The Inpatient im Test: Was taugt der PlayStation VR-Schocker?

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The Inpatient im Test: Was taugt der PlayStation VR-Schocker?
PS4

Schrecklich schön oder ganz schön schrecklich? Die „Until Dawn“-Macher entführen euch in „The Inpatient“ in die Irrenanstalt – mit gemischtem Erfolg.

Horrorspiele und PlayStation VR – Das kann funktionieren. Capcom bewies Anfang 2017 mit „Resident Evil 7“, dass das Spiel mit der Angst auch in der virtuellen Realität mächtig Stimmung verbreiten kann. Das 2015 veröffentlichte Adventure „Until Dawn“ von Supermassive Games jonglierte fröhlich mit allen Klischees des Teenie-Horrors und würzte seine Geschichte mit Entscheidungsmöglichkeiten. Heraus kam ein erstaunlich abwechslungsreiches und vor allem unterhaltsames Grusel-Spektakel.

Drei Jahre später schickt Supermassive Games das exklusiv mit PlayStation VR spielbare „The Inpatient“ ins Rennen. Das Abenteuer fungiert als Prequel zu „Until Dawn“ und weist euch als Insasse in das Blackwood Sanatorium ein. Doch die Qualitäten des Hauptspiels erreicht der VR-Ableger leider nicht.

Ahnungslos in der Irrenanstalt

Nachdem ihr Geschlecht und Hautfarbe eurer Spielfigur ausgewählt habt, verschlägt es euch in die Anstalt. „The Patient“ greift auf das im virtuellen Grusel sehr beliebte Startmotiv der Amnesie auf. Ihr findet euch also in einem Untersuchungsraum wieder, in dem der Doktor beruhigend auf euch einredet. Das einzige Problem: Euer Charakter hat keine Ahnung, wer er oder sie ist, noch wieso er oder sie sich in der Einrichtung befindet.

In dieser ersten Phase des Spiels lernt ihr das Blackwood Sanatorium kennen. Ein wichtiges Stilmittel durch das gesamte Spiel bildet die tolle Soundkulisse: In der Anfangsphase hört man immer wieder Schreie, die durch die Gänge hallen. Später spielt „The Inpatient“ gekonnt mit typischen Grusel-Klängen und erzeugt dadurch mächtig Stimmung.

Erfüllt Blackwood tagsüber noch das Vorurteil des moderigen Irrenhauses, plagen euch des Nachts fiese Albträume. Mit ihren plötzlichen Schreckmomenten bilden sie einen schönen Kontrast zu den gewollt monotonen Tagen.

Die Angst geht um

Doch das alles ändert sich mit einem Schlag. In der zweiten Hälfte des Spiels orientiert sich „The Inpatient“ stärker am traditionellen Madhouse-Horror. Blutspuren an den Wänden, mysteriöse Geräusche und vor allem ein Gefühl der Einsamkeit und Machtlosigkeit. Plötzlich spielt vor allem der die Patienten plagende Hunger eine entscheidende Rolle und treibt sie aus ihren Zellen, ehe später der aus „Until Dawn“ bekannte Fluch ins Zentrum des Interesses rückt.

Doch die Klasse des Grusel-Adventures „Until Dawn“ erreicht „The Inpatient“ leider viel zu selten. Gerade die Nebencharaktere wirken allzu blass. Das verhindert eine emotionale Bindung zu ihnen. Dadurch verlieren die erneut ins Spiel integrierten Entscheidungsmöglichkeiten inklusive Schmetterlingseffekt spürbar an Bedeutung. Hatte man in „Until Dawn“ gelegentlich das Gefühl, als wäre man der Regisseur in einem Teenie-Gruselfilm, entfällt dieser Eindruck in „The Inpatient“. Trotz anderer Figuren seid ihr doch eher auf euch gestellt und die übrigen Charaktere sind eher Beiwerk.

Das schränkt auch den Wiederspielwert ein. Bei einer Spielzeit von maximal drei Stunden solltet ihr trotzdem einen zweiten Anlauf wagen und ruhig das andere Geschlecht ausprobieren. Kontrolliert ihr eine Frau, variieren viele Dialogzeilen und Optionen. Sehr schön: Dank der integrierten Spracherkennung müsst ihr Antworten nicht zwangsläufig anklicken, sondern lest sie einfach ab. Das System funktioniert überraschend gut und erhöht zudem die Immersion.

Orientierungsprobleme

Technisch zeigt „The Inpatient“ Licht und Schatten. Grafik und Sound sind – trotz typischem Kantenflimmern – auf höchstem Niveau. Gerade die Gesichter der Charaktere können sich absolut sehen lassen und wirken noch einen Hauch natürlicher als in „Until Dawn“. Aufgrund des sehr gemächlichen Spieltempos kommt auch bei längeren Ausflügen in die VR-Welt keine Übelkeit auf.

Doch leider trübt die problematische Steuerung das Spielvergnügen. Grundsätzlich bietet das Spielen mit zwei Move-Controllern mehr Möglichkeiten. Mit zwei virtuellen Hände etwa könnt ihr bestimmte Gegenstände greifen und mit ihnen interagieren. Nachteil: Das Handling ist unnötig kompliziert und es ist nicht möglich, rückwärts zu gehen. Stattdessen müsst ihr euch schrittweise umdrehen. Mit dem Controller läuft das generell besser, jedoch ist die Handhabung der Taschenlampe auf Basis der Bewegungssensoren mitunter fummelig.

So wirklich intuitiv spielt sich „The Inpatient“ also weder mit den Move-Controllern noch mit dem Gamepad. Sehr schade: Allzu komplex geht es im Spiel ohnehin nicht zu. Letztlich öffnet ihr lediglich Türen, führt Gespräche und sucht die Areale nach Hinweisen ab. Etwas mehr Abwechslung wäre nett gewesen.

Meinung

"The Inpatient“ erweist sich als Wechselbad der Gefühle: Gerade die erste Hälfte des Spiels ist geprägt durch die wirklich intensive Atmosphäre und das subtile Gefühl der Bedrohung. Danach verliert sich das Spiel leider und das schwache Charakterdesign verwässert die Entscheidungsmöglichkeiten spürbar. Das Gameplay bleibt über die maximal drei Stunden Spielzeit nur durchschnittlich und besonders die unpräzise Steuerung erschwert einem – trotz guter Ideen wie der Spracherkennung – das Eintauchen in die Spielwelt. Entscheidender Kritikpunkt des eigentlich soliden Gruselvergnügens bleibt aber der hohe Preis: 40 Euro für gerade einmal drei Stunden Spielzeit und eingeschränktem Wiederspielwert sind einfach zu viel.

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