Need for Speed Payback: Der Test zu Ghost Games' Open-World-Racer

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Need for Speed Payback: Der Test zu Ghost Games' Open-World-Racer

Hollywood, schnelle Autos und eine offene Spielwelt: Macht „Need for Speed: Payback“ den verkorksten Vorgänger vergessen und bringt endlich wieder das Prestige in die Rennserie zurück?

In kaum einem Jahr wurde so viel virtuelles Benzin verbrannt wie 2017. In den letzten Monaten gingen etwa „Project Cars 2“, „Gran Turismo Sport“ und "Forza Motorsport 7“ auf die Strecke. Doch obwohl all diese Simulationen überzeugten, so fehlte doch bislang eins: Ein launiger Arcade-Racer, bei dem man auch mal das Gehirn abschalten konnte. „Need for Speed: Payback“ will diese Alternative sein.

Nach dem ziemlich missglückten Neustart der Serie vor zwei Jahren – mitsamt peinlicher Zwischensequenzen – schneidet sich das Entwicklerteam von Ghost Games ein dicke Scheibe von „Fast & Furious“ ab und entführt euch in das offene Areal des Fortune Valleys. Doch auch in der Welt der Gangster und Kartellen ist längst nicht alles Gold was glänzt.

Doof, aber unterhaltsam

„Need for Speed: Payback“ spielt mit Hollywood-Anleihen und so sollte niemand eine anspruchsvolle Geschichte erwarten. Stattdessen dreht sich hier alles um den Zusammenhalt der eigenen Crew und um Rache an dem Kartell „The House“. Denn nachdem eure erste Mission schief geht, splittet sich die Gruppe bestehend aus Rennfahrer Tyler Morgan, Drift- und Offroad-Spezialist Mac und „Wheelman“ Jesse.

Höhepunkt des Spiels sind zweifellos die wenigen Blockbuster-Missionen. In diesen Einsätzen geizt Entwickler Ghost Games nicht mit spektakulären Verfolgungsjagden und einer tollen Inszenierung. Zwar gibt es keinen Koop-Modus, jedoch schneidet „Need for Speed: Payback“ so geschickt zwischen den Charakteren hin und her, dass echtes Team-Gefühl aufkommt. Ganz egal, ob ihr euch mit Kartellschergen oder der Polizei anlegt – die schnellen Wechsel der Charaktere und ihrer Fahrzeuge funktionieren klasse und unterstreichen die Dramatik. Dazu gibt es natürlich reichlich Schrott: Zerstörte Fahrzeuge crashen in herrlichen Zeitlupenszenen.

Die Story selbst bewegt sich auf solidem „Fast & Furious“-Niveau. Dafür gewinnt Ghost Games sicher keinen Oscar, aber überflügelt – trotz peinlicher Momente – den absolut schrecklichen Vorgänger. Die Filmsequenzen laufen diesmal in vorgerenderten Passagen ab.

Karten statt Mechaniker

In den ersten Stunden motiviert „Need for Speed: Payback“ enorm. Die Missionen sind solide erzählt, die Verfolgungsjagden launig und das Tuning sorgt nicht zuletzt für das letzte Quäntchen Spielspaß. Ihr motzt eure Fahrzeuge nämlich mit sogenannten Speed Cards auf. Sie decken nicht nur Bereiche wie Bremsen oder den Motorblock ab und beeinflussen damit die Fahreigenschaften, sie stammen auch von bestimmten Marken. Bringt ihr drei oder mehr Bauteile des gleichen Herstellers zusammen, gibt es einen Bonus.


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Das Kartensystem hat es gerade in der Anfangsphase in sich. Ständig bessert ihr eure Fahrzeuge auf und bekommt so das Gefühl des konstanten Fortschritts. Doppelte Karten verkauft ihr oder tauscht sie gegen Tokens mit denen ihr neue Karten auswürfeln lasst. Steigt ihr dagegen eine Stufe auf, erhaltet ihr als Belohnung eine „Lieferung“ bestehend aus Ingame-Dollars, einen Token und ein Deko-Objekt. Der Haken an „Need for Speed: Payback“: Wer Geld investiert, kann sich mit Speed Points Lootboxen kaufen. Sie beinhalten gleich fünf Objekte und beschleunigen den Spielablauf merklich. Natürlich könnt ihr alles selbst frei spielen, doch wer bereit ist Geld zu investieren, kommt zweifellos schneller voran.

