeistert im Test, auch wenn es nicht immer Spaß macht.

Ninja Theory steht für außergewöhnliche Spielideen mit einer meist extravaganten Präsentation. „Heavenly Sword“, „DMC: Devil May Cry“ oder auch „Enslaved“ waren zwar keine Kassenschlager, aber wahre Kritikerlieblinge. „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ könnte das gleiche Schicksal blühen. Das finstere Action-Abenteuer entführt euch in die Tiefen der Nordischen Mythologie und stellt eine unter Visionen und Wahnvorstellungen leidende Kriegerin in den Mittelpunkt. „Hellblade“schwankt zwischen Videospiel und großer Kunst, liefert aber stets eine der intensivsten Gaming-Erfahrungen des Jahres ab.

Die Stimmen in meinem Kopf

Bereits die ersten Sekunden werfen Fragen auf. Da rudert ihr an Bord eines Kanus über einen Fluss, vorbei an Zerstörung und Verwüstung. Senua seht ihr in diesen Momenten nur von hinten, jedoch scheint sie sich mit jemandem zu unterhalten. Als sie das Bötchen anlegt, quatschen die Stimmen weiter und Senua bleibt still. Die Kriegerin reist nach Helheim – die nordische Hölle – und hofft, durch einen Kampf mit den Göttern ihren Geliebten zu retten.

Senuas Wahnvorstellungen sind kein plattes Gimmick. Es ist Teil des Gesamtkonzepts. Das Spiel fordert euch auf, es mit Kopfhörern zu spielen. Nur so entfaltet sich die gesamte Atmosphäre. Die Stimmen schwirren durch Senuas Kopf. Sie streiten sich, sie plappern, sie warnen, sie verbreiten Panik und sie zweifeln. Sie unterstreichen nicht nur die ohnehin schon schaurige Stimmung, sie stressen einen in manchen Augenblicken, sorgen aber auch dafür, dass ihr euch niemals so wirklich alleine fühlen werdet.

Kämpfen und Rätseln

„Hellblade: Senua’s Sacrifice“ ist keine spielerische Offenbarung. Oftmals fühlt es sich eher wie ein Kunstfilm an. Ihr wandert durch zerstörte Landschaften, über zerklüftete Berge oder durch nebelbedeckte Dörfer. Die stets wellenweise abgehandelten Kämpfe laufen simpel ab: Ninja Theory schenkt euch harte und leichte Schläge, einen Nahkampfangriff, Blocks und Ausweichbewegungen. Sonderlich komplex ist das System nicht, dafür aber handlich und angenehm direkt. Tutorials gibt es im Übrigen nicht. Einzige Hilfe stellen bisweilen Senuas imaginäre Mitstreiter dar. Die Stimmen in ihrem Kopf warnen sie häufig vor hinterhältigen Attacken und sind somit eine willkommene Unterstützung. Allerdings führen sie einen manchmal an der Nase herum und lügen einen an. Einzige echte Schwachstelle ist in diesem Fall die wackelige Kamera. Diese kommt gerade bei mehreren Gegnern nicht hinterher. Das sorgt mitunter für Probleme.

Dazu baut Ninja Theory innovative Rätsel in das Geschehen ein. Erneut spielen Senuas Sinne eine entscheidende Rolle. An Runensteine vermerkte Hinweise entdeckt ihr nur durch das Fokussieren auf diese Bauten. Für das Öffnen bestimmter Türen müsst ihr dagegen Muster in der Umgebung finden. „Hellblade“ verzichtet vollständig auf Tasteneinblendungen oder Hinweise jeglicher Art. Dadurch wirken einzelne Ereignisse stärker und manche Szenen dank der prächtigen Inszenierung und dem wirklich überragenden Sounddesign umso bedrohlicher.

Auf der Suche nach dem Feuergott wandelt Senua beispielsweise auf dessen Pfad der Zerstörung und muss sich den Weg durch brennende Dörfer bahnen. Bei wem inmitten lodernder Flammen, schreiender Menschen und einer taumelnden Heldin nicht so etwas wie Panik aufkommt, der ist schon enorm abgebrüht.

Permadeath aus der Hölle

Das implementierte Permadeath-System unterstreicht das Gefühl der Kontrolllosigkeit und der Unterlegenheit noch einmal. Senua infiziert sich zu Beginn des Spiels mit der „Dunkelheit“. Solltet ihr über die rund sechs Stunden Spielzeit allzu oft draufgehen, verfällt Senua dem Wahnsinn und ihr müsst noch einmal von vorne anfangen. Ob ihr im Kampf, während der Rätsel oder bei den Geschicklichkeitspassagen scheitert, ist letztlich egal.

Glücklicherweise ist „Hellblade“ fein ausbalanciert und so bedarf es schon vieler Neustarts, um die Permadeath auszulösen. Stattdessen wirkt sich dieser Twist auf die Stimmung des Spiels aus. Kämpfe erscheinen dadurch bedeutungsvoller und Siege füllen sich wertiger an. Man weiß nie so genau, wann Senua der Permadeath ereilt und mit jedem Bildschirm mehren sich die üblen Gedanken. Wann droht der Game Over? Wie viele Fehler sind noch drin? „Hellblade“ ist nicht unbedingt spielerisch anspruchsvoll, aber ungemein nervenaufreibend.

Fazit

„Hellblade: Senua’s Sacrifice“ ist keine leichte Kost, aber ein verdammt spannenden Videospiel. Beim Test legten wir immer wieder kurze Pausen ein und erholten uns von den zuvor gesammelten Eindrücken. Senuas Kampf gegen die Kreaturen der Unterwelt und ihre eigenen Dämonen geht einem an die Nieren und zehrt gewaltig an den Nerven. Spielerisch ist „Hellblade“ sicherlich nur guter Durchschnitt: Hier ein paar Rätsel lösen, dort – dank des gefälligen Kampfsystems – einige Monster schlächten.

Kein Problem! Viel entscheidender für die Wirkung des Titels ist allerdings die Präsentation und im Speziellen das Sounddesign. Bereits in den ersten Minuten jagen einem die Stimmen in Senuas Kopf mächtig Angst ein. Später helfen sie einem oder führen einen gar hinter’s Licht. Dazu spart Ninja Theory nicht mit drastischen Motiven und Schreckmomenten, die durch die innovative Permadeath-Mechanik noch unterstützt wird. „Hellblade“ wird euch nicht immer Spaß machen, aber euch nachhaltig beeindrucken.

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