Metal Gear Survive: Der Test zu Konamis Open-World-Abenteuer

Autor: Olaf Bleich

27. Februar 2018 um 18:37 Uhr: Konami lädt zum Überlebenstraining in der Wurmlochdimension Dite: Ob „Metal Gear Survive“ einen Ausflug wert ist oder ihr doch lieber die alten Serienteile noch einmal auspacken solltet, erfahrt ihr im Test!

Die „Metal Gear“-Serie verbinden Fans mit Entwicklerlegende Hideo Kojima, großen Momenten und einem mutigen Mix aus Action- und Stealth-Gameplay. „Metal Gear Survive“ ist das erste Spiel nach der Ära Kojima. Zwar steckt noch immer die Essenz der Serie darin, jedoch entfernt es sich spürbar von seinen Vorgängern.

Diesen Schnitt nimmt „Metal Gear Survive“ bereits zu Beginn vor. Im Anschluss an die Geschehnisse von „Ground Zeroes“ zieht es die Mother Base in die fremde Dimension Dite. Ihr wiederum bastelt euch im handlichen Editor einen neuen Soldaten zusammen, der zu neuem Leben erweckt sogleich auf ein Himmelfahrtskommando geschickt wird.

Eure Aufgabe besteht nun darin, nach Überlebenden zu suchen und irgendwie einen Weg zurück nach Hause zu finden. Rückbezüge auf die ursprüngliche Reihe gibt es kaum, ebenso wie wirklich denkwürdige Augenblicke. Die auftauchenden Charaktere sind Abziehbilder und die Geschichte selbst ist allzu wirr. Wieso solltet ihr euch „Metal Gear Survive“ also kaufen?

Basisbau im Wurmloch

Der neuste Ableger entlässt euch sehr schnell in eure Basis und die offene Spielwelt. Diese erinnert stark an den Afghanistan-Abschnitt aus „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain“ und macht einen technisch durchwachsenen Eindruck. Zwar läuft das Spiel zu jedem Zeitpunkt flüssig, jedoch ist die Landschaft karg und wirklich prägnante Orte gibt es leider viel zu selten. Der giftige Staub verhüllt Teile der Map. Um diese Bereiche betreten zu können, benötigt ihr ein Sauerstoffgerät und seid damit an den mobilen Luftvorrat gebunden. Geht euch irgendwann die Puste aus, könnt ihr mehr Sauerstoff mit wertvollen Kuban-Kristallen einkaufen.

Im Staub findet sich selbstverständlich – ähnlich wie in der Dark Zone aus „The Division“ – die beste Beute – also etwa Rezepte oder seltene Objekte. „Metal Gear Survive“ macht euch nämlich zum Jäger und Sammler von allem möglichen Gerümpel. Sobald ihr ein neues Gebiet erreicht, schnappt ihr euch einfach alles was rumliegt. Ihr werdet es brauchen. Sobald ihr in das Camp zurückkehrt, wandern alle Rohstoffe in den Vorratsbehälter. Später erweitert ihr die Basis, baut Verteidigungseinrichtungen und sogar kleinere Behausungen.

Der Aufbau des eigenen Lagers motiviert und schnell ertappt man sich dabei, wie man Zelte aneinander rückt und Feuerstellen platziert. Hinzu kommen unterschiedliche Werkbänke zum Herstellen von Waffen, Medikamenten, Kleidung oder anderen Verbrauchsgegenständen.

Hunger und Durst

Doch bevor ihr euch um euer Lager kümmert, steht zunächst die Verpflegung der Spielfigur auf dem Plan. Euer Held bekommt nämlich Hunger und Durst. Esst ihr etwas verdorbenes oder trinkt schlechtes Wasser, bekommt er Magenprobleme. Und verletzt ihr euch im Kampf, dann tragt ihr womöglich blutende Wunden davon. Entsprechend müsst ihr immer wieder ein Auge auf die übersichtlich angebrachten Balken und Anzeigen haben.

Grundsätzlich funktioniert die Survival-Mechanik ordentlich, zwingt euch aber zu einem anderen Vorgehen als in bisherigen Ablegern der Serie. Immer wieder werdet ihr die Kampagnenmissionen unterbrechen müssen, um Vorräte aufzufüllen oder euer Inventar zu leeren. Erst mit der Zeit schaltet ihr Wurmlochtransporter für Schnellreisen frei oder entdeckt im Nebel sogar Fahrzeuge. Dadurch verkürzen sich die Wege spürbar und das Spiel gewinnt an Geschwindigkeit hinzu. Trotzdem: Wer nicht auf Item-Grinding steht, der wird an „Metal Gear Survive“ keine Freude haben.

Nur mit Online-Verbindung

Natürlich seid ihr in Dite nicht allein. Kristallzombies – die so genannten Wandler – taumeln durch die Landschaft. Anfangs greift ihr im Kampf zu Hieb- und Stichwaffen. Doch die Navigation ist nicht immer leicht, gerade Höhenunterschieden sorgen für Probleme beim Einschätzen der Distanzen. Die Kronleuchterköpfe sind alles andere als clever und entsprechend könnt ihr Katz und Maus mit ihnen spielen. Dazu greift ihr beispielsweise zu Zäunen, Hindernissen oder Minen, die ihr in der Basis baut und dann im Feld direkt einsetzt. Durch die kalkulierbare Computer-KI bietet das Spiel viele Freiheiten, die erst durch die teils recht starre Mechanik der Hauptmissionen aufgebrochen werden. Diese bereiten nämlich oftmals auf die stark integrierte Multiplayer-Komponente vor.

„Metal Gear Survive“ geht nur mit einer stehenden Internet-Verbindung an den Start. Es koppelt Kampagne und Mehrspieleroptionen miteinander. Bedeutet: Alle gefundenen oder gecrafteten Objekte eurer Solo-Erfahrung nutzt ihr auch online. In den Belagerungsmissionen wehrt ihr mit vier Spielern Gegnerhorden ab. Als Belohnung erntet ihr reichlich Kuban-Kristalle, mit deren Hilfe ihr fix im Rang aufsteigt. Konami belohnt regelmäßiges Spielen und schenkt euch immer wieder Vorräte. Der Multiplayer-Modus selbst macht Spaß, bietet aber abseits des Ressourcenmanagements wenig neues. Ärgerlich: Mikrotransaktionen stören einmal mehr. Dass man beispielsweise einen zweiten Charakter-Slot kaufen muss, ist etwa ein echtes Unding.

Meinung

Gemessen an den Reaktionen im Vorfeld hätte es wesentlich schlimmer kommen können. „Metal Gear Survive“ präsentiert sich als solides Actionspiel mit größtenteils gut umgesetzten Überlebens-Gameplay. Wer fleißig Ressourcen sammelt und kein Problem damit hat, sich wie ein virtueller Müllmann zu fühlen, den belohnt das Spiel mit motivierendem Basisbau und einer durchaus steilen Lernkurve. Mit jeder Stunde wird „Metal Gear Survive“ einen Tick handlicher und gibt euch zusätzliche Werkzeuge für den eigenen Fortbestand an die Hand. Für eine glasklare Kaufempfehlung reicht es dann aber letztlich trotzdem nicht. Störende Mikrotransaktionen, die wirre Story und der gerade anfangs zähe Fortschritt zehren an den Nerven. „Metal Gear Survive“ enttäuscht nicht, rangiert aber qualitativ auch nicht auf allerhöchstem Niveau.

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