Earthfall im Test: Erreicht der Indie-Shooter die Klasse von „Left 4 Dead“?
Munterer Koop-Spaß oder nur ein müder „Left 4 Dead“-Klon: Im 4-Spieler-Shooter „Earthfall“kämpft ihr euch durch die Alien-Invasion. Ist das Indie-Spiel vielleicht der Geheimtipp des Spiele-Sommers?

Wartet ihr auch sehnsüchtig auf einen dritten Teil von „Left 4 Dead“? Dann könnt „Earthfall“ genau das Richtige für euch sein. Der vom in Seattle ansässigen Indie-Studio Holospark entwickelte Koop-Shooter nimmt sich Valves Klassiker zum Vorbild, ersetzt allerdings die Zombies durch Außerirdische. Die Spielmechanik hinter „Earthfall“ ist daher selbsterklärend: Überlebt in Vierer-Teams die Angriffe von Alien-Heerscharen!

Keine langen Worte

„Earthfall“ ist kein Story-Shooter. Stattdessen bleiben die Geschichte und ihre Charaktere – bis auf ein Mini-Lexikon im Hauptmenü – weitestgehend unbekannt. Wir wissen also, dass Alien-Horden über die Welt hereingebrochen sind und die Zivilisation kurz vor dem Zusammenbruch steht. Mehr passiert nicht!

Sehr schade: Auch in den zwei Kampagnen gibt es nur wenige Informationen über die Hintergründe. Die vier spielbaren Charaktere interagieren zwar miteinander, wie sie jedoch zusammengefunden haben und warum gerade sie überlebten, bleibt unklar. Immerhin sorgen ihre kurzen Gespräche gerade im Solo-Modus für ein wenig Abwechslung.

Gesichtslose Helden

Das Spiel umfasst zwei aus fünf Kapiteln bestehende Kampagnen. Für die beiden Abschnitte benötigt ihr rund fünf bis sieben Stunden – abhängig davon, wie lange ihr euch in den Gebieten umschaut. Für einen Preis von 30 Euro ist der Spielumfang daher vergleichsweise gering. Entwickler Holospark kündigte bereits Nachschub für „Earthfall“ an.

Bevor ihr euch ins Gefecht mit fiesen Außerirdischen stürzt, wählt ihr zunächst eure Spielfigur aus. Unterschiede in puncto Gameplay gibt es bei den vier Stereotypen nicht. Sie alle laufen gleich schnell und besitzen eine identische Zahl an Trefferpunkten. Zumindest könnt ihr eure Charaktermodelle mit eigenen Kleidungsstücken und anderen Accessoires individualisieren. Die ebenfalls integrierten Mikrotransaktionen beschränken sich auf optische Gags und sind deshalb getrost zu vernachlässigen.

Nicht ganz perfekter Koop-Shooter

„Earthfall“ orientiert sich spielerisch stark an „Left 4 Dead“. Ihr seid stets mit vier Überlebenden unterwegs. Solltet ihr nicht ausreichend Freunde zusammen bekommen, springen Computer-Bots ein. Deren Fähigkeiten regelt ihr in vier Stufen und so leisten sie im Test zumindest solide Arbeit. Der allgemeine Schwierigkeitsgrad erweist sich als durchaus fordernd.

Selbst auf niedrigster Stufe nimmt einen das Alien-Gewürm schnell auseinander, sofern ihr nicht als Gruppen zusammenbleibt und einander helft. Übrigens fehlt es dem Titel bislang noch an einem Splitscreen-Modus. Wer also mit Freunden spielen möchte, der sollte über eine gute Internet-Verbindung verfügen. Beim Suchen zufälliger Partien kam es dank Drop-In-Drop-Out-Funktionen jedoch zu gelegentlichen Verbindungsabbrüchen.

Ansonsten liefert „Earthfall“ solide Shooter-Kost, reicht aber leider längst nicht an Valves Klassiker heran. Zwar bietet das Spiel eine Reihe unterschiedlicher Waffen wie etwa die präzise Combat-Rifle, die im Nahkampf extrem effektive Schrotflinte oder eine leicht verziehende AK-47, jedoch fühlt sich „Earthfall“ längst nicht so gut an wie „Left 4 Dead“. Grund dafür ist sicherlich das mangelhafte Treffer-Feedback. Trotz teils abfallender Körperteile auf Seiten der Außerirdischen fehlt es den Aktionen an Wucht. Speziell die Nahkämpfe mit Äxten und Co. machen dadurch weit weniger Spaß.

Aliens und ihre Tücken

Seinen direkten Bezug zu „Left 4 Dead“ erkennt ihr letztlich auch an der Auswahl der Alien-Klassen. Abseits der 08/15-Drohnen gibt es etwa den aufgeblähten Sapper, der euch mit Säure bespuckt und explodiert, sobald ihr ihm eine Ladung Blei in den Körper pumpt. Der Thrasher dagegen fungiert als Hunter-Ersatz und reißt euch zu Boden. Das Beast trägt einen Schutzschirm um sich herum und feuert mit Laser-Salven auf euch. Echte Überraschungen gibt es nicht, aber die zur Verfügung stehenden Gegner funktionieren in sich gut – trotz fehlender Innovationen.

Ebenfalls löblich: Die Missionen spielen sich ordentlich und warten immer wieder mit hektischen Wellenangriffen auf. So lockt ihr beispielsweise Horden an, sobald ihr laut quietschende Tore öffnet. Als taktisches Hilfsmittel dienen in diesem Fall mobile Barrikaden, mit deren Hilfe ihr Eingänge schließt oder Engpässe kreiert. Auch die versteckten 3D-Drucker zum Bauen beliebiger Waffen entpuppen sich als sinnvolle Ergänzung für den Koop-Alltag. Mit euren Kameraden teilt ihr schließlich – wie in „Left 4 Dead“ – Health-Packs oder helft ihnen hoch, falls ihnen die Gesundheit ausgeht. Das Teamwork beschränkt sich damit auf ein Minimum und bietet nichts, was es nicht schon in anderen Titeln gegeben hätte.

Fazit

Kein absoluter Sommer-Hit, aber auch längst kein Reinfall. Der Indie-Shooter „Earthfall“ entpuppt sich als launige Alien-Hatz im Stile von „Left 4 Dead“. Jedoch erreicht das Spiel nie die Klasse des Valve-Klassikers. Level-Design, Waffen-Feedback und Gameplay – All das reicht nicht an die große Vorlage heran. Was übrig bleibt, ist schließlich ein durchaus gefälliger Koop-Shooter – trotz fehlender Splitscreen-Optionen.

Die gemeinsame Flucht durch Hinterhöfe und andere Areale funktioniert gut und dank taktischer Funktionen wie dem Verbarrikadieren von Eingängen oder dem Basteln neuer Kanonen im 3D-Drucker gibt es auch einige neue Elemente im „Left 4 Dead“-Kosmos. Größter Wermutstropfen bleibt deshalb der insgesamt zu geringe Spielumfang. Zwei Kampagnen mit je fünf Kapiteln sind bei einem Preis von 30 Euro einfach zu wenig.