Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs: Der Test zur großen Fortsetzung

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Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs: Der Test zur großen Fortsetzung
PS4

Auch wenn so mancher Spieler schon länger darauf spekulierte, war lange Zeit nicht klar, ob ein Nachfolger für "Ni no Kuni - Der Fluch der weißen Königin" erscheinen wird. Nach einer überraschenden Ankündigung und zwei Verschiebungen erscheint nun "Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs" und verspricht erneut ein märchenhaftes Erlebnis. Ob das JRPG den Fußstapfen des Vorgängers gerecht wird, verrät der Test.

Dass das Entwicklerstudio Level-5 weiß, was ein gutes JRPG ausmacht, konnten sie bereits mehrfach beweisen. Auch, dass sie ein Händchen für außergewöhnliche Spielmechaniken besitzen, ist sicher kein Geheimnis. Immerhin zeigt sich das Studio für Spiele wie "Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin", aber auch die Reihe um "Professor Layton" verantwortlich. Nun wird ihr Können erneut auf die Probe gestellt. Angesichts des Erfolgs von "Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin" fallen die Erwartungen entsprechend hoch aus, immerhin gilt das JRPG von 2010 bereits seit längerem als Pflichtprogramm für Fans von japanischen Rollenspielen.

Eine Reise – Tausend Geschichten

Ohne zu viel zu verraten, lässt sich die Handlung von "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" in etwa so umschreiben: Ihr begleitet Evan, der seinem Anrecht auf den Thron beraubt wurde. Sein Ziel ist es, ein eigenes Königreich zu gründen, was sich schnell als große Herausforderung entpuppt. Auf seiner Reise lernt er interessante Charaktere kennen, die sich ihm anschließen und ihm bei seinem Vorhaben unterstützten.

Die Geschichte an sich ist recht einfach gestrickt, schöpft allerdings im Detail aus den Vollen. Sowohl die Helden, die in direktem Kontakt mit dem Protagonisten stehen, als auch kleinere Rand-Figuren ergänzen die Handlung um komplexe Nebenzweige und weiten die zunächst überschaubare Mission um etliche Erzählungen aus.

Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs - Review - Test - PlayM - 01

Hier macht sich bereits die Verwandtschaft zum Vorgänger deutlich. "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" gelingt es auf ähnlich verspielte Weise, euch in ein wohliges Gewand aus Märchengeschichten zu packen und in eine Fantasie-Welt zu entführen, die ihr am liebsten gar nicht mehr verlassen würdet.

Woran es dem zweiten Teil allerdings etwas fehlt, ist die Komplexität im Großen. Nicht nur die Dimensionssprünge verhelfen dem Vorgänger zu Tiefgang. "Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin" erzählt eine Geschichte, deren tragische Elemente über eine fiktive Verbindung zwischen Realität und Spiel hinaus funktioniert.

"Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" reicht nicht ganz an die Tragik des Vorgängers heran, schafft es aber dennoch mit einer angenehmen Leichtigkeit, dass euch die Figuren ans Herz wachsen und lässt es sich nicht nehmen, euch viele spannende Geschichten zu erzählen, die euch berühren.

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Ein Königreich baut sich nicht von alleine auf

Während übergeordnete Elemente, wie eine Weltkarte und Overworld-Reisen dem Vorgänger noch recht ähnlich sind, wagt sich "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" in Sachen Spielmechanik großteils an neue Ufer. Die aktionsbasierten Kämpfe weichen "Hack ’n Slay"-Gefechten, was im ersten Moment ungewohnt, langfristig aber eine willkommene Entscheidung ist.

Denn die Aufeinandertreffen mit den teilweise in großer Zahl antretenden Gegnern machen unheimlich viel Spaß. Hierfür verantwortlich ist nicht nur der Umstand, dass die Steuerung intuitiv und schön direkt ist. Auch die vielen taktischen Optionen, die euch zur Verfügung stehen, bereichern die Kämpfe ungemein.

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So habt ihr die Wahl zwischen bis zu drei Nahkampfwaffen, modifizierbaren Fernangriffen und Zaubersprüchen, was gemeinsam mit Kontern und Ausweichmanövern schon für reichlich Variation sorgt. Zusätzlich habt ihr die Möglichkeit zwischen bis zu drei Figuren zu wechseln und auf die Hilfe der Gnuffis zurückzugreifen.

Letztere unterstützen euch eher passiv, doch stellen einen ähnlich wichtigen Aspekt wie Rüstungen oder Waffen dar. Die kleinen Geister bringen je nach Art sowohl schützende, als auch stärkende Funktionen aufs Schlachtfeld und aktivieren auf Zuruf spezielle Attacken und andere magische Fertigkeiten.