Die Höhen und Tiefen der Straße

Das Tuning-System beißt sich zudem irgendwann in den Schwanz. Zwar macht das Aufmotzen der Drift-, Offroad- oder Straßenflitzer absolut Spaß, jedoch könnt ihr Karten nicht mehrfach benutzen. Wechselt ihr also den Wagen, müsst ihr wieder von vorne anfangen. Das wiederum führt zum langatmigen Wiederholen bestimmter Missionen. Dabei überzeugt „Need for Speed: Payback“ auf der Strecke: Die Wagen steuern sich individuell. Fahr- und Geschwindigkeitsgefühl sind klasse. Das Spiel ist ein Fun-Racer, wie er im Buche steht und dadurch findet jeder schnellen Zugang.

Allerdings gibt es da auch einige Schwächen, die die Begeisterung merklich schmälern: Das Missionsdesign ist abseits der Blockbuster viel zu eintönig. Oftmals fühlt es sich wie Fließbandarbeit an. Dieser Eindruck verfestigt sich noch, da ihr in Fortune Valley ansässige Gangs rekrutieren und dafür eine Reihe von Rennen absolvieren müsst. Zwar variiert Ghost Games die Aufgaben dank der fünf Renndiszipinen, insgesamt aber kommt zu schnell Routine auf. Darüber hinaus stört einmal mehr die Gummiband-KI der Computer-Konkurrenz: Zu oft halten die Kollegen Abstand und agieren insgesamt nicht clever genug.

Die offene Spielwelt wirkt zudem arg steril und leblos. Selbst in den Städten gibt es keinerlei Fußgänger und auch der zivile Verkehr ist vergleichsweise ruhig. „Coole“ Schauplätze wie etwa in „Forza Horizon“ suchen wir vergeblich. Immerhin: Ähnlich wie bei der Konkurrenz buddeln wir im neuen „Need for Speed“ versteckte Fahrzeuge aus und rüsten diese auf. Sie gehören zu den mächtigsten Autos im Spiel und so lohnt sich zumindest die mühevolle Suche.

Fazit

„Need for Speed: Payback“ überholt seinen glücklosen Vorgänger mühelos. Allerdings ist das auch nicht allzu schwer. Auf höchstem Niveau fährt Ghost Games' Hollywood-Raser trotzdem nicht mit. Dem Spiel mangelt es leider an Konstanz und während es über weite Strecke durchaus Laune bereitet, so gibt es etliche Designentscheidungen, die einem die Freude am Fahren verhageln können. Immerhin: Die Blockbuster-Missionen rocken und sind – trotz der durchwachsenen Geschichte – ein Kaufgrund. Die Inszenierung dieser wenigen großen Einsätze ist erstklassig. Dem gegenüber stehen aber Fließbandeinsätze in einer allzu toten und ereignislosen Spielwelt.


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Auch auf der Strecke lösen sich Licht und Schatten ab. Die eigentliche Fahrphysik ist gut gelungen und passt perfekt zu den Arcade-Wurzeln der Serie. Doch die Gummiband-KI und die teils langweiligen Strecken schaden der Motivation enorm. Das Tuning leidet unter den allzu offensichtlich eingebauten Lootboxen. „Need for Speed: Payback“ ist zwar eine Alternative zu „Project Cars 2“, „Gran Turismo Sport“ und „Forza Motorsport 7“, spielt aber leider nicht sein volles Potenzial aus. Trotzdem ist es ein unterhaltsamer Arcade-Flitzer für all die, die nach seichter Unterhaltung suchen und bei allen Stärken auch einige Schwächen in Kauf nehmen.

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