Extinction: Der Test zum Action-Slasher
Macht riesige Oger einen Kopf kürzer: „Extinction“ klingt wie leichtgängigem Action-Spaß, entpuppt sich im Test aber als Enttäuschung.

Bosskämpfe als zentrales Spielelemente waren zuletzt ein beliebtes Stilmittel: Ganz egal, ob in dem legendären „Shadow of the Colossus“ oder im aktuellen „Attack of the Titan“ – Die Auseinandersetzungen zwischen David und Goliath garantiert Spannung und Nervenkitzel. In „Extinction“ legt ihr euch mit riesigen Ogern an und hackt diesen nicht nur die Beine ab, sondern macht sie im Anschluss noch einen Kopf kürzer. Entwickler Iron Galaxy verbindet schnelle Action mit knackigen Schlachten. Da kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder?

Eine Story zum Vergessen

„Extinction“ wirft euch mitten hinein in eine schillernd bunte Fantasy-Welt. Die Einführung übernimmt die junge Xandra, die von ihrem Leben berichtet. Doch die eigentliche Hauptfigur ist der starke Avil, der als Wächter der Stadt fungiert. Die anfangs noch in hübschen Zeichentricksequenzen präsentierte Geschichte flacht aber mit zunehmender Spielzeit ab. Letztlich unterbrechen die eingestreuten Dialoge sogar den Spielfluss und kosten zuweilen Atmosphäre. „Extinction“ ist kein Story-Abenteuer, sondern legt den Fokus eindeutig auf die Action.

Metzeln bis die Tasten qualmen

Das größte Problem des Spiels ist allerdings, dass wir bereits im ersten der insgesamt sieben Kapitel so ziemlich jeden Aspekt gesehen haben, den es auszeichnet. Garstige Monsterhorden suchen nämlich die Menschensiedlung heim und ihr müsst die Ungeheuer vertreiben. So rettet ihr beispielsweise Dorfbewohner und bringt sie per Kristall-Teleporter in Sicherheit oder ihr fertigt kleinere Unholde ab. Im Gegenzug für gute Taten erhaltet ihr Runenenergie.

Diese benötigt ihr zum Bekämpfen der auftauchenden Riesenoger – den so genannten Ravenii. Die Giganten trampeln nämlich in Windeseile das Dorf platt. „Extinction“ ist ein schnelles Spiel und holt sich Inspiration von Titeln wie „Devil May Cry“ oder „Assassin’s Creed“. Auf Tastendruck rennt Avil Wände hoch, gleitet durch die Luft und vollführt schnittige Kombos mit dem Schwert. Der Comic-Grafikstil passt gut zum Geschehen und schwächt das blutige Geschehen ein wenig ab.

Spielerisch gibt sich „Extinction“ als flotter Action-Slasher, der zwar nicht komplex, dafür aber spaßig und unkompliziert ist. Die Einsätze laufen stets nach einem ähnlichen Muster ab: Erst Runenenergie sammeln, dann den Oger klein hacken. Denn nur mit Runenenergie durchbrecht ihr die Panzerung der Bestien.

Oger killen leicht gemacht

In den stets aus vier Missionen bestehenden Kapiteln tauchen die Oger mit verschiedenen Rüstungssets auf. Abhängig vom Material bedarf es unterschiedlicher Herangehensweisen. Holz durchschlagt ihr sofort, bei Stacheln dagegen müsst ihr die Biester anlocken und dafür sorgen, dass sie sich selbst verletzen. Sobald Körperpartien frei gelegt sind, könnt ihr zum ersten, entscheidenden Schlag ansetzen. Dann hackt ihr den Bestien Arm oder Beine ab. Danach müsst ihr aber noch auf deren Rücken klettern und ihnen den Kopf abtrennen.

Was sich nach einfachem Spaß anhört, wiederholt sich in der Praxis allzu schnell und sorgt aufgrund enger Zeitlimits für Frust. Das Auffüllen der Runenenergie baut einen anstrengenden Kreislauf aus den immer gleichen Mechanismen auf, der durch die Geschwindigkeit der Ravenii noch unterstützt wird. Findet ihr trotz Radar nicht ausreichend viele kleinere Monster oder rettet die Zivilisten nicht schnell genug, droht der sofortige Neustart. Diese Mechanik zehrt massiv an den Nerven und kostet viel Motivation. Diesen Faux-Pas rettet auch das Erfahrungssystem nicht mehr, mit dessen Hilfe ihr im Spielverlauf neue Talente einkauft. „Extinction“ hätte ein durchaus ordentliches, kleines Actionspiel werden können, ist in dieser Form aber leider eine Enttäuschung.

Meinung

„Extinction“ zündete bei uns von der ersten Sekunde an nicht so wirklich. Bereits nach dem ersten von sieben Kapiteln war klar, dass nicht nur Ideen sondern vor allem Abwechslung fehlten. Das Abfertigen der Oger unter Zeitdruck nervt mit jeder Mission mehr und macht die allzu simplen Sammel- und Kampfaufgaben zur lästigen Routine. Das System der aufladbaren Runenenergie wird für „Extinction“ daher zum Stolperstein und erschwert den Spielfluss und verringert die Motivation.

Stattdessen hätten sich die Entwickler lieber auf die Stärken des Actionspiels verlassen sollen: Kämpfe und Steuerung erweisen sich als gleichermaßen flott und der Comic-Grafikstil steht dem Spiel wirklich gut zu Gesicht. Selbst das taktisch angehauchte Auseinandernehmen der gigantischen Gegner besitzt seinen Charme und sorgt für einige bemerkenswerte Momente. Doch diese Faszination nutzt sich allzu schnell ab und viel zu früh wird „Extinction“ zur Pflichtübung. Schade, Chance vertan!

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