Spätestens ab hier dürftet ihr feststellen, dass "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" mit der technischen Komplexität seines Vorgängers durchaus mithalten kann. Und eigentlich geht es sogar weit darüber hinaus.

Denn wenn ihr nicht gerade in Kämpfe verwickelt ihr seid, erkundet ihr eine wunderbar verwobene Spielwelt, meistert taktische Kriege, in denen ihr Armeen steuert, unterhaltet euch mit Bewohnern oder löst eine von unzähligen Zusatzaufgaben und Missionen.

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Zusammengehalten werden die vielen spielbaren Elemente von der Verwaltung eures Königreichs. Hier ist den Entwicklern zweifelsfrei ein kleines Kunststück gelungen. Sämtliche Verbesserungen und Erleichterungen, die sich in anderen Spielern auf Skilltrees befinden, schaltet ihr in "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" durch den Bau von Gebäuden und Forschung frei. Dabei erzeugt der Aufbau der Stadt eine ähnlich intensive Sogwirkung wie Idle-Miner auf Smartphones.

Und begeistert euch der Ausbau eures Reichs noch nicht genug, dann vielleicht die Rekrutierung und Verwaltung der unzähligen Talente, die sich als Bewohner eures Landes aktiv am Fortschritt beteiligen. Hier setzt "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" auf einen ähnlichen Sammeldrang wie "Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin" mit den Vertrauten erzeugen konnte.

Es ist bemerkenswert, mit welch einer Leichtigkeit es "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" gelingt, so viele Spielmechaniken auf sinnvolle Weise zu verbinden. Der Spielfluss nimmt von Beginn an in einem angenehmen Tempo Fahrt auf und selbst nach über dreißig Stunden warten noch neue Entdeckungen und Abläufe auf euch.

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Großes Kino mit Abzügen in der B-Note

Was unzählige Videos vor der Veröffentlichung bereits vermuten ließen, bestätigt sich auch im Spiel selbst: "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" sieht großartig aus. Der Ruf eines spielbaren "Studio Ghibli"-Films, den der erste Teil einheimsen konnte, gilt voll und ganz auch für die Fortsetzung.

Vor allem in Anbetracht des enormen Umfangs verdient die Darstellung ein großes Lob. Sowohl die Spielwelt, als auch die Figuren treffen zielsicher in euer Herz, solltet ihr zugänglich für Märchen oder Anime sein.

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Auf ähnlich hohem Niveau spielt sich auch der Soundtrack ab, allerdings neigen manche Musikstücke dazu, sich etwas schneller abzunutzen. Hier und da wirken Melodien etwas deplatziert, was natürlich auch von persönlichen Vorlieben abhängig ist und als Kritik in der B-Note abgetan werden darf.

Wirklich schade ist der erneute Verzicht auf eine deutsche Vertonung. Das ist besonders deshalb ärgerlich, weil die englische Synchronisation und die deutschen Texte scheinbar unabhängig voneinander aus dem japanischen Original übersetzt wurden. Und das führt dazu, dass das Gesprochene in den seltensten Fällen mit dem Geschriebenen übereinstimmt.

Da sogar sämtliche Namen verändert wurden, kommt es so häufiger zu Irritation. Um dieses Problem zu vermeiden, solltet ihr entweder komplett auf Englisch spielen oder auf die originale, japanische Vertonung zurückgreifen.

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Meinung

Wie ihr euch bis hierhin vermutlich denken könnt, gibt es an "Ni No Kuni 2 – Schicksal eines Königreichs" kaum etwas auszusetzen. Gemessen am Vorgänger ist es zwar etwas glatter und weist weniger charmante Kanten und philosophischen Tiefgang auf, doch dafür ist es um einiges umfangreicher und steht dem ersten Teil von Seiten des Spielspaßes in nichts nach. Ganz im Gegenteil!

Sämtliche spielbaren Aspekte greifen wunderbar ineinander und lassen euch gleichzeitig willkommenen Freiraum. Vieles ist optional und nicht jede Spielmechanik, muss intensiv genutzt werden, um Erfolg zu haben. Dank umfangreicher Zusatzaufgaben fallen Altlasten wie Grinding weg, was ebenfalls dem Spielfluß zu gute kommt. Level-5 ist erneut ein Meisterwerk gelungen, das sich zu den ganz großen JRPGs zählen darf.

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