Mikrotransaktionen und Lootboxen: CSU, SPD und Freie Wähler schalten sich ein

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Mikrotransaktionen und Lootboxen: CSU, SPD und Freie Wähler schalten sich ein
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Zumindest in Bayern sind die Mikrotransaktionen bzw. kostenpflichtigen Lootboxen zu einem politischen Thema geworden. CSU, SPD und Freie Wähler fordern in Eilanträgen eine Untersuchung der Angelegenheit und zum Teil eine Anpassung der Richtlinien der USK und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM).

Mikrotransaktionen haben nicht nur die internationale Politik erreicht, auch in Deutschland tut sich etwas. In der 117. Sitzung des Bayerischen Landtags wurde am gestrigen Mittwoch über mehrere Dringlichkeitsanträge abgestimmt, die sich den Themen Lootboxen, Glücksspiel und Jugendschutz widmen. Da ihnen zum Teil stattgegeben wurde, wird sich die von der CSU geführte Bayerische Staatsregierung mit dem Thema auseinandersetzen.

Zugleich erfolgte die Aufforderung, die Kommission für Jugendmedienschutz einzuschalten. Letztendlich werden eine bessere Aufklärung der Jugendlichen, eine verbesserte Transparenz seitens der Hersteller und eine Überprüfung der gesetzlichen Handlungsspielräume angestrebt. Zunächst starteten die Freien Wähler eine Initiative. Angestrebt wird, dass Spiele mit kostenpflichtigen Lootboxen oder ähnlichen Mechaniken von der USK keine Jugendfreigabe mehr erhalten.

In der Begründung heißt es: "In der Computerspiele-Industrie nimmt ein Trend deutlich zu, dass in Computerspielen zusätzliche Inhalte über sogenannte 'Beuteboxen' (engl. 'loot boxes') käuflich erworben werden können oder sogar müssen. Dieser Trend, der zunächst vor allem bei sog. 'Free2Play'-Titeln, also Spielen bei denen eine Art 'Basis-Spiel' gratis angeboten wird, für zusätzliche Einnahmen sorgte, wird zunehmend auch in Vollpreisspielen eingesetzt, um den Herstellern / Vertreibern der Spiele über den Erstverkauf hinausgehend möglichst dauerhafte Zusatzeinnahmen zu ermöglichen."

Weiter: "In diesem Zusammenhang ist auch eine Entwicklung erkennbar, wie zum Beispiel beim topaktuellen Titel 'Star Wars: Battlefront2' der Firma Electronic Arts (EA), dass solche Beuteboxen nicht vorzugsweise 'kosmetische' Inhalte gegen Zusatzgeld bereitstellen, sondern für das Spielgeschehen und den Spielerfolg wesentliche Elemente enthalten sollen."


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Der medienpolitische Fraktionssprecher Michael Piazolo ist der Ansicht, dass diese Beuteboxen eindeutig im Bereich Glücksspiel einzuordnen sind. Daher wird eine Änderung des Jugendschutzgesetzes inklusive klarer Vorgaben für die USK und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gefordert. Ziel ist es offenbar nicht, derartige Mechaniken grundsätzlich zu verbieten, sondern für einen verbesserten Jugendschutz zu sorgen. Allerdings wurde der Antrag abgelehnt.

Auch die CSU und SPD stellten eigene Eilanträge und hatten Erfolg. In einem Dokument der Sozialdemokraten heißt es in Bayern: "Die Staatsregierung wird aufgefordert, dem Landtag schriftlich und mündlich zu berichten, wie sie den zunehmenden Einsatz von offensichtlichen Glücksspielelementen in Computerspielen jugendschutzrechtlich bewertet, welche konkreten Suchtgefährdungen von Kindern und Jugendlichen sie erkennt und welche gesetzgeberischen Handlungsmöglichkeiten und Handlungsaufträge sie sieht: mit Blick auf das Jugendschutzgesetz, auf die Leitlinien für die Prüfung und Altersfreigabe durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) und mit Blick auf den Glücksspiel-Staatsvertrag (GlüStV)."

Von der CSU heißt es: "Die Staatsregierung wird aufgefordert, 1. sich weiterhin für einen zeitgemäßen Jugendschutz bei Online-Computerspielen einzusetzen und 2. die Problematik der sog. Lootboxen verstärkt bei den Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz in Bayern zu berücksichtigen.“ Eine generelle Freigabe ab 18 Jahren für Spiele mit Lootboxen lehne man ab.

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