Star Wars Battlefront 2: Der Test zum "Skandal-Shooter"

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Star Wars Battlefront 2: Der Test zum "Skandal-Shooter"

Wenn Luke Skywalker über Lootboxen stolpert: „Star Wars Battlefront 2“ sorgt für Unmut in der Gaming-Community. Wie schlägt sich der „Star Wars“-Shooter im Test?

Über wenige Spiele wurde bereits im Vorfeld so viel diskutiert wie über „Star Wars Battlefront 2“. Noch vor einigen Monaten galt der vom schwedischen Entwickler DICE produzierte Lizenztitel als potenzieller Weihnachtshit. Schließlich wird der „Star Wars“-Hype im Zuge der Filmveröffentlichung von „Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi“ noch mal in Unermessliche steigen.

Doch wenige Tage vor Release machten sich dunkle Wolken breit. Mikrotransaktionen und scheinbares Pay-to-Win sorgten für einen Shitstorm sondergleichen. Nun steckt Electronic Arts in der Zwickmühle und betreibt zunächst Schadensbewältigung. Doch wie gut oder schlecht ist „Star Wars Battlefront 2“ jetzt wirklich?

Endlich eine Kampagne

Der größte Kritikpunkt an dem auf lockere Online-Schlachten ausgelegten Vorgänger war der fehlende Einzelspielermodus. „Star Wars Battlefront 2“ lockt daher mit einer Kampagne. In der nach den Geschehnissen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesiedelten Geschichte kontrolliert ihr Commander Iden Versio. Sie ist eine Spezialistin des Imperiums und befehligt die Elitetruppe Inferno Squad. Mit vier- bis maximal sechs Stunden erweist sich der Story-Modus leider als sehr kurz und vor allem vorhersehbar. Echte Überraschungen gibt es nicht – weder spielerisch, noch innerhalb des Plots. Immerhin ist das Spiel betont abwechslungsreich. So streut DICE neben klassischen Bodenmissionen auch Weltraum- und Heldeneinsätze mit ein.

Das sorgt zumindest dafür, dass in Kombination mit der wirklich erstklassigen Inszenierung keine Langeweile auf. Zugegeben, die Missionen verdienen keinen Innovationspreis und orientieren sich stark am Multiplayer-Gameplay, trotzdem bereiten die griffigen Schusswechsel durchaus Laune. Leider ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer und der Arcade-Modus wird wohl – trotz Splitscreen-Einbindung – die wenigsten langfristig bei der Stange halten. Die ständigen Wellenangriffe eignen sich höchstens für zwischendurch.

Online-Qualitäten und zweifelhafte Designentscheidungen

Der Mehrspielermodus bleibt letztlich der Hauptgrund, weshalb ihr „Star Wars Battlefront 2“ spielen solltet. Dieser bringt einige wichtige Änderungen mit sich und richtet sich längst nicht nur an Shooter-Padawans, sondern auch an erfahrenere Spieler. Zunächst gibt es neuerdings vier Soldatenklassen (Angreifer, Spezialist, Offizier und Schwer), die wiederum über über vier Primärwaffen verfügen, die ihr im Verlauf freischaltet.

Aber wie spielt sich „Star Wars Battlefront 2“ denn nun? Sehr gut. Gerade der „Galaktische Angriff“ – ehemals Walker-Angriff – macht richtig Laune und bietet knackige 40-Spieler-Schlachten in toller Kulisse wie etwa auf Hoth oder Endor. Die Präsentation fällt noch einen Hauch üppiger aus als im Vorgänger. Natürlich fallen die Schlachten vergleichsweise chaotisch aus, doch das Abarbeiten der Missionsziele – wie etwa dem Bewachen der AT-AT-Walker und dem anschließenden Infiltrieren der Basis – erzeugt einfach einen enormen Wiedererkennungswert.

