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Far Cry 5: Der Test zum Open-World-Abenteuer

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Far Cry 5: Der Test zum Open-World-Abenteuer

Macht den Fanatikern Feuer unterm Hintern: Ubisoft setzt mit „Far Cry 5“ seine Open-World-Serie fort. Aber punktet das Abenteuer im Test auch mit Neuerungen oder präsentiert es sich wieder „nur“ als eine typische Fortsetzung?

In der „Far Cry“-Serie gehen Genie und Wahnsinn Hand in Hand. Speziell der dritte Teil der Serie begeisterte seiner Zeit mit dem Open-World-Gameplay, der zugleich genialen Geschichte und den obskuren Charakteren. Doch seitdem tritt Ubisoft auf der Stelle. Immer ähnliche Ideen in wechselnden Settings sorgten in den vergangenen Jahren für zunehmenden Spielerunmut. „Far Cry 5“ erscheint für PC, PlayStation 4 und Xbox One und entschlackt die bekannte Rezeptur deutlich, aber wartet doch mit ganz ähnlichen Spielideen auf.

Ein Fall für drei

Das Open-World-Abenteuer führt euch nach Hope County, Montana. In den ersten Sekunden hockt ihr an Bord eines Hubschraubers und braust vorbei an einer gewaltigen Statue von Joseph Seed. Er ist der Anführer der Sekte Eden’s Gate. Ihr spielt den neuen Deputy-Sheriff und sollt Seed eigentlich festnehmen.

Wenig überraschend funktioniert das nicht und wenige Minuten später findet ihr euch im üblichen Open-World-Chaos wieder. „Far Cry 5“ erzählt seine Geschichte in knackig inszenierten Zwischensequenzen und gerade die Seed-Familie kommt – trotz einigen Stereotypen – recht gut weg. Der Sektenwahnsinn greift immer wieder um sich und wenn einen Joseph Seed durch den Bildschirm anschaut, dann kommt durchaus Spannung auf.

Sehr schön: Die Hoheitsgebiete der drei Rädelsführer besitzen ihren eigenen Touch und sind an die Bosse angepasst. Gerade Faith’s Drogensumpf inklusive Visionen erzeugt mächtig Atmosphäre. Über die gesamte Spielzeit kommt die Story zwar nicht über den Ansatz der bekloppten Fanatiker hinaus, hat uns aber trotzdem gut bei Laune gehalten.

Souveräner Widerstandskampf

Spielerisch verläuft der Widerstand gegen Eden’s Gate in vergleichsweise geordneten Bahnen ab. Ehe ihr euch den Vater vorknöpfen dürft, müsst ihr zunächst die drei Gebiete der Rädelsführer erobern. Zu diesem Zweck erhaltet ihr für nahezu alle Aktionen Widerstandspunkte: Also beispielsweise wenn ihr VIP-Soldaten erledigt, Straßensperren zerstört, Konvois kapert oder Stützpunkte zurück erobert.

Hinzu kommen natürlich die umfangreicheren Haupt- und Nebenmissionen. Sehr schön: Das Spiel bindet selbst kleinere Aufgaben in einen Kontext ein und erzählt die Geschichten hinter den Figuren. So bekommt man den Eindruck Teil eines größeren Ganzen zu sein und hat obendrein eigentlich immer etwas zu tun.

Zugleich aber fühlt sich „Far Cry 5“ deutlich straffer und flotter an als seine Vorgänger. Ubisoft entfernte das Crafting nahezu vollständig. Lediglich Sprengsätze und homöopathische Mixturen könnt ihr nun noch fabrizieren. Das geschieht aber direkt im Feld. Felle und andere Güter verkauft ihr dagegen. Mit dem daraus erhaltenen Geld wiederum kauft ihr euch neue Vehikel, Waffen oder Kleidung. Wer knapp bei Kasse ist, der greift zu den Mikrotransaktionen. Die sind eigentlich absolut unnötig und spielen keine entscheidende Rolle.

„Far Cry“ bleibt „Far Cry“

Ansonsten liefert „Far Cry 5“ mehr von dem, was seine Vorgänger auch schon auszeichnete – nur eben etwas besser verpackt. Hope County präsentiert sich als wunderschöne Spielwiese und bietet das typische „Far Cry“-Gameplay. Beim Erobern größerer Einrichtungen markiert ihr Gegner mit dem Fernglas und entscheidet danach selbst, ob ihr laut oder leise vorgeht. Die Gegner-KI schwankt zwischen Genie und Wahnsinn. Oftmals reagiert sie gar nicht oder zu spät auf Leisetreter. Auch ihre Positionswechsel erinnern in puncto Timing eher an Moorhühner, als an Soldaten.

Im Verlauf rekrutiert ihr zivile Helfer oder holt euch prominente Nebencharaktere wie Hund Boomer oder den Piloten Nick. Gerade diese Sidekicks überzeugen mit Zusatzfähigkeiten und etwas mehr Attitüde. Überraschenderweise funktioniert die Einbindung der Helfer relativ reibungslos. Per Tastendruck greifen sie das nächste Ziel an, bleiben meist versteckt und halten sich auch sonst zurück. Leider steigen sie nicht in normale Fahrzeuge ein, sondern respawnen regelmäßig.

Etwas persönlicher geht es im neuen Koop-Modus zu: So ladet ihr einen Freund als Unterstützung ein. Leider erhält nur der Host den Spielfortschritt gut geschrieben, der Kollege jedoch geht immerhin mit erspieltem Geld und Vorteilen nach Hause. „Far Cry 5“ bricht mit dem traditionellen Erfahrungssystem und koppelt zusätzliche Talente – wie mehr Gesundheit, besseres Schleichen oder den Schweißbrenner zum Knacken von Tresoren – an eure Spielweise. Das wiederum zwingt euch leider dazu, gelegentlich Waffen zu wechseln oder andere Partner auszuprobieren. Experimentelle Naturen finden das sicher gut, jedoch bricht diese Mechanik gelegentlich auch mit dem ansonsten ausgezeichneten Spielrhythmus.

Wer übrigens keinen Bock mehr auf Open-World hat, der tobt sich im Arcade-Modus für bis zu 12 Teilnehmer aus.

Meinung

„Far Cry 5“ stellt sicherlich keine Revolution für Open-World-Spiele dar. Allerdings spielt es sich dann doch flotter und souveräner als sein Vorgänger. Besonders technisch macht die Reihe – trotz kleinerer Tonprobleme – einen gewaltigen Schritt nach Vorne: Die Umgebungsgrafik ist einfach fantastisch und holt wirklich viel aus dem eigentlich recht langweiligen Berg-Setting heraus. Spielerisch tritt die Serie leicht auf der Stelle: „Far Cry 5“ bietet die gewohnte Mischung aus Stealth, Action und Erforschen der Umgebung.

Kleinere KI-Macken kosten hier ein paar Punkte und letztlich fehlt es oft an den ganz großen Aha-Momenten. Selbst die Inszenierung der Geschichte wirkt zuweilen allzu abgeklärt und lässt den unbedingten Mut zu Innovation vermissen. Trotzdem: „Far Cry 5“ ist ein absolut spielenswertes Open-World-Abenteuer und setzt die Serie souverän und auf hohem Niveau fort.

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