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Unravel Two im Test: Knuddeliger Koop-Spaß für Knobel-Freunde

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Unravel Two im Test: Knuddeliger Koop-Spaß für Knobel-Freunde

Unverhofft kommt oft: Fadenmännchen Yarny feiert überraschend sein Comeback in „Unravel Two“ - und hat diesmal sogar einen knuffigen Koop-Kumpel dabei.

Die Spielemesse E3 ist ein gutes Pflaster für „Unravel“. 2015 verkündete Martin Sahlin, Creative Director beim schwedischen Studio Coldwood Interactive, mit zitternden Händen der ersten Teil des Kordel-Knoblers. Drei Jahre später steht Sahlin wieder auf der Bühne. Diesmal lässt er aber eine noch größere Bombe platzen. Denn der Nachfolger „Unravel Two“ kommt nicht nur, er steht auch mit der Ankündigung bereits zum Verkauf. Der Clou diesmal: Unser Garn-Freund Yarny ist nicht allein und so entpuppt sich „Unravel Two“ als knuddeliger Koop-Spaß für PC, Xbox One und PlayStation 4.

Zusammen ist man weniger allein

Anders als zuletzt bei „A Way Out“ benötigt ihr aber in „Unravel Two“ nicht zwangsläufig einen Koop-Partner. Möchtet ihr alleine spielen, wechselt ihr auf Tastendruck zwischen den beiden Figuren hin und her. Die Rätsel sind stets so konzipiert, dass ihr sie auch alleine lösen könnt. Die immer wieder eingestreuten Plattformer-Elemente – Yarny beherrscht jetzt sogar Walljumps – vollführt ihr im Idealfall im Alleingang. Per Tastendruck nehmt ihr nämlich euren Kollegen auf den Rücken und springt so über Wände und Ebenen. Möchtet ihr dann zu zweit loslegen genügt ein Wechsel ins Pausenmenü und schon ist Yarny nicht mehr allein.

Kein echter Zusammenhang

Was uns allerdings fehlte, war die emotionale Bindung zu der Hintergrundgeschichte. In den ersten Minuten beobachten wir, wie Yarny schiffbruch erleidet, danach seinen Freund am Ufer trifft und sich mit ihm verbindet. Viel mehr Story gibt es im neuen Ableger eigentlich nicht. In „Unravel“ spielte man noch einschneidende Lebenssituationen einer inzwischen alten Dame nach.

In „Unravel Two“ wirken die einzelnen Schauplätze etwas beliebiger und auch der Plot spielt hinter dem Gameplay eindeutig die zweite Geige. Letztlich geht es vor allem um das Erleben eines gemeinsamen Abenteuers und das Bewältigen der vorgesetzten Aufgaben. Dieses Konzept geht zwar dank des hohen Knuddelfaktors und der durchdachten Aufgaben durchaus auf, trotzdem vermissten wir diese Mischung aus Melancholie und Freude, die den Vorgänger auszeichnete.

Schön wie eh und je

Besagter Knuddelfaktor äußert sich einmal mehr in der herausragenden Technik und der stimmigen Präsentation. Wenn sich die beiden Fadenmännchen scheinbar ohne das eigenes Zutun in den Arm nehmen, dann schmilzt selbst das kälteste Herz dahin. Untermalt durch gewohnt stimmige Instrumentalmusik klettern Yarny und Co. durch Brunnengewölbe, über Häfen oder Häuser.

Die Gebiete fallen diesmal merklich dreidimensionaler aus und gerade die umfangreichen Kletterpartien fühlen sich dank neuer Funktionen und entschlackter Bedienung besser an. Als Hub-Level dient ein Leuchtturm, in dem ihr nicht nur Zutritt zu den Hauptmissionen, sondern auch zu den insgesamt 20 Herausforderungen erhaltet.

Koop-Spaß für jedermann

Spielerisch gibt sich „Unravel Two“ als grundsolider Plattformer, der auf Basis der simplen Koop-Mechanik und der zumeist gutmütigen Rätselstrukturen sehr gut funktioniert. Das Zusammenspiel der beiden Yarny klappt reibungslos und insgesamt ist das Handling direkter. Nervige Optionen des Vorgängers wie etwa der begrenzte Garnvorrat gehören der Vergangenheit an.

Stattdessen seid ihr lediglich durch die mehr als großzügige Länge des Seils eingeschränkt. Sehr schön: Im Spielverlauf interagiert ihr deutlich häufiger mit der Umgebung als noch im Vorgänger. Ihr verschiebt also Objekte und schubst sie über die erneut als Trampolin einsetzbaren Seilbrücken oder drückt gelegentlich auch ein paar Knöpfe.

Für echtes Wir-Gefühl sorgen neue Funktionen: So kann ein Yarny den anderen etwa am Seil herablassen und diesen auf eine andere Ebene schaukeln. Außerdem zieht nun einer der anderen am Faden nach oben. Das kommt gerade Anfängern oder jüngeren Spielern zu Gute, da man einander so aktiv unterstützt und mögliche Schwierigkeiten problemlos aus dem Weg räumt. Wer mal fest hängt, für den bietet „Unravel Two“ eine handliche Hilfefunktion. Per Tastendruck führt einen das Spiel dann stufenweise an die Lösung des nächsten Rätsels heran und im gesamten Spielverlauf dient ein Irrlicht als Wegweiser durch die Missionen.

Fazit

Im Falle von „Unravel Two“ klopfen zwei Herzen in unserer Brust: Spielerisch ist es seinem Vorgänger um Welten überlegen. Die Steuerung ist direkter und speziell die puren Plattformer-Elemente funktionieren einfach besser. Das steigert wiederum den Spielfluss immens und sorgt somit für weniger frustrierende Momente. Das Koop-Gameplay fügt sich nahtlos in das Konzept ein und sorgt dafür, dass manch Ärgernis dank Teamwork im Sande verläuft. Die Levels sind obendrein weitläufiger und insgesamt bietet das Spiel deutlich mehr Umfang fürs Geld.

Allerdings krankt „Unravel Two“ auch ein wenig unter dem typischen Koop-Phänomen der Emotionslosigkeit. Rührte einen der erste Teil noch mitunter zu Tränen, verkommt der Nachfolger eher zu einem Abarbeiten vielfältiger Umgebungsrätsel. Eine Geschichte fehlt leider nahezu völlig. Die „Schattenspielchen“ reichen in diesem Fall nicht aus. Deshalb: „Unravel Two“ ist ähnlich und dennoch anders als sein Vorgänger und vor allem für Koop-Freunde empfehlenswert.

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