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Onrush: Der Test zum neuen Rennspiel der Driveclub-Macher

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Onrush: Der Test zum neuen Rennspiel der Driveclub-Macher

Ein Racer ohne Ziellinie? Mit einem etwas ungewöhnlichen Konzept eines Rennspiels melden sich die ehemaligen Entwickler der Evolution Studios zurück. Ob die neue Formel aufgeht und an welchen Stellen sich womöglich Schwächen offenbaren, verraten wir euch im Test.

Lange Zeit entwickelten die Evolution Studios exklusive Rennspiele für PlayStation 4. Während die "Motorstorm"-Reihe recht gute Kritiken einfahren konnte, sollte mit "Driveclub" ein neues Zugpferd im Racing-Sektor an den Start gehen. Der erwartete Erfolg blieb aus und das Studio ist mittlerweile Geschichte.

Glücklicherweise fanden die Entwickler allerdings direkt eine neue Einstellung und wurden von Codemasters mit offenen Armen empfangen. Nun erscheint mit "Onrush" das erste Spiel des neu gegründeten Teams und möchte das Racing-Gerne mithilfe ambitionierter Ideen auf den Kopf stellen.

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Eine neue Art von Arcade-Rennen

Die wohl größte Überraschung an "Onrush" ist die Tatsache, dass ihr euch direkt einmal von einem elementaren Aspekt der Kategorie Rennspiel verabschieden könnt. Hier geht es nämlich nicht darum, als erster das Ziel zu erreichen. Stattdessen erwartet euch ein temporeiches Kräftemessen zwischen zwei Teams.

Grundlegendes Element ist die Boost-Anzeige, die ihr durch Ausschalten von Gegnern oder den zu Recht als Kanonenfutter bezeichneten KI-Fahrzeugen. Auch Sprünge, Fassrollen und andere Tricks füllen die glühende Leiste am unteren Bildschirm-Rand. Je mehr Nitro ihr verbraucht, umso schneller füllt sich euer Rush, der euch wiederum nach Aktivierung nicht nur schneller nach vorne bringt, sondern je nach Gefährt zusätzliche Effekte bringt.

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Hier greift im Grunde schon eine Mechanik, die ihr aus Online-Shootern kennt. Denn die Fahrzeuge in "Onrush" entsprechen eigentlich Klassen, die sich jeweils nicht nur durch ihre äußere Beschaffenheit, sondern auch durch ihre Fähigkeiten unterscheiden. So habt ihr die Möglichkeit, während des Rushs euer Team mit zusätzlicher Energie zu versorgen oder aber auch Gegner härter zu treffen und damit schneller aus ihrem digitalen Leben zu schießen.

So richtig Sinn ergeben die Mechaniken allerdings erst, wenn ihr die vier Spielmodi kennt. In diesen geht es nämlich entweder darum, möglichst viele Feinde auszuschalten, eine mobile Zielzone einzunehmen, am schnellsten eine bestimmte Menge Boost zu verbrauchen oder durch mehr Tore zu fahren.

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Im Grunde habt ihr es bei "Onrush" also eigentlich mit einer Mischung aus "Call of Duty" und "Motorstorm" zu tun. Ihr stürzt euch ins Gefecht, versucht Punkte zu machen und werdet ihr ausgeschaltet, wartet ihr auf euren Respawn. Das mag nicht nur seltsam klingen, das ist es auch. Und trotzdem funktioniert die Formel erstaunlich gut.

Hierfür verantwortlich ist unter anderem die sogenannte Stampede-Mechanik. Diese sorgt dafür, dass die Action auf den turbulenten Rennstrecken immer schön zusammengehalten wird. Fallt ihr zu weit zurück, werdet ihr wieder nach vorne teleportiert und auch Respawns bringen euch stets zurück zum Chaos. Damit verliert ihr eigentlich nie den Anschluss, was dem kurzweiligen Charakter von "Onrush" durchaus zu Gute kommt.

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Starke Präsentation – Schwacher Stil

Damit ihr unterwegs auch etwas zum Schauen habt, fahrt ihr nicht einfach nur durch abgesteckte Rennstrecken. "Onrush" bedient mit seinen Maps ein etwas breiteres Spektrum, das euch neben gängigen Motiven, wie Waldabschnitten, felsigen Wüsten und gigantische Baustellen, auch mal durch urbanere Gegenden führt.

Und das sieht richtig gut aus. Licht- und Wettereffekte tragen hierzu auch ihren Teil bei, indem sie einerseits für reichlich Stimmung sorgen, diese aber auch schnell mal durch wechselnde Bedingungen kippen und damit Abwechslung ins Spiel bringen.

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Weniger spektakulär fallen leider die Fahrzeuge und ihre Fahrer aus. Hier versucht "Onrush" offensichtlich den gleichen Drive wie "Fortnite" oder auch "Overwatch" zu nutzen, in dem es euch regelmäßig Belohnungen in Form neuer Skins, Tricks, Emojis und Jubel-Animationen überlässt. Dabei ist die Idee eigentlich nicht schlecht, doch mangelt es dem Design der Akteure einfach an Charakter.

