Octopath Traveler im Test: Deshalb ist das Switch-JRPG ein Sommer-Hit
Das erste große JRPG für die Nintendo Switch: „Octopath Traveler“ begeistert mit taktischen Kämpfen und vielfältigen Charakteroptionen, krankt aber auch an kleineren Gameplay-Problemen.

Die Nintendo Switch mausert sich immer mehr zur Mainstream-Alternative. Nicht nur, dass die Unterwegs-Konsole besonders Indie-Spielen eine neue Heimat bietet, auch Freunde von japanischen Rollenspielen – den so genannten JRPGs – kommen immer mehr auf ihre Kosten. Neben „I am Setsuna“ finden sich dort auch Titel wie „Disgea 5“ oder „Tales of Vesperia“ wieder.

Square Enix legte dieser Tage nicht etwa mit einer Adaption der „Final Fantasy“-Serie nach, sondern greift mit „Octopath Traveler“ nach den Sternen. Im schönsten 16-Bit-Pixel-Look entpuppt sich das melancholisch angehauchte Abenteuer als Zeitfresser der besonderen Sorte.

Achtsame Heldenbande

„Octopath Traveler“ entführt euch in die Fantasy-Welt von Orsterra. Und wie es der Name schon verrät, seid ihr nicht mit einem sondern gleich mit acht Helden unterwegs. Trotzdem wählt ihr zu Beginn des Spiels zunächst einen Hauptcharakter aus. Diese Figur bleibt stets in eurer Party und kann nicht von euch ausgewechselt werden.

Sehr schön: Jeder der acht Charaktere besitzt eine eigene Hintergrundgeschichte und spezielle Fähigkeiten. Krieger Olberic beispielsweise ist sicherlich der konventionellste Typ der Truppe und ist vor allem im Kampf eine sichere Bank. Jägerin H’aanit greift dagegen zu Pfeil und Bogen, hat Leopardin Linde an ihrer Seite und kann NPCs herausfordern.

Mit eurem zunächst ausgewählten Helden startet ihr euer Abenteuer und erlernt die Grundlagen des Spiels.

Stimmungsvolles Abenteuer

Wie viele andere japanische Rollenspiele auch, lässt sich „Octopath Traveler“ zunächst viel Zeit. Das mag manchen vielleicht stören, fördert aber zweifellos die Atmosphäre. Das JRPG kommt im hübschen Pixel-Gewand. Der 16-Bit-Look steht dem Spiel ausgezeichnet und speziell die verschiedenen Regionen Orsterras geizen nicht mit feinen Details und unterschiedlichen Stimmungen. Besonders gut gefielen uns etwa die Schneegebiete, in denen die Flocken munter über den Bildschirm rieseln.

Allerdings lauft ihr nicht durch eine flache 2D-Welt, sondern bewegt euch dreidimensional auf den einzelnen Abschnitten und könnt so beispielsweise in Waldwege im Hintergrund abbiegen. Das erzeugt ein gutes Gefühl für die Tiefe der Spielwelt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die klasse umgesetzten Effekte in den Kämpfen und der herausragenden Vertonung. Der Soundtrack ist grandios und auch die – lediglich englische – Sprachausgabe steht dem in nichts nach. Leider sind längst nicht alle Gespräche vertont, was aber angesichts der Masse an Dialogen durchaus verständlich ist.

Taktik trifft Charakter

Und so ist „Octopath Traveler“ zweifellos ein Spiel, in das ihr euch hineinarbeiten müsst. Zwar lässt euch das Spiel viele Freiheiten, wie ihr euren Pfad durch die Kapitel bestreiten möchtet, jedoch müsst ihr auch die sieben übrigen Figuren in der Spielwelt abholen und so freischalten. Dieser Prozess kostet mitunter sehr viel Zeit und Nerven, da man schnell das Gefühl bekommt auf der Stelle zu treten. Ebenfalls schade: Die Interaktion zwischen den Figuren könnte für unseren Geschmack noch exzessiver sein.

Trotzdem besitzt „Octopath Traveler“ ausreichend Tiefe, um langfristig zu motivieren. Gerade die rundenbasierten Kämpfe setzen sich mit ihrem taktischen Mix aus dem Aufbrechen der gegnerischen Verteidigung und dem Einsetzen des wuchtigen Boost-Modus von der Echtzeitkonkurrenz ab. Ihr greift auf physische und element-basierte Angriffe zurück. In jeder Runde, in der ihr auf den Boost-Modus verzichtet, richtet ihr zwar weniger Schaden an, sammelt dafür aber Boost-Punkte.

So müsst ihr immer wieder abwägen, wann ihr die schweren Geschütze auspackt. Sobald ihr dann den gegnerischen Schild durchbrochen habt, ist der Kontrahent chancenlos und entsprechend verwundbar. Das Kampfsystem erweist sich als anspruchsvoll und gerade in der Anfangsphase kassiert man schneller eine Niederlage als gedacht.

Ebenfalls sehr schön: Im Spielverlauf verbessert ihr die bestehenden Charaktere. Ihr erhaltet also immer stärkere Ausrüstungsgegenstände und Waffen, schaltet aber auch für jeden eine zweite Charakterklasse frei. Dadurch entstehen spannende Hybrid-Klassen, die euch zusätzliche Möglichkeiten im Gefecht erlauben. Krieger Olberic etwa erweitert ihr so um Heiler-Talente oder gebt ihm Jäger-Fertigkeiten an die Hand. Wer also gerne viel Zeit beim Charakter- und Party-Management verbringt, der tobt sich hier munter aus.

Meinung

Zugegeben, ein perfektes JRPG ist auch „Octopath Traveler“ nicht. Dafür ist der Einstieg einfach zu zäh und speziell der Dynamik innerhalb der Party mangelt es einfach an Seele und Interaktion. Hinzu kommt das mühsame Einsammeln der übrigen Helden sowie eine Reihe mangelnder Komfortfunktionen. Aber lasst euch deshalb nicht von „Octopath Traveler“ abhalten!

Zunächst einmal ist das Rollenspiel ein einfach wunderschön präsentiertes Abenteuer – sowohl optisch als auch akustisch. Unter dieser stimmungsvolle Fassade versteckt sich aber auch ein komplexes und herausforderndes Rollenspiel. Kampf- und Charaktersystem punkten gleichermaßen und sind gerade für erfahrene JRPG-Fans der Grund, immer mehr Zeit in „Octopath Traveler“ zu investieren.

Wer also nach der Fußball-Weltmeisterschaft nicht weiß, wie er seine Freizeit füllen soll, dem raten wir zu „Octopath Traveler“. Egal, ob zuhause oder unterwegs – Das Switch-JRPG lohnt sich auf jeden Fall und belohnt euch mit jeder Spielstunde mehr.

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