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Wolfenstein 2 – The New Colossus: Der Test zum Regime-Shooter

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Wolfenstein 2 – The New Colossus: Der Test zum Regime-Shooter

Zu den Waffen, Freunde! B.J. Blazkowicz legt sich wieder mit dem Regime an. Übertrifft „Wolfenstein 2: The New Colossus“ seinen enorm erfolgreichen Vorgänger?

Einen Klassiker wieder zu beleben, ist schon allein ein Kunststück. Doch wer dann noch einen Shooter ohne Multiplayer erfolgreich auf den Markt bringt, der weiß ganz genau was er tut. MachineGames gelang beides! Das 2014 veröffentlichte „Wolfenstein: The New Order“ entfachte neues Feuer in der ehrwürdigen Ballerorgie und brachte das Actionspiel zurück.

Der Clou: MachineGames verzichtete ganz bewusst auf einen Online-Modus und legte den Fokus stattdessen auf die Story. Im Nachfolger bleibt das Team dieser Maxime treu. Anstatt also Zeit und Energie in Deathmatches und Erfahrungssysteme zu investieren, konzentriert sich MachineGames auch in „Wolfenstein 2: The New Colossus“ auf die Einzelspielerkampagne und schmückt diese umfangreich aus. Das Ergebnis: Der wahrscheinlich beste Story-Shooter des Jahres!

Hart, aber faszinierend

„Wolfenstein 2: The New Colossus“ schließt direkt an die Geschehnisse des Vorgängers an, führt einem jedoch dessen Geschichte in einem ausgezeichneten Zusammenschnitt noch einmal vor Augen. In der alternativen Realität der 1960er herrscht das Regime über die Vereinigten Staaten. Soldat B.J. Blazkowicz erwacht aus dem Koma und sieht sich seiner alten Nemesis Frau Engel gegenüber.

Besonders die ersten zehn Minuten strotzen vor emotionalen und brutalen Momenten, die immer wieder für ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend sorgen. „Wolfenstein 2: The New Colossus“ mäandert zwischen gewaltverherrlichend und bitterböser Satire und wechselt das Erzähltempo teils im Minutentakt.

Blazkowicz führt in der Folge die Rebellion mit neuen und alten Kameraden an. Das U-Boot Hammerfaust dient dabei als zentrales Hub-Level für Haupt-, Neben- und diverse Sammelaufgaben. Die Geschichte von „Wolfenstein 2: The New Colossus“ gestaltet sich noch härter und emotionaler als im Vorgänger.

Das Spiel vermischt Blazkowiczs Rolle als werdender Vater gekonnt mit Rückblenden aus seiner Kindheit und der Gnadenlosigkeit der Widerstandsbewegung. Doch MachineGames erzählt selbst die schlimmsten Momente mit einem Augenzwinkern. Wer sich umschaut, entdeckt viele witzige Anspielungen und Details, die einem manches Schmunzeln entlocken. Die liebevoll designten Levels strotzen vor Kleinigkeiten und genau deshalb solltet ihr nicht durch die Missionen sprinten, sondern euch Zeit nehmen.

Terror Billy ist zurück

Spielerisch bietet „Wolfenstein 2: The New Colossus“ den gewohnten Mix aus gnadenloser Shooter-Action und Stealth. In den meisten Abschnitten entscheidet ihr selbst, wie ihr agiert. So geht ihr erneut auf die Jagd nach hochrangigen Generälen. Gelingt euch das lautlose Ausschalten nicht, bricht nur allzu schnell die Hölle los. Sehr schön: „Wolfenstein 2“ verfügt über eine solide Menge unterschiedlicher Gegnertypen, die auch allesamt über Stärken und Schwächen verfügen, die ihr zu eurem Vorteil nutzen müsst.

Eins sollte aber von Beginn an klar sein: „Wolfenstein 2“ ist kein leichtes Spiel. Bereits auf der mittleren Schwierigkeitsstufe hat es die Ballerei wirklich in sich und wer nicht vorsichtig vorgeht, der wird häufiger draufgehen als er „Mein Leben“ schreien kann. Kopfloses Attackieren bringt wenig. Denn eure Lebensenergie regeneriert sich nur bis zu einem bestimmten Punkt selbst, danach müsst ihr Medi-Packs und Rüstungsgegenstände aufsammeln. Das bedeutet im Klartext: Vor der nächsten großen Schlacht solltet ihr lieber die Areale nochmal absuchen und euch erst danach ins Gefecht stürzen.

„Wolfenstein 2: The New Colossus“ spielt sich dabei – bis auf kleine Details – ganz ausgezeichnet. Die Action ist (gefühlt) noch einen Hauch schneller als im Vorgänger und speziell Nahkampfattacken mit der Handaxt sind herrlich befriedigend. Alle Waffen fühlen sich zudem anders an, sind aber allesamt wuchtig. Im Akimbo-Modus tragt ihr nun nicht nur zwei identische Waffen gleichzeitig, sondern könnt eure Ballermänner auch mischen. Das gibt euch noch mehr Möglichkeiten im Gefecht.

Wenige spielerische Veränderungen

„Wolfenstein 2: The New Colossus“ ist ein Oldschool-Shooter. Erwartet also keine Genre-Revolution abseits der genialen Story und der unglaublich detailverliebten Spielwelt. Trotzdem baut MachineGames einige Neuerungen ein. Allen voran natürlich die sogenannten Kampf-Mods wie beispielsweise Druckwellenangriffe oder die bereits im bekannten Stelzen. Ein echtes Erfahrungssystem gibt es nicht. Stattdessen verbessert ihr die Fähigkeiten eures Spielcharakters durch euren Aktionen auf dem Schlachtfeld. Hinzu kommen Waffen-Upgrades, mit denen ihr eure Kanonen umrüsten und beispielsweise um panzerbrechende Projektile, Magazin-Erweiterungen oder Visiere ergänzen könnt.

Nett, aber nicht entscheidend: Zudem kehrt ihr in bereits besuchte Gebiete zurück und führt dort Attentäter auf Zielpersonen durch. Sonderlich spannend sind diese Neuerungen nicht, liefern aber zumindest nach Abschluss der Kampagne einen gewissen Wiederspielwert. Zudem wählt ihr zu Beginn aus zwei Zeitlinien und tatsächlich lohnt sich ein zweites Durchspielen, da es hier leicht veränderte Zwischensequenzen gibt. Wer sich beeilt, schafft einen Durchlauf in zehn bis zwölf Stunden. Allerdings kann man in der Welt von „Wolfenstein 2“ auch problemlos 20 und mehr Stunden verbringen – ganz ohne Multiplayer.

Meinung

An „Wolfenstein 2: The New Colossus“ werden sich alle kommenden Shooter messen lassen müssen. Was MachineGames hier in Puncto Atmosphäre, Detailverliebtheit und Story-Tiefe auf die Beine stellen, gehört zum Besten, was wir in diesem Jahr gesehen haben. Zugegebenermaßen sind einige Momente hart an der Schmerzgrenze, aber trotzdem macht gerade diese emotionale Achterbahnfahrt den Reiz des Spiels aus. Im Gefecht gibt sich „Wolfenstein 2“ abwechslungsreicher und cleverer als zuvor. Die neuen Optionen – wie etwa die Mods – fügen sich gut in den Gesamtzusammenhang ein, ohne dass der Shooter zu überfrachtet wirken würde. „Wolfenstein 2: The New Colossus“ ist in seiner Gänze der beste Shooter des Jahres bislang und ist somit für Erwachsene ein klarer Pflichtkauf.

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