Im Verlauf der Gefechte schaltet ihr zudem Helden oder Fahrzeuge frei und rauscht dann etwa im X-Wing über das Schlachtfeld oder kontrolliert Han Solo. Ebenfalls schön: Im „Helden vs. Schurken“-Modus gehen sich nun vier hochrangige Recken der hellen und der dunklen Seite ans Leder. Dadurch herrscht von Beginn an Chancengleichheit und somit fühlt sich diese Variante besser an als im Vorgänger. Und Sternenjäger-Angriff zeigt, dass eine Neuauflage von „X-Wing vs. Tie-Fighter“ gar nicht so weit entfernt ist. Zwar ähnelt dieser Modus den Bodeneinsätzen in puncto Aufbau stark, jedoch bringt er dennoch einen Twist mit sich.

Wären da nur nicht die ewig langen Freischaltzeiten und das extrem zähe Fortschrittssystem. Spieler wurden in den vergangenen Jahren darauf konditioniert, dass sie für jede Aktion irgend etwas bekommen. In „Star Wars Battlefront 2“ lässt man sie dagegen häufig am ausgestreckten Arm verhungern. So bezieht es unserer Meinung nach die Motivation hauptsächlich aus dem gut umgesetzten Shooter-Gameplay selbst. Wem das nicht reicht, der muss entweder grinden oder sich ein anderes Spiel suchen.

Die Mikrotransaktionsbaustelle

Vor ein paar Tagen hätten wir an dieser Stelle noch über Lootboxen und andere Probleme geschimpft. Denn in „Star Wars Battlefront 2“ herrschte ein klares Bezahlsystem vor, das dem Spieler das Geld aus den Taschen ziehen sollte. Wo andere Titel lediglich kosmetische Items gegen Geldeinsatz anbieten, da gab es in „Star Wars Battlefront 2“ Lootboxen mit deren Inhalt ihr – wahlweise direkt oder über Crafting – euren Spieler aufwerten konntet.

Das Ergebnis: Wer zusätzlich zum Kaufpreis Geld investiert, der kommt nicht nur schneller voran, sondern hat in einem auf Wettbewerb ausgelegten Spiel einen glasklaren Vorteil. Die Community lief Sturm und nachdem Electronic Arts und DICE bereits im Vorfeld Änderungen am System vornahmen, entfernten sie die Mikrotransaktionen zum Start des Spiels. Aber wie geht es jetzt weiter? Fest steht, dass Mikrotransaktionen wohl ein Teil des Spiels bleiben, aber grundlegend überarbeitet werden sollen. Ob das die erhoffte Trendwende bringen wird, bleibt aber abzuwarten. Wir halten euch in den kommenden Wochen weiter auf dem Laufenden.

Meinung

„Star Wars Battlefront 2“ ist weder Fisch noch Fleisch. Allein die Problematik der eingebauten und wieder entfernten Mikrotransaktionen zeigt, dass Electronic Arts zwischen Kundenservice und Gewinnorientierung mäandert. Diese konzeptionelle Schwäche schadet dem Spielspaß massiv und erzeugt automatisch ein merkwürdiges Bauchgefühl. Dabei ist „Star Wars Battlefront 2“ kein schlechtes Spiel: Die Kampagne ist mit ihren fünf bis sechs Spielstunden vergleichsweise kurz und nicht sonderlich anspruchsvoll.

Dafür erweist sie sich aber als durchaus abwechslungsreich und vor allem toll präsentiert. Die verschiedenen Multiplayer-Spielarten bleiben aber der Kaufgrund und zumindest auf dem Schlachtfeld selbst überzeugt der „Star Wars“-Shooter durchaus und die Weltraumschlachten verdienen fast schon ein eigenes Spiel. Der zähe Spielfortschritt erschweren aber eine eindeutige Kaufempfehlung und wer bislang noch nicht zugeschlagen hat, dem würden wir zunächst empfehlen abzuwarten. Denn „Star Wars Battlefront 2“ benötigt noch einiges Feintuning, ehe der gute Gameplay-Kern sich wirklich gegen die vielen zweifelhaften Designentscheidungen durchsetzen kann.

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