Spider-Man im Test: So gut ist Insomniacs Superheldenabenteuer
Mit Spidey durch Manhattan schwingen und Gangster dingfest machen: Insomniacs „Spider-Man“ revolutioniert zwar das Open-World-Genre nicht, stellt aber trotzdem eine erstklassige Superhelden-Versoftung dar. Wie gut „Spider-Man“ tatsächlich ist, erfahrt ihr im Test!
PS4

„Ratchet & Clank“, „Resistance“ oder „Spyro“ – Insomniac Games steht für eine ganze Reihe bekannter und vor allem herausragender Spiele. Kein Wunder, dass nach der Ankündigung des PS4-exklusiven „Marvel‘s Spider-Man“ die Erwartungen an das Open-World-Abenteuer riesig waren. Am 07. September erscheint das Superheldenabenteuer – doch lohnt sich der Kauf?

Keine Comic-Vorlage

Insomniacs „Spider-Man“ erzählt eine eigene Geschichte und ist keine Origins-Story oder ein Handlungszweig aus den Comics. Entsprechend vorsichtig möchten wir an dieser Stelle mit Details umgehen. „Spider-Man“ startet mit ordentlich Schwung, nimmt sich danach aber wieder mehr Zeit, um den eigentlichen Handlungsbogen zu spannen. Das Spiel lässt euch länger im Unklaren über die eigentlichen Hintergründe, baut aber in der Zwischenzeit etliche Superschurken wie etwa Schocker in die Geschichte ein.

Die Bosskämpfe – auch wenn sie nicht sonderlich komplex ausfallen – sind natürlich für Comic-Fans ein wahres Highlight und gehören sicherlich zu den Höhepunkten des Spiels. Peter Parker als erfahrener Superheld funktioniert ebenfalls ordentlich und speziell sein gewohnt loses Mundwerk kommt richtig gut rüber. Als emotionale Ankerpunkte dient Peters näheres Umfeld in Form von Tante May und Mary-Jane Watson. So viel sei gesagt: Die Kampagne überzeugt und fährt eine Art „Best Of“ der „Spider-Man“-Comics auf. Kenner der Vorlage erleben im Stundentakt Überraschungen und Wiedersehen mit alten Bekannten.

Nicht riesig, aber groß genug

„Marvel’s Spider-Man“ entpuppt sich als storylastige Open-World-Abenteuer und letztlich dient das aus zehn Bezirken bestehende Manhattan lediglich als Spielplatz für Spideys Eskapaden. So lebendig wie beispielsweise in „Assassin‘s Creed Origins“ ist New York nämlich nicht und auch längst nicht so voll mit immer neuen Aufgaben wie etwa „GTA V“.

Stattdessen turnt ihr munter umher und erfreut euch zunächst an dem genial leichtgängigen Gameplay. Besonders das Schwingen ist eine helle Freude und löst problemlos die Schnellreisefunktion ab. Spidey schraubt sich in die Luft, vollführt Schrauben und andere Verrenkungen. Zugleich erzeugt das Spiel ein tolles Geschwindigkeitsgefühl, aber auch einen Eindruck für die Weite der Welt. Die freien Aufgaben könnten kaum simpler sein: Hier ein Verbrechen verhindern, dort in einem Quicktime-Event einen Passanten retten oder ein Wahrzeichen fotografieren.

„Spider-Man“ bietet neben einem typischen, aus drei Talentbäumen bestehenden Eigenschaftensystem ein überraschend umfangreiches Inventar. So schaltet ihr im Verlauf neue Anzüge frei und aktiviert Gadgets oder zusätzlich Feuermodi für euer Spinnennetz. So pappt ihr etwa Ganoven an Wände oder verpasst ihnen Elektroschocks.

Die Talente der Spinne

Zugleich koppelt Spider-Man seinen Fortschritt nicht nur an eure Erfahrungspunkte, sondern vor allem an die absolvierten Nebenaufgaben. Nur wenn ihr euch auch abseits der Hauptgeschichte umschaut, erhaltet ihr Wahrzeichen-, Forschungs- oder Kriminalitätspunkte für Upgrades. Was sich mühsam anhört, ist in der Praxis eine angenehme Art des Zeitvertreibs. Treibt ihr euch in Open-World-Spielen aber bevorzugt abseits der Route herum, dann merkt ihr schnell, dass sich bestimmte Aufgaben wiederholen. Ob ihr nun ein Verbrechen vereitelt oder eine von Gangstern eingenommene Baustelle klärt, ist spielerisch letztlich sehr ähnlich.

Glücklicherweise überzeugt das Kampfsystem. „Spider-Man“ greift auf flotte Kombos, eine direkte Steuerung und vor allem Spideys Spinnensinn zur Inszenierung seiner Auseinandersetzung zurück. Zwar habt ihr es nicht selten mit sechs oder mehr Gegnern zu tun, gleicht diese Unterlegenheit aber mit schnellen Positionswechseln, Ausweichmanövern oder Netzangriffen wieder aus.

„Spider-Man“ überrollt einen anfangs mit seinem Tempo und der Masse an Möglichkeiten. Nicht selten stirbt die Spinne allzu schnell der Heldentod. Gerade im Umgang mit bewaffneten Schurken segnet Spidey schnell das Zeitliche. Deshalb müsst ihr ständig ausweichen, kontern und einen Widersacher nach dem anderen bearbeiten. Zu diesem Zweck schleudert ihr beispielsweise auch Objekte durch die Luft oder katapultiert den Superhelden gegen eure Ziele.

Auf leisen Spinnensohlen

In einigen Sequenzen spielt ihr schließlich sogar Detektiv. So nutzt ihr die Sensoren eures Anzugs zum Ausspähen von Stromleitungen oder anderen Verbindungen. An einigen Stellen müsst ihr sogar lautlos vorgehen und dürft euch nicht entdecken lassen. In diesen Abschnitten nimmt Insomniac klare Anleihen bei Rocksteadys „Batman“-Reihe: Spidey versteckt sich also auf Dachbalken, schwingt sich umher und schaltet seine Widersacher möglichst lautlos aus. Die Fledermaus machte ihre Job noch einen Tick besser und geschmeidiger als sein Marvel-Gegenstück, trotzdem erweisen sich die Stealth-Passagen als schöner Tempowechsel zu den ansonsten sehr flinken Prügeleien.

Fazit

Volltreffer! Auch wenn „Marvel‘s Spider-Man“ nur ein durchschnittliches Open-World-Spiel darstellt, so ist es dennoch ein erstklassiges Actiongame. Insomniac fängt die Stärken der Comic-Vorlage nahezu perfekt ein. Mal von gelegentlichen Übersichts- und Kameraproblemen im Kampf abgesehen, spielt sich „Spider-Man“ herrlich direkt.

Besonders die Navigation innerhalb Manhattans überzeugt auf ganzer Linie und selbst kleinere Steuerungsprobleme stören nicht den Fluss. Stattdessen genießen wir die einzigartige Stimmung des Spiels und tauchen hinab in ein Comic-Abenteuer, das sich nicht vor der „Batman-Serie verstecken muss. „Spider-Man“ macht einfach gewaltig Spaß und gehört deshalb zu den ersten großen Hits der diesjährigen Herbstsaison.

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