Jurassic World Evolution im Test: Eröffnet euren eigenen Jurassic Park!
Macht den T-Rex zu eurer Star-Attraktion: In „Jurassic World Evolution“ seid ihr der Chef eures eigenen Dino-Parks. Was taugt die Lizenz-Aufbaustrategie wirklich?

Wir alle lieben Dinosaurier. Ganz egal, ob als Spielzeug oder in Filmen – Der 1993 veröffentlichte Actionstreifen „Jurassic Park“ untermauerte den Status der Urzeitechsen und spätestens seit dem 2015 erschienen „Jurassic World“ sind die Giganten wieder in aller Munde.

Das vom britischen Entwickler Frontier Developments kommende „Jurassic World Evolution“ steht zwar zeitgleich mit dem Blockbuster „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ in den Läden, eröffnet den Park aber wieder. Und es ist eure Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Geld fließt und keine Gäste vom T-Rex gefressen werden.

Der Park ist eröffnet!

Auf dem Papier ist „Jurassic World Evolution“ ein klassisches Aufbaustrategiespiel im Stile eines „Rollercoaster Tycoon“ oder „Theme Park“. Den eigentlichen Unterschied macht in diesem Fall die mächtige Filmlizenz. Die Präsentation von „Jurassic World Evolution“ ist erstklassig. Das beginnt beim Original-Soundtrack und endet schließlich bei der tollen Darstellung der 42 freischaltbaren Dinosaurier. Technisch gehört der Titel zu den schönsten Aufbauspielen überhaupt und ist weit vom Lizenzmüll entfernt. Das Spiel läuft nicht nur auf den Konsolen flüssig, auch Mittelklasse-PCs kommen mit der Grafikpracht zurecht und stellen das Geschehen flüssig dar.

Ein Mal Gott spielen

So schön „Jurassic World Evolution“ allerdings auch sein mag, so mangelt es dem Programm an Tiefe. In den ersten Stunden verschlingt einen die Atmosphäre förmlich. Schließlich ist der Aufbau eines eigenen Dino-Parks für viele ein lange gehegter Jugendtraum. Tatsächlich überzeugt der Titel zunächst mit seinem gefälligen Einstieg. Die Zusammenhänge sind sehr schnell erlernt.

Mit Hilfe des Expeditionsteams sammelt ihr auf der übersichtlichen Weltkarte Fossilien. Anschließend extrahiert ihr daraus das Erbgut. Sobald ihr 50% der Dino-DNA zusammen habt, könnt ihr die Kreaturen klonen. Anfangs stehen eher unspektakuläre „Modelle“ wie der Edmontosaurus zur Verfügung, später findet ihr auch Material für den Brachiosaurus oder den (fiktiven) Indominus Rex.

Natürlich dürft ihr auch ein wenig Gott spielen und im Erbgut der Riesenechsen herum pfuschen. Auf diese Weise erhöht ihr etwa die Lebenserwartung oder verändert die Farbe der Biester. Problem an der Sache: Durch die Bastelei reduziert ihr die Chance, dass das kostspielige Ausbrüten womöglich fehlschlägt. Dazu gibt es natürlich auch eine Forschungsabteilung für Upgrades und neue Gebäude. So weit gibt sich „Jurassic World Evolution“ keine Blöße.

Keine beinharte Wirtschaftssimulation

Erst nach mehreren Stunden fallen die Schwächen auf. „Jurassic World Evolution“ ist kein sonderlich komplexes Aufbauspiel. Sobald ihr die Dinos auswildert, strömen schließlich auch die ersten Gäste in den Park. Je mehr Attraktionen und Einrichtungen ihr fertigt, desto höher die Sternewertung für den Park. Mit stetigem Fortschritt steigen also auch die Einnahmen. Allerdings besitzen die Gäste keinerlei Bedürfnisse und auch die für sie vorhandenen Gebäude – wie Restaurants oder Souvenirläden – bieten zu wenige Einstellungsmöglichkeiten. Am Ende vom Tag ist der Handel mit Fossilien ertragreicher als das Merchandise-Geschäft.

Auf Dauer mangelt es zudem an Deko-Objekten für den Park, Gebäuden und vor allem an Spieltiefe. Irgendwann wiederholen sich die Abläufe nämlich – trotz der insgesamt sechs freischaltbaren Inseln. Als roter Faden durch die Missionen dienen Aufträge aus den Abteilungen Sicherheit, Wissenschaft und Unterhaltung, die eure Spielweise ein wenig lenken und euch obendrein mit der notwendigen Knete versorgen.

Die Echsen sind die Stars

Der Fokus liegt also auf den Dinos selbst. Sie fordern viel Pflege ein. So müsst ihr Futterapparate bereitstellen und die Gehege entsprechend einrichten. Ranger kümmern sich um Futternachschub und die Versorgung. Mit Helikoptern betäubt ihr aufmüpfige Gesellen oder manövriert sie in andere Gehege. Manche Arten können nämlich nicht mit anderen. Einige Echsen möchten lieber keine Artgenossen, andere wiederum leben in Herden. Kommt ihr den Bedürfnissen nicht nach, sinken Gesundheit und Wohlbefinden. Die Folge: Die Dinos drehen durch, kämpfen oder suchen sich gar einen Weg aus dem Gehege. Dann greifen sie womöglich Gäste an, was wiederum zu teuren Klagen führt.

In diesen Augenblicken macht schließlich auch die fehlende Option zum Anhalten oder Vorspulen der Zeit Sinn. Wenn plötzlich ein T-Rex durch den Park stapft, dann ist die Aufregung an Maus und Tastatur natürlich groß. Übrigens, „Jurassic World Evolution“ macht auch auf den Konsolen mit dem Gamepad Spaß, erfordert aber etwas mehr Eingewöhnung. Sehr schön: Ihr könnt selbst den Ranger-Jeep steuern und Medizin aus der Ego-Perspektive verabreichen.

Fazit

Endlich mal kein Lizenzschrott! „Jurassic World Evolution“ entpuppt sich als launiges Aufbauspiel für Dinosaurier-Fans. Hardcore-Strategen fühlen sich zwar mit dem recht einfachen Aufbau-Gameplay unterfordert, alle anderen jedoch lassen sich von der gelungenen Technik und der tollen Atmosphäre gefangen nehmen.

Das Ergebnis ist letztlich ein leichtgängiger Themenpark-Simulator, der vor allem durch seine schuppigen Protagonisten punktet. Besonders der Gehegebau und die Dynamik, die sich aus dem Zusammenspiel der Urzeitechsen ergibt, motivieren. Ein paar weitere Gebäude, Erklärungen und Möglichkeiten zum Feintuning der eigenen Anlage wäre zwar schön gewesen, trotzdem erhält „Jurassic World Evolution“ eine Kaufempfehlung für Freunde der Vorlage.

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