Project Cars 2 im Test: Die derzeit beste Rennsimulation

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Project Cars 2 im Test: Die derzeit beste Rennsimulation

Der Geruch von Benzin liegt in der Luft: Slightly Mads Rennsimulation „Project Cars 2“ eröffnet die Racing-Saison und legt im Test mächtig vor. Erfahrt, wieso gerade PS-Fans zugreifen sollten.

Rennspiele galten einstmals als ein aussterbendes Genre. Doch 2017 erleben sie ihre Wiedergeburt. Mit Titeln wie „Gran Turismo: Sport“, „Forza Motorsport 7“ oder „Need for Speed: Payback“ erscheinen in den kommenden Monaten gleich drei Hit-Kandidaten mit ordentlich Power unter der Motorhaube.

Slightly Mad Studios „Project Cars 2“ besitzt trotz des 2014 veröffentlichten und überaus erfolgreichen Vorgängers den vermeintlich kleinsten Namen, ist aber der hoffnungsvolle Außenseiter in dieser Konkurrenz. Wurde der erste Teil noch durch die Unterstützung der Community finanziert, ist „Project Cars 2“ ein rassiger AAA-Raser. Im Test beweist die Rennsimulation ihre Stärken vor allem auf der Strecke, krankt aber weiterhin an einigen altbekannten Schwachstellen.

Endlich auch für Einsteiger?

Der erste Teil richtete sich vorrangig an Rennspielprofis. Mit dem Nachfolger möchte das britische Entwicklerstudio seine Serie endlich für eine breitere Zielgruppe öffnen. Zu diesem Zweck tüftelt man mächtig an Hilfefunktionen. Wichtigste Neuerung ist der Renningenieur. Dieser freundliche Herr geleitet euch durch alle Bildschirme und erklärt die wichtigsten Funktionen. Wer beispielsweise keine Lust auf das Tuning hat, für den liefert er im einfachen Frage-Antwort-Spiel ein solides Setup für das nächste Rennen.

Darüber hinaus passt ihr euer Spielvergnügen euren Ansprüchen an. Wer maximalen Realitätsgrad sucht, der aktiviert die Einstellung „Authentisch“ und spielt so mit den Original-Einstellungen der Boliden. Das wiederum sorgt für einen gänzlich anderen Anspruch und sorgt immer wieder für Überraschungen, ob der Fahreigenschaften mancher Boliden.

Einsteiger dagegen greifen auf Brems- oder Lenkassistenten zurück. Lediglich die Ideallinienfunktion könnte noch ein wenig Feintuning vertragen. Leider ist diese Funktion alles andere als hilfreich und zeigt Bremspunkte etwas zu spät an. Insgesamt aber gibt sich „Project Cars 2“ insgesamt aber einen Hauch zugänglicher, sodass sich Einsteiger leicht zurecht finden.

Die Freiheit beim Fahren

So gönnt einem das Rennspiel besonders abseits der Karriere alle Freiheiten. In benutzerdefinierten Events greift ihr auf alle Autos und Strecken zurück und mischt diese mit den dynamischen Wetter- und Tages- und Nachtwechseln durch. Mit einem schnittigen Ferrari über die Schnee bedeckten Kurse Schwedens? Kein Problem! Oder doch lieber mit Ralley-Flitzern über die Nordschleife? Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Und auch wenn andere Rennspiele mehr Autos bieten, so verfügt „Project Cars 2“ über einen ausreichend großen Fuhrpark.

In diesem Fall kommen Qualität und Quantität zusammen. Denn alle Fahrzeuge steuern sich anders und vermitteln ein frisches Spielgefühl. Den besten Eindruck hinterlässt die Simulation natürlich mit Lenkrad und Pedalen. Mit Force-Feedback-Effekten kämpft ihr euch bei Regenwetter oder Schneetreiben durch die Kurven und merkt noch deutlicher, wenn die Qualität der Reifen nachlässt. Im Gegensatz zum Vorgänger aber macht „Project Cars 2“ auch mit dem Controller eine erstklassige Figur und damit jede Menge Spaß.

Die derzeit beste Rennsimulation

Die Fahrphysik hinter Slightly Mads Rennsimulation überzeugt auf ganzer Linie und so ist „Project Cars 2“ zum Testzeitpunkt das fortgeschrittenste Racing-Game für Konsolen. Gerade die Berechnung der Bodenbeschaffenheit und des Reifenabriebs suchen aktuell ihresgleichen. 18 Wetterbedingungen beeinflussen dynamisch die Verhältnisse auf der Strecke und so müsst ihr eure Strategie immer wieder anpassen, um euch nicht selbst in Bedrängnis zu bringen.

Die Gegner-KI ist (noch) nicht auf dem Niveau der Konkurrenz, aber durchaus auf einem soliden Level. Die Computer-Piloten machen Fehler und lassen sich ebenfalls stufenlos einstellen. Der Rennalltag von „Project Cars 2“ hat es zweifellos in sich und kein Event fühlt sich wie der letzte an. Ein Patentrezept für den Sieg gibt es nicht, vielmehr entscheidet letztlich immer noch das eigene Können. Schließlich lässt Slightly Mad ganz bewusst Hilfen wie die Rückspulfunktion außen vor und setzt stattdessen auf Authentizität und Anspruch.

Karriere vom Reißbrett

„Project Cars 2“ bietet einen gewaltigen Umfang, doch die meisten werden sich nach dem ersten Start zunächst in den Karrieremodus stürzen. Doch dieser wirkt leider trotz einiger Neuerungen allzu nüchtern und trocken. So schön ein paar Einspieler und der Trophäenschrank auch sein mögen, so fühlt sich das Bewältigen der über 25 verschiedenen Klassen eben doch nur wie eine lose Aneinanderreihung von Einzel-Events an. Hier bieten andere Spiele weitaus mehr und erzeugen deutlich mehr Emotionen. Slightly Mads Raserei leistet sich keine schwerwiegenden Fehler, wirkt aber in der Karriere zu souverän und lässt die Liebe zum Detail vermissen, die das übrigen Renngeschehen auszeichnet.

Meinung

„Project Cars 2“ ist genau das, was sich alle davon versprochen haben – eine erstklassige Rennsimulation. Seine Stärke spielt der Titel aber vor allem auf der Strecke aus. Der Detailgrad, mit dem Slightly Mad Studios das Geschehen auf dem Asphalt nachbaut, ist enorm beeindruckend. Gerade die Berechnung des Grips, des Reifenzustands und natürlich des Wetters gehören zum besten, was man in letzten Jahren in einer derart großen Produktion gesehen hat.

Selbst mit einem Gamepad spürt ihr die Unterschiede im Handling und erkennt Kleinigkeiten anhand der Steuerung und des Fahrverhaltens. Dazu glänzt das Spiel – im Gegensatz zum Vorgänger – mit seiner gelungenen Technik und der guten Konsolenanpassung. „Project Cars 2“ ist ein zweifellos herausragendes Rennspiel, allerdings krankt gerade die Karriere an akuter Ideenarmut und ist garantiert kein Grund das Rennspiel zu kaufen. So groß Umfang und Lizenzpaket sein mögen, seine Faszination bezieht die Simulation hauptsächlich aus der erstklassigen Fahrphysik und dem genialen Realitätsgrad. Ob das aber auch reicht, um den Mainstream zu erreichen, werden die nächsten Wochen zeigen!

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