Fast alle Fahrer sehen komplett austauschbar aus und auch neue Kostüme ändern daran nicht wirklich etwas. Anstelle von charismatischen Helden, wie sie in den offensichtlichen Vorbildern Verwendung finden, habt ihr also die Wahl zwischen einer Reihe von belanglosen Fahrern, die weder eine Form der Identifikation, noch einen angemessenen Anreiz auf Loot-Jagd liefern.

Bei den Fahrzeugen fällt das Urteil glücklicherweise weniger vernichtend aus. Hier erhaltet ihr teilweise richtig schicke Lackierungen und in höheren Seltenheitsstufen sogar diverse Bodykits, die das Aussehen des jeweiligen Gefährts stärker verändern.

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Auch von Seiten der Akustik gibt es Licht und Schatten. Wobei hier hauptsächlich euer Geschmack für das Urteil zuständig ist. Nicht jedem liegen Metal- und Punk-Songs mit viel Geschrei. Ist das allerdings genau eure Musik-Richtung, dürftet euch der Soundtrack von "Onrush" gefallen. Immerhin passenden die schrubbernden Gitarren und die aufgeladenen Vocals recht gut zum aggressiven Geschehen auf der Rennstrecke.

Hier machen vor allem die Soundeffekte und Motoren- sowie Umgebungsgeräusche einen hervorragenden Job. Alles Sounds passen gut zum Gesamtbild und verleihen vielen Aktionen zusätzlichen Nachdruck, was angesichts der hitzigen Action für jede Menge Adrenalin sorgt.

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Sorgen um das Endgame

In "Onrush" fahrt ihr also innerhalb von vier Spiel-Modi um den Sieg. Diese zielen offensichtlich auf ein intensives Online-Erlebnis ab. Damit ihr euch hierauf vorbereiten könnt, stehen euch im Einzelspieler-Modus eine Reihe von Events zur Verfügung, die euch einerseits in die Mechaniken einführen und andererseits erste Übungsstunden liefern.

Als richtige Kampagne solltet ihr das allerdings nicht sehen, denn die Rennen sind eigentlich identisch mit dem Mehrspieler-Modus. Auch der erspielbare Fortschritt ist der gleiche. Egal ob ihr online oder alleine spielt, ihr verdient in jedem Fall Erfahrungspunkte und erhaltet bei Stufenaufsteigen eine Lootbox mit drei Items.

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Und hier liegt momentan das größte Problem von "Onrush". So viel Spaß die Rennen machen und so kurzweilig das Vergnügen ist, so gering ist die Motivation nach einigen Stunden. Neue Skins für Fahrzeuge und Fahrer verlieren schnell an Reiz, was vor allem auch an der wenig liebevollen Gestaltung der Figuren liegt.

Hier hat "Onrush" definitiv noch Nachholbedarf. "Post Launch"-Inhalte können da mit Sicherheit einiges ändern, doch gibt es hierfür aktuell noch keine offiziell kommunizierten Pläne. So bleibt am Schluss auf jeden Fall die große Frage, wie die Entwickler die Motivation der Spieler künftig aufrecht halten wollen.

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Meinung

Ob es fair ist, ein Spiel anhand seines Verkaufspreises zu messen, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass "Onrush" als Vollpreisspiel erscheint. Und dieser Umstand muss angesichts der gebotenen Inhalte auf jeden Fall in die Wertung einfließen, auch wenn es die Betrachtungsweise nicht unbedingt leichter macht. Da hilft natürlich auch nicht die Tatsache, dass die Gold-Fassung für cirka 15 Euro Aufpreis lediglich ein paar exklusive Skins beinhaltet.

Versteht das bitte nicht falsch! "Onrush" macht nämlich vieles richtig und verdient alleine schon für den Mut, mal etwas Neues auszuprobieren, ein großes Lob. Klar, gibt es hier und da Verbesserungspotential, wie etwa die Tatsache, dass ihr während des Wartens auf den Respawn in einem Menü steckt, anstatt das Geschehen weiter zu beobachten. Doch im Grunde handelt es sich hier eher um Kleinigkeiten, die den Spielspaß nicht maßgeblich beeinflussen.

So unterhaltsam "Onrush" jedoch ist und so viel Spaß ihr im Spiel mit anderen menschlichen Fahrern habt, täuscht das nicht über den Umstand hinweg, dass es sich bei den Einzelspieler-Matches im Grunde nur um Mehrspieler-Rennen gegen Bots handelt. Dass die freischaltbaren Inhalte ebenfalls wenig Langzeitmotiviation liefern ist dann einfach nur noch schade. Ein anderes Preis-Modell und lebendigere Charaktere wären der Gesamtwertung sicherlich zuträglich und könnten einiges relativieren.

So zeigt sich "Onrush" vorerst als cleverer Arcade-Racer mit reichlich Potential. Was die Entwickler nun noch daraus machen, bleibt abzuwarten. Immerhin wurde auch aus "Driveclub" mit Hilfe von Updates ein passables Rennspiel. Ob ihr so lang warten wollt, ist natürlich euch überlassen